Tiercoach: Vom Schlingen und Schlabbern

Zum Fressen gern: Die Geschmacksvorlieben bei Katze und Hund sind anerzogen. Hochwertige Fertigprodukte sind sinnvoll, Delikatessen dagegen meist überflüssig
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Garnelen im Hundenapf - wozu? Wer sein Haustier gesund ernähren will, füttert die richtige Menge in artgerechter Mischung.

Hirschwurst und Straußenchips als Amuse-Gueule, Barbecue Rippchen, Lammlunge oder Bio-Pute mit Gemüse und Kartoffeln als Hauptgang und zum Dessert Vanille-Kuss. Oder vielleicht Hühnerbrust und Spargel, bzw. Thunfischfilet mit Black-Tiger-Garnelen? Was sich wie die Speisekarte eines feinen Lokals liest, steht im Bestellkatalog eines Anbieters von "Tiernahrung mit System".

"Heimtiere sind keine Menschen. Sie haben andere Bedürfnisse. Ihre Ernährung muss artgerecht und individuell angepasst sein", sagt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. Die Direktorin des Tiergarten Schönbrunn weiß, dass sich Haustierhalter bei der Futterwahl oft vom eigenen Geschmack leiten lassen. Notwendig, gar gesund, ist das nicht immer. Die Expertin gibt Tipps, was sinnvollerweise in den Napf kommt.

"Hunde sind Schlinger. Ihr Geschmackssinn ist weit schwächer ausgeprägt als ihr Geruchssinn. Farben beeindrucken die Vierbeiner schon gar nicht", sagt Schratter. Entscheidend für das Wohlergehen des Tieres sei die Zusammensetzung des Futters.

Diese Mischung aus Eiweiß, Fett, Ballaststoffen, Mineralien, Kalzium und Phosphor hängt unter anderem von der Größe des Vierbeiners ab. Ein kleiner Chihuahua braucht im Verhältnis mehr Energie als eine Dogge. Auch körperliche Faktoren spielen eine wichtige
Rolle. Ein junger Hund im Wachstum verbrennt mehr Kalorien als ein ruhiger Senior. Kastrierte Hunde neigen zu Fettleibigkeit. Bei einer trächtigen Hündin ist Kraftnahrung angesagt. Ein bequemer Wohnungshund frisst weniger als ein Arbeitstier oder Sportler. Nicht zuletzt zählt der Gesundheitszustand. Tiere mit Magen-Darm-Problemen und chronisch Kranke wie etwa Allergiker und Diabetiker erhalten spezielle Diät.

"Das Futter selber zusammenzustellen ist möglich, aber nicht einfach. Dazu ist enorm viel Wissen notwendig", sagt der KURIER-Tiercoach: "Fertignahrung gibt es in hochwertigen Angeboten. Das ist keine Geschäftemacherei, sondern sehr sinnvoll, da sich der Bedarf des Tieres im Laufe des Lebens immer wieder ändert", plädiert die Expertin für fix gemischte Produkte. Als Richtlinie gilt: Besseres Futter kostet mehr. Ob Feucht- oder Trockenfutter ist Geschmackssache des Besitzers, frisches Wasser zum Trinken dagegen ein "Grundnahrungsmittel" des Hundes. Gerade bei Trockenfutter ist es eine wichtige Komponente in der Ernährung.

"Zu den Kauknochen gibt unterschiedliche Philosophien", sagt Schratter. Fest steht aber: Zahnstein beim Hund hat nichts mit Zucker zu tun, viel mehr mit einem Mangel an Mineralstoffen. Ein teurer Kauknochen hat also genau den selben Null-Effekt wie ein normaler Kalbsknochen. "Der Hund wird ihn gerne fressen, brauchen tut er ihn nicht", erklärt der KURIER-Tiercoach.

Hundekeks sind jederzeit willkommen. Aber Vorsicht: Leckerlis müssen in die Ernährung eingerechnet werden, sonst droht dem Vierbeiner Übergewicht. Streicheleinheiten können statt dessen kalorienfreie Belohnung sein. Tischreste sind absolut tabu. "Menschenkost hat im Hundenapf nichts verloren", sagt Schratter.

Hunde sind Allesfresser, ihre wilden Vorfahren verputzten Haut und Knochen, Beeren und Bindegewebe. Katzen dagegen sind ausgewiesene Fleischfresser. "Sie haben daher einen wesentlich höheren Proteinbedarf", erklärt die Expertin. Aus diesem Grund ist der Fleischanteil im Katzenfutter - ungeeignet für Hunde - hoch. Auch da decken abgestimmte Fertigprodukte alle individuellen Bedürfnisse ab. Abschließend betont Schratter: "Vorlieben sind anerzogen. Es ist noch kein Hund, es ist noch keine Katze bei voller Schüssel verhungert."

Zum Fressen gern: Die Geschmacksvorlieben bei Katze und Hund sind anerzogen. Hochwertige Fertigprodukte sind sinnvoll, Delikatessen dagegen meist überflüssig Foto: DUSAN KOSTIC - FOTOLIA 19278280/Dusan Kostic/Fotolia Zum Fressen gern: Die Geschmacksvorlieben bei Katze und Hund sind anerzogen. Hochwertige Fertigprodukte sind sinnvoll, Delikatessen dagegen meist überflüssig

Feinspitz oder Vielfraß - KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter hat Tipps zur richtigen Ernährung der Vierbeiner:
Futterwechsel Hunde und Katzen sind Gewohnheitstiere. Ausgewogene Mahlzeiten in Zimmertemperatur müssen sein, Abwechslung dagegen ist biologisch gesehen nicht notwendig. Alleinfutter braucht keine Ergänzung mit Mineral- und Nährstoffen , das könnte zu schädlicher Überdosierung führen. "Futter soll nie abrupt umgestellt werden, das kann schwere Verdauungsprobleme verursachen", sagt die Expertin.

Fütterrituale Jungtiere bekommen ihr Futter drei Mal am Tag, ausgewachsene Tiere fressen leichter verdaubar zwei Mal (statt nur ein Mal) täglich. Fixe Fütterzeiten schaffen Vertrauen. Frisches Wasser sollte stets bereitstehen. Jedes Tier hat einen eigenen, sauberen Napf an einem ruhigen Platz. Reste, vor allem von Feuchtfutter, müssen unmittelbar nach der Mahlzeit entsorgt werden. Eine Ruhepause nach der Nahrungsaufnahme tut jedem Haustier gut.

Gesundheit "Ist das Fell struppig und stumpf, hat der Vierbeiner Dauerdurchfall, muss er zum Tierarzt", sagt Schratter. Stehen die Hüftknochen hervor, ist das Tier zu mager. Sind die Rippen nicht mehr zu spüren, ist es Zeit für Diät und mehr Bewegung. Ernährungsfehler und Übergewicht machen auch Haustiere krank.

Leistungen Das Institut für Tierernährung an der Vetmed-Universität Wien (1210, Veterinärplatz 1) bietet Ernährungsberatung für Haustiere an. Experten beantworten Heimtierbesitzern und Tierärzten Fragen rund um die Themen Futter und Füttern. Sie erstellen auch individuelle Speisepläne für Haustiere.

Kontakt Telefonische Auskünfte sind Serviceleistungen. Ein Besuch kostet je nach Aufwand 30 € bis 70 €. Infos unter 01/25077 - 3201, bzw. stefanie.handl@vetmeduni.ac.at

(kurier) Erstellt am
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