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Politik
07/01/2012

Stronach sucht schon Partei-Kandidaten

Nationalratswahl: Der Milliardär Frank Stronach steht vor der Gründung einer Experten-Partei. Sein Anti-EU-Kurs ist umstritten.

Der Milliardär Frank Stronach steht offensichtlich vor einer Parteigründung. Zumindest vor der Gründung einer „wahlwerbenden Gruppe“, wie der Terminus technicus heißt. „Er ist sehr ernsthaft dahinter“, bestätigen Vertraute aus Stronachs Umgebung. Über den Starttermin gibt es unterschiedliche Angaben: Während die einen von 2013 reden, glauben andere, dass er „in diesem Herbst voll loslegen wird“.

Die Liste von potenziellen Abgeordneten, an der Stronach bastelt, besteht vorerst aus Experten. Ein Vertrauter: „Es gibt viele Interessenten, die mitmachen wollen und eine Reihe seriöser Kandidaten. Frank redet zum Beispiel mit Professoren von Universitäten, mit denen er zusammenarbeitet.“ Stronachs frühere erste Hand bei Magna, Siegfried Wolf, bestätigt in einem News-Interview: „Jemand wie Frank kann die richtigen Leute, ein Expertenteam, zusammenbringen und motivieren.“

"High-Level-Personen"

Leute, die in der engeren Wahl seien, sind „High-Level-Personen aus den Bereichen Wissenschaft, Forschung, Unis und aus der Wirtschaft“, heißt es. Und: „Es sind keine aktiven Politiker darunter.“

Ein aktiver Politiker arbeitet laut Insidern aber sehr wohl hinter den Kulissen für Stronach: der BZÖ-Abgeordnete Peter Westenthaler. Dem Vernehmen nach soll Westenthaler nicht als Kandidat auftreten, er macht aber so etwas wie Generalsekretärs-Arbeit. So soll Westenthaler zusammen mit seiner Person bereits drei Abgeordnete an der Hand haben, die für die Kandidatur der Stronach-Partei unterschreiben würden. Das würde für eine Kandidatur bei der Nationalratswahl genügen. Andernfalls müsste Stronach 2600 beglaubigte Unterschriften sammeln – ein mühseliges Unterfangen ohne Parteiapparat.

Als möglicher Kandidaten-Name taucht immer wieder der Journalist Christian Ortner auf. Bestätigung gibt es dafür keine – nur so viel: „Stronach weiß, dass er Kommunikatoren braucht.“ Ungeklärt ist noch die Frage der Spitzenkandidatur. Eine Wunsch-Persönlichkeit könnte Stronach abhanden kommen: Herbert Paierl ist im Gespräch für den Chefposten in der Staatsholding ÖIAG (Details dazu hier).

Siegfried Wolf schließt in News eine Spitzenkandidatur nicht aus. Er sagt zwar, dass er lieber Manager bleibe, fügt aber an: „Wenn jemand seine Heimat Österreich liebt, wird er sich immer verpflichtet fühlen.“ Wie ein Spitzenkandidat Wolf allerdings mit Stronachs EU-Aversion zusammen passen soll, erscheint rätselhaft. Wolf deklariert sich als „glühender Verfechter der EU“ und lobt Vranitzky und Schüssel für deren Verdienste um Europa.

Streit um EU-Kurs

Stronach hingegen inserierte auch am Wochenende wieder gegen den Euro-Stabilitätsmechanismus ESM. Dem Vernehmen gibt es im Stronach-Lager Streit um den EU-Kurs. Es sollen einige schon abgesagt haben, weil Stronach einen anti-europäischen Kurs fährt, auch Unterstützung aus der Wirtschaft bröckelt deswegen. Es ist nicht auszuschließen, dass Stronach selbst antritt.

Die EU-Haltung ist der entscheidende Faktor bei der Antwort, wem eine Stronach-Partei schaden würde. Ein Anti-EU-Kurs würde der FPÖ Konkurrenz machen. Die ÖVP sieht die Stronach-Partei daher relativ gelassen: „Gegen Europa kriegt er keine bürgerlichen Stimmen.“ Zittern müsste jedenfalls das BZÖ, dessen Verhandlungen mit Stronach (Ausnahme: Westenthaler) sich zerschlagen haben.

Probegalopp in St. Pölten?

Im März 2013 wird in Niederösterreich der Landtag neu gewählt. Der Termin ein halbes Jahr vor der Nationalratswahl böte sich für Stronach als Testlauf an. Auf Landeshauptmann Erwin Pröll ist der Milliardär nicht gut zu sprechen. Das Zerwürfnis ging so weit, dass Stronach 2010 vor der steirischen Landtagswahl eine Wahlempfehlung für den SPÖler Franz Voves abgab – und das, obwohl Stronach just zur selben Zeit auf Antrag des steirischen ÖVP-Chefs Schützenhöfer einen Verdienstorden bekam. Gegenüber Schützenhöfer entschuldigte Stronach den Affront so: „Pröll redet so schiach über mich.“

Tatsächlich hatte sich Landeshauptmann Pröll erlaubt festzuhalten, dass Stronach in Niederösterreich „nur Baustellen“ hinterlassen habe: Das Fußballstadion in Wiener Neustadt kam über eine riesige Baugrube nicht hinaus und ist heute wieder „grüne Erde“. Für einen Erlebnispark opferte das Land 58 Hektar Feuchtbiotop, heraus kam ein Pferderennbahn-Flop; eine Fußball-Akademie in Hollabrunn ist bereits wieder zugesperrt. Die Frage nach seiner Leistung für Niederösterreich würde sich Stronach gefallen lassen müssen – und riskieren, beim Probegalopp vor der Nationalratswahl eine Niederlage einzufahren.

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