Streit um 25 Stunden am Stück

Knochenarbeit: Eingriff ins Dienstrecht soll Eingriffe im OP sicherer machen.
Foto: ap

SPÖ-Minister und Kammer wollen die Arbeitszeit der Spitalsärzte kürzen. Die ÖVP warnt vor einem Schnellschuss.

Wie lange kann ein Spitalsarzt am Stück arbeiten, ohne sich selbst und die Patienten zu gefährden? Die Antwort lautet: 32 Stunden, am Wochenende auch 49 Stunden - das sagt das entsprechende Arbeitszeitgesetz.

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und die Ärztekammer wollen das ändern. Wie berichtet, soll das Gesetz 2011 novelliert, die Arbeitszeit mit 25 Stunden pro Dienst begrenzt werden. Die maximale Wochen-Arbeitszeit (im Schnitt 60 Stunden, im Einzelfall bis zu 72 Stunden) bliebe unverändert. "Jeder Patient hat das Recht auf einen ausgeschlafenen Arzt", sagen Minister und Funktionäre; sie wissen die Mehrheit der Ärzte hinter sich. Laut einer Ifes -Umfrage wollen drei Viertel kürzere Dienste.

Während FPÖ und Grüne die geplante Änderung befürworten, ist für die ÖVP die Zustimmung zu der Verkürzung noch nicht ausgemacht. Erwin Rasinger, selbst Arzt und Gesundheitssprecher der ÖVP, warnt im KURIER-Gespräch vor einem "Schnellschuss": "Wir haben erst vor fünf Jahren neue Regelungen beschlossen. Eine neuerliche Veränderung muss man vorsichtig abwägen."

Problem

Knochenarbeit: Eingriff ins Dienstrecht soll Eingriffe im OP sicherer machen. Foto: ap Knochenarbeit: Eingriff ins Dienstrecht soll Eingriffe im OP sicherer machen.

Gerade kleinere Land-Spitäler könne die Verkürzung vor Probleme stellen - weil allenfalls Ärzte fehlen. Zudem gelte es, das "Übergabe-Problem" zu bedenken: "Je öfter ein Patient den behandelnden Arzt wechselt, desto größer ist auch die Gefahr, dass bei diesen Übergaben wichtige Informationen verloren gehen. Das kann sich negativ auf die Qualität auswirken."
Vertreter der Länder, wie Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer, sind ebenfalls skeptisch - sie fürchten zusätzliche Kosten.

Zumindest das lassen die Betroffenen nicht gelten. "Die Gesamt-Arbeitszeit bliebe gleich, nur die einzelnen Dienste würden kürzer und öfter gemacht", sagt Harald Mayer von der
Ärztekammer. "Das Einzige, das sich für die Spitalsbetreiber ändern würde, wäre, dass die Dienst-Einteilung ein wenig anspruchsvoller wird."

Interview: "Mitunter kontraproduktiv"

Würden 25-Stunden-Dienste die Behandlungsqualtität in den Spitälern heben? Der KURIER sprach mit Klaus Genger, Oberarzt am steirischen LKH Leoben - mit einem Mann aus der Praxis.

Genger über...
... seine Arbeitszeiten

"Üblicherweise haben wir eine 40-Stunden-Woche. In Ausnahmefällen, wenn Kollegen auf Urlaub oder krank sind, geht's bis zu 80 Stunden."

... über das geplante Gesetz zur Begrenzung der Arbeitszeit

"Das ist nicht immer umsetzbar. Wenn ein Spitalsarzt im Dienst ist, kann er nicht einfach das Messer weglegen und heimgehen, Dienstzeiten müssen flexibel sein. Im Allgemeinen können wir mit dem derzeit geltenden Gesetz durchaus zufrieden sein."

... über die Qualitätssteigerung, die 25-Stunden-Dienste bringen
"In manchen Bereichen könnte die Qualität sicher steigen. Bei arbeitsintensiven Abteilungen, wie etwa der Unfallchirurgie, würde sich die Situation für Patienten und Ärzte durch kürzere Dienste wohl verbessern. Auf Stationen wie der Reha, in denen die gesamte Krankengeschichte und komplexe Zusammenhänge im Zentrum stehen, sind häufige Dienst-Wechsel jedoch kontinuitätsbrechend und mitunter kontraproduktiv."

(kurier / Christian Böhmer und Julia Hödl) Erstellt am
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