Politik 13.12.2011

Tiercoach: Schrecklich vermisst

Wenn ein Haustier nicht von selbst nach Hause findet, können Nachbarn, Tierärzte und Artgenossen in die Suche einbezogen werden.

Wer hat Rasputin gesehen? Der kranke Jack Russel benötigt dringend Medikamente. Wo steckt Kaju? Der grau getigerte Kater ist seit mehr als einer Woche abgängig. Täglich entlaufen Haustiere - eine bedrohliche Situation für die Vierbeiner, eine bange Zeit für ihre Besitzer.

"Am häufigsten sind Hunde und Katzen betroffen. Aber auch Vögel und Schildkröten verlassen ihre sichere Unterkunft und finden nicht mehr zurück. Kleintiere machen kaum Probleme", sagt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. Die Direktorin des Tiergarten Schönbrunn rät Heimtierhaltern gesetzeskonform zum Chippen (siehe rechts) und gibt Tipps, wie es für Ausreißer zu einem Happy End kommt.

Die Haustür ist offen, das Gartentor ebenfalls, ein interessantes Geräusch im Gebüsch, ein verlockender Geruch im Dickicht, der Jagdinstinkt siegt, dem Ausflug in die Freiheit steht maximal die Leine im Weg - kein echtes Hindernis; ein Riesenschreck wegen eines lauten Knalls, ein Böller, ein Unfall auf der Straße, der Hund reißt sich in Panik los. "Tiere, die in Furcht davonlaufen, sind nicht so orientiert wie Streuner. Diese finden sich ganz gut zurecht und kehren meist nach ein paar Stunden von selbst dahin zurück, von wo sie ausgebüxt sind, oder sie gehen schnurstracks nach Hause", sagt Schratter.

Vier- und Zweibeiner nicht so glücklich zusammen, muss die Suchaktion der anderen Art eingeleitet werden. Haustierbesitzer im Raum Wien wenden sich an das Veterinäramt. Die MA 60 verfügt über eine Tierschutzhotline. Unter der Telefonnummer (01) 4000*8060 nehmen Amtstierärzte rund um die Uhr Vermisstenanzeigen entgegen. Die Homepage www.tierschutzinwien.at führt aktuelle Listen "Gefunden - Verloren". In den Bundesländern sind die nächstgelegenen Tierschutzhäuser sowie Tierärzte die wichtigsten Anlaufstellen. Flugblätter mit Foto verbessern die Chance, den Ausreißer rasch aufzuspüren.

"Unabhängig vom Chip erleichtert ein Halsband mit Markerl, in das die Telefonnummer des Halters eingestanzt ist, die Identifizierung", sagt der Tiercoach.

Durchgebrannt: Ein Hund, der sich in Panik losreißt, tut sich schwer beim Orientieren. Streuner dagegen finden sich in Freiheit gut zurecht und kommen meist ohne fremde Hilfe zurück.
© Bild: Fotolia

Auch Samtpfoten können bzw. müssen gechippt und registriert werden. Die fünfzehnstellige Zahl ermöglicht das rasche Heimbringen des verirrten Vierbeiners.
"Die meisten Katzen sind gern unterwegs. Wenn sich Freigänger einen Tag lang nicht zeigen, merkt man das unter Umständen gar nicht", sagt die Expertin. Bleibt die Futterschale länger unberührt, sollten die Nachforschungen beginnen. Haustierbesitzer müssen dabei bedenken, dass sich Katzen einerseits sehr gerne verkriechen und dass sie andererseits sehr weit laufen. Abenteurer springen unbemerkt ins Auto. Durchgebrannte suchen Unterschlupf bei Fremden und bleiben.

"Zuerst muss man die Nachbarn informieren. Es ist schon passiert, dass eine Katze drei Wochen im Keller eingesperrt war", sagt Dagmar Schratter.

Ein entflogener Sittich oder Papagei findet ohne Hilfe nicht zurück. "Bei paarweiser Haltung kann man den Käfig mit dem verbliebenen Partner ans Fenster stellen. Das Rufen lockt", erklärt der KURIER-Tiercoach. Anfüttern und Einfangen funktionieren seltener. Vor allem nicht im Sommer, wenn die Vögel auch im Freiland Nahrung finden.

"Sie marschieren zielstrebig dahin. Aber natürlich kommen sie nicht so weit", so Schratter: "Hören Sie sich in der Nachbarschaft um."

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

( Kurier ) Erstellt am 13.12.2011