Politik
25.07.2017

AfD: Mit Baby-Wahlkampf aus der Krise

Die AfD-Chefin posiert auf umstrittenem Wahlplakat mit ihrem fünften Kind.

Ihr politisches Leben ist ja in jüngster Zeit ziemlich ins Schleudern geraten, im privaten dagegen läuft für Frauke Petry offensichtlich alles sehr harmonisch. Warum also, dachte sich die AfD-Chefin offensichtlich, nicht mit dem einen das andere wieder ein bisschen aufmöbeln. Schließlich ist die Rechtspopulisten-Partei nach ihrem Höhenflug auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise derzeit in den Umfragen wieder ganz unten. Sie nähert sich bereits der Fünf-Prozent-Hürde und könnte damit bei den Bundestagswahlen im Oktober aus dem Parlament fliegen. Außerdem ist man seit Monaten in heftige innerparteiliche Kämpfe zwischen gemäßigten Kräften und dem rechten Flügel verstrickt.

Das Ergebnis der politischen Rettungsaktion, das in Deutschland derzeit für heftige Debatten sorgt: Petry posiert auf ihrem aktuellen Wahlplakat mit ihrem gerade einmal zwei Monate alten Sohn. Darüber die herzzerreißende Frage: "Und was ist Ihr Grund für Deutschland zu kämpfen?" Kritiker ärgern sich nicht nur über den etwas billigen Populismus der Werbung, sondern auch über den offensichtlichen Rechtsbruch.

Immerhin sind Minderjährige - und darum handelt es sich bei Petrys Sohn wohl eindeutig - eigentlich auf öffentlichen Darstellungen zu verpixeln und unkenntlich zu machen, da sie ja sonst ohne ihre Zustimmung instrumentalisiert würden.

Petry hat über ihren Sprecher inzwischen ausrichten lassen, dass sie zu dem Plakat steht, und es auch im Wahlkampf weiter einsetzen lassen will, wenn auch nur als eines von vielen Motiven. Der Kindesvater Marcus Pretzell, AfD-Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen, hat sich zu der Plakataktion noch nicht geäußert. Er und Petry sind ja erst seit dem Vorjahr verheiratet und leben noch in getrennten Wohnsitzen.

Die 42-jährige Petry hat aus ihrer ersten Ehe mit einem evangelischen Pastor bereits vier Kinder. Die als beinharte politische Strategin geltende AfD-Chefin hat ja schon auf dem jüngsten Parteitag ständig mit Rücktrittsdrohungen jongliert, um so Druck auf die Partei aufzubauen, und mehr Leute hinter sich zu versammeln. Sie ist ja weiterhin die mit Abstand populärste Figur der Partei. Petry drängt auf einen moderaten Realpolitiker-Kurs, der die AfD theoretisch auch regierungsfähig machen könnte, ist aber daran gescheitert, den rechten Flügel auf Linie zu bringen.