Politik 17.01.2012

„Nicht jede Übung ist für jeden empfehlenswert“

Prim. Univ.-Prof. Martin Friedrich ist Leiter der Abteilung für Orthopädische Schmerztherapie im Orthopädischen Spital Speising in Wien.

KURIER: Kann Yoga dem Körper tatsächlich schaden?

Martin Friedrich: Ich beschäftige mich viele Jahre damit und meine Erfahrung zeigt ganz klar: Nicht jede Yoga-Übung ist für jeden Menschen empfehlenswert. Wenn ich etwa bereits eine Meniskus-Schaden habe oder sonst an einer Gelenksabnützung – einer Arthrose – leide, dann ist zum Beispiel der klassische Yoga-Sitz absolut ungeeignet. Denn er drückt den Gelenksspalt zusammen. Besteht bereits eine Überlastungsarthrose im inneren Kniegelenk, kann das die Abnützung weiter verstärken. Dies ist vor allem bei einer langfristigen Yoga-Ausübung der Fall.

Aber ist es nicht besser, sich überhaupt zu bewegen, als gar nichts zu tun?

Diese Aussage hört man heute oft: Viele Experten sind froh, wenn die Menschen irgendeine Bewegung machen. Die Art der Bewegung sollte aber immer an die eigenen Bedürfnisse angepasst sein. Deshalb halte ich besonders Yoga-Gruppen für problematisch.

Warum?

Bei diesen Gruppen ist die Gefahr groß, dass Übungen dabei sind, die Ihnen nicht gut tun. Ich habe in meiner Ordination immer wieder Patienten, die deshalb Schwierigkeiten mit den Gelenken haben. Das Problem ist der Gruppendruck: Niemand lässt gerne einzelne Übungen aus. Die Patienten sagen dann immer, „da komme ich mir so komisch vor, wenn ich nicht überall mitmache“. Die Yoga-Lehrer sollten aber gerade das fördern. Eine individuelle Einschulung in verschiedene Yoga-Übungen halte ich deshalb für besser.

Wie erkenne ich, ob eine Übung für mich nicht geeignet ist? Am Schmerz?

So einfach ist es leider nicht. Auch richtig ausgeführte Dehnungsübungen können schmerzhaft sein – ohne die Gelenke zu belasten. Und belastende Übungen müssen nicht immer gleich einen Schmerz verursachen.

Was raten Sie generell?

Gesunde Menschen ohne Gelenkbeschwerden haben in der Regel keine Probleme mit Yoga. Wer allerdings schon weiß, dass er an Abnützungserscheinungen leidet, sollte vor der ersten Yoga-Stunde einen Orthopäden aufsuchen. Und man sollte auch auf die Ausbildung des Yoga-Lehrers achten.

( Kurier ) Erstellt am 17.01.2012