Politik
14.12.2011

US-Serie über Muslime: „Verharmlosung“?

Eine Reality-Serie über den Alltag von Muslimen spaltet zurzeit die amerikanische Gesellschaft. Ein handfester Streit ist entbrannt.

All American Muslim“ heißt eine Show, die derzeit in den USA die Gesellschaft spaltet. Die Serie, die seit 13. November jede Woche auf TLC gesendet wird, zeigt fünf Familien in Dearborn, Michigan, einer Vorstadt von Detroit, bei ihrem ganz normalen Leben: aufstehen, arbeiten, beten, einkaufen, heiraten, Kinder kriegen etc.

Die Hauptdarsteller sind Moslems – Dearborn gilt als eine jener US-Gemeinden mit dem größten Anteil muslimischer Bürger. Sie sind alle US-Amerikaner und stolz darauf, beschäftigen sich aber – aufgrund ihrer Religion – mit Fragen wie „Kopftuch ja oder nein?“ und „Wie organisiere ich den Ramadan?“.

Jede Woche begleiten mehr als eine Million Zuschauer Sehaila, Nader, Fuad und Samira durch den Tag. Und doch ist TLC nicht sicher, ob die Serie weitergeführt werden kann. Denn ein großer Geldgeber ist abgesprungen.

Der Florida Family Association gefällt die Show nicht. Sie verharmlose das Problem der USA mit den Muslimen. Die Gruppe, die 1987 von Protestanten gegründet wurde und angeblich 35.000 Mitglieder zählt, hat sich zur Aufgabe gemacht, gegen „Unchristliches“ wie Homosexualität und Pornografie zu kämpfen. Sie rief zu einem Boykott der Baumarktkette Lowe’s auf. Diese hat All American Muslim mit teuren Werbeschaltungen „unterstützt“.

Die Mails und Beschwerdeanrufe zwangen Lowe’s in die Knie: „Wir sind zum Blitzableiter für starke politische Ansichten geworden, als Folge zogen wir unsere Werbung zurück“, hieß es in einem Statement. Entschuldigung kam keine. Jetzt wird die Kette von Muslimen boykottiert, Facebookseite und Hotlines von Kritik überhäuft. Weihnachtsgeschäft und Image der Firma leiden jetzt darunter. Inzwischen schaltete sich auch der demokratische Senator Ted Lieu ein: Er überlege rechtliche Schritte gegen Lowe’s.

„Amerikanische Prinzipien“

Der Musikunternehmer und Aktivist Russell Simmons kaufte schließlich kurzerhand die offenen Werbezeiten und startete eine Petition gegen Lowe’s. „Das ist eine Frage amerikanischer Prinzipien“, twitterte er. Lowe’s begünstige den Hass gegen Muslime.

Er hat sich schon mehrmals Themen angenommen, die durch die Medien gegangen sind. Im November bot er etwa an, die Reinigung des Zuccotti Parks in New York zu zahlen, dem Ort, an dem die Occupy-Wall-Street-Bewegung ihre Zelte aufgeschlagen hatte.