© EPA

Politik
06/28/2012

Migration: EU-Bürger strömen nach Österreich

Laut OECD ist in keinem anderen EU-Land die Zuwanderung so stark durch Migration aus anderen EU-Staaten geprägt wie in Österreich.

In keinem anderen EU-Land ist derzeit die Migration durch den Zuzug anderer EU-Bürger geprägt wie in Österreich: Dies geht aus der aktuellen Ausgabe des Internationalen Migrationsausblicks der OECD hervor, der Mittwoch in Berlin und Brüssel vorgestellt wurde. Die Zuwanderung in die OECD-Länder sei 2010 zwar das dritte Jahr in Folge gesunken, hat aber in den meisten Ländern 2011 wieder zu steigen begonnen.

Die Personenfreizügigkeit aus der erweiterten EU in Österreich habe eine größere Bedeutung als in allen anderen EU-Staaten, so der Bericht. Personenfreizügigkeit - also die Migration aus der erweiterten EU - machte 2010 fast 64 Prozent der Zuwanderung aus. Dagegen lag der Anteil von Menschen, die nicht aus der erweiterten EU kommen, und die unter die sogenannte gesteuerte Arbeitsmigration fallen, in Österreich bei weniger als zwei Prozent. Familienzuzug war demnach für etwa 24 Prozent der Zuwanderung verantwortlich, humanitäre Gründe für 10 Prozent.

98.300 Immigranten

2010 sind laut OECD 98.300 Menschen nach Österreich immigriert, während 66.400 auswanderten. Haupt-Herkunftsland der Migranten ist Deutschland, 17.800 Deutsche kamen 2010 nach Österreich. Weitere Herkunftsländer waren Rumänien, Serbien und Ungarn. Türken machten die fünftgrößte Zuwanderergruppe aus, mit mehr als 4000 waren es etwa so viele wie Polen, Slowaken und Ungarn. Die vorläufigen Zahlen für 2011 weisen auf eine deutliche Steigerung der Migrationsflüsse hin.

Die Neumigration nach Österreich spielt laut OECD eine bedeutende Rolle für die Dynamik des Arbeitsmarktes - sie sei für fast jeden dritten Eintritt in die Bevölkerung im Erwerbsalter verantwortlich. Die Beschäftigungssituation von Migranten habe sich in Österreich auch stark verbessert. Seit 2008 ist die Beschäftigungsquote der Migranten demnach um fast zwei Prozentpunkte (auf 67 Prozent) gestiegen, während OECD-weit die Beschäftigungsquote von Migranten krisenbedingt um über drei Prozentpunkte sank. Die Beschäftigungsquote der Migranten in Österreich hatte das höchste Wachstum in der OECD nach Deutschland und Israel. Insgesamt sind im vergangenen Jahrzehnt nach Schätzungen der OECD über 60.000 hochqualifizierte Migranten dauerhaft nach Österreich gekommen.

Krisenstaaten

Infolge der Wirtschaftskrise ist die Migration in die OECD-Länder 2010 erneut gesunken. Insgesamt wanderten 4,1 Millionen Migranten dauerhaft in die 23 OECD-Staaten ein. Dies ist ein Rückgang von 2,5 Prozent gegenüber 2009. Der Rückgang machte sich vor allem in den europäischen Ländern, die von der Wirtschaftskrise stark betroffen waren, bemerkbar.

So sank die Zuwanderung nach Irland um 55 Prozent, nach Griechenland um 31 Prozent, nach Portugal um 17 Prozent und nach Spanien und Italien jeweils um 10 Prozent. Bisher verfügbare Daten für das Jahr 2011 deuten außerdem auf eine vermehrte Abwanderung aus diesen Ländern hin. Besonders die Personenfreizügigkeit ist in diesen Ländern stark zurückgegangen. Innerhalb der EU ging die Personenfreizügigkeit seit Beginn der Krise 2007 um mehr als 450.000 Personen zurück und war damit für rund 75 Prozent des OECD-weiten Rückgangs der Migration verantwortlich.

Der Bericht enthält erstmals auch Zahlen zur dauerhaften Einwanderung in die Europäische Union. 2010 sind rund 1,2 Millionen Migranten aus Nicht-EU Ländern in die EU eingewandert, verglichen mit einer Million in die USA. Arbeitsmigration macht 40 Prozent der Zuwanderung in die EU aus, aber nur 6 Prozent der Zuwanderung in die Vereinigten Staaten, wo Dreiviertel der Zuwanderung über Familienmigration erfolgt.

Viele Länder haben laut OECD restriktivere Migrationspolitiken eingeführt. Besonderen Anlass zu Besorgnis gebe die Situation von arbeitslosen jungen Migranten, für die es zielgerichteter Politikmaßnahmen bedürfe. In der Zukunft werde sich die Bevölkerungsalterung im OECD-Raum wahrscheinlich erheblich auf die Migrationstrends auswirken. Gleichzeitig ist laut der Organisation nicht klar, wie lange die Zuwanderung hochqualifizierter Kräfte aus Asien noch zunehmen werde, da die Nachfrage in den rasch expandierenden Volkswirtschaften der Region steige. 2010 war China das Hauptherkunftsland der Migranten in den OECD-Raum, fast jeder zehnte Migrant war chinesischer Staatsbürger.