Politik 04.02.2012

Kältewelle: Ein ganzes Land friert

300.000 Österreicher frieren in ihrer Wohnung. In Salzburg fiel die Fernwärme am Samstagvormittag aus.

Wasserleitungen versiegen, die Bahn verspätet sich und vielerorts werden Notfallpläne für Obdachlose gewälzt. Die frostigen Temperaturen haben Österreich fest im Griff: Minus 18,3 Grad wurden etwa auf der Jubiläumswarte in Wien gemessen und am kältesten Ort des Landes, am Brunnenkogel in den Ötztaler Alpen, zeigte das Thermometer bereits minus 23,5 Grad an. Laut Experten bleibt es noch länger kalt.

Somit wird die Kältefront nicht nur in Osteuropa, wo bereits über hundert Tote beklagt werden,  zum sozialen Problem:  Auch hierzulande ringen 300.000 Österreicher mit der Kälte in den eigenen vier Wänden. Sie alle können ihre Wohnung nicht angemessen warm halten, warnt die Volkshilfe.

In Salzburg kam es zu erheblichen Störungen bei der Fernwärme-Versorgung. Rund 10.000 Haushalte waren vor allem in den östlichen Stadtteilen Aigen und Parsch sowie Teilen der Innenstadt betroffen. Dort wurden die Heizkörper nicht warm. Der Grund für die Störung ist ein Schaden beim Schwerölkessel im HKW Mitte. Am Nachmittag war das Problem behoben, wie die Salzburg AG mitteilte.

 

Solidarität soll wärmen

Nun werden auch die ÖBB aktiv. Nachdem am Freitag Vormittag noch darüber verhandelt wurde, Warteräume in den großen Bahnhöfen für Obdachlose zu öffnen, stellen die Bundesbahnen nun in ganz Österreich beheizte, leer stehende Verwaltungsgebäude zur Verfügung. „Derzeit haben die Notquartiere noch ausreichend eigene Kapazitäten“, sagt ÖBB-Sprecher Herbert Ofner. „Bei Bedarf können die Einrichtungen auf unsere Räumlichkeiten  zurückgreifen.“

Zuvor hatten mehr als 3000 Menschen auf Facebook zur Solidarität aufgerufen. „Bitte ÖBB, lasst bei dieser Kälte über Nacht die Bahnhöfe offen“, nannte sich die Facebook-Seite. Mit Erfolg - die ÖBB verlautbarte nun ihrerseits auf ihrer Facebook-Seite: "Alle Mitarbeiter der ÖBB auf den Bahnhöfen sind angehalten während der Kältewelle notleidende Menschen nicht abzuweisen."

Doch nicht nur in sozialen Netzwerken zeigen sich Menschen solidarisch. Mehr als 100 Freiwillige haben der Caritas in den vergangenen drei Tagen ihre Hilfe angeboten. Weitere  Helfer sind willkommen, heißt es. Auch Geld- und Sachspenden werden  gebraucht: Vor allem Wolldecken sowie warme  Kleidung und Unterwäsche sind Mangelware.  „Und wer nachts Obdachlosen auf der Straße begegnet, soll unbedingt Notschlafstellen kontaktieren“, sagt Hacker.

Notbetten

Die Vinzenzgemeinschaft in Graz stößt derzeit an ein Kapazitätslimit. Zu den 184 Betten für obdachlose und sozial ausgegrenzte Menschen in diversen Einrichtungen mussten 24 Not-Matratzen organisiert werden. „Um alle Menschen, die wir beherbergen, gut versorgen zu können, bitten wir um Geld- und Sachspenden. Dringend benötigt werden Bettwäsche, Schuhe und haltbare Lebensmittel“, erklärt VinziKoordinatorin Nora Musenbichler (Spendenkonto Steiermärkische Sparkasse, Bankleitzahl 20815, Kontonummer 02200-406888).

Die Nachtschlafstellen für bettelnde Roma-Frauen und Männer werden auch tagsüber geöffnet, damit sich die Menschen aufwärmen können. „Wir schicken niemanden weg und werden bei Bedarf weitere Notbetten aufstellen“, verspricht Pfarrer Wolfgang Pucher.

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Freiwillige gesucht

Nicht nur in sozialen Netzwerken zeigen sich Menschen solidarisch. Mehr als 100 Freiwillige haben der Caritas in den vergangenen drei Tagen ihre Hilfe angeboten. 33 von ihnen wurden noch am Freitag eingeschult.

Der Einrichtungsriese IKEA stellte spontan 200 Decken bereit. Weitere Helfer sind willkommen, heißt es. Auch Geld- und Sachspenden werden gebraucht: Vor allem Wolldecken sowie warme Kleidung und Unterwäsche sind Mangelware. „Und wer nachts Obdachlosen auf der Straße begegnet, soll unbedingt Notschlafstellen kontaktieren“, sagt Hacker.

Wer helfen möchte, findet Informationen unter www.gruft.at

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( KURIER , apa ) Erstellt am 04.02.2012