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16.11.2018

Zentralmatura: Im Zweifel für den Schüler

Bereits vor erster österreichweiter Zentralmatura wurde an Rädchen gedreht.

Die am Donnerstag vom ehemaligen Wiener Stadtschulratspräsidenten Kurt Scholz vorgeschlagenen Änderungen bei der Mathematik-Zentralmatura wären nicht die ersten Erleichterungen für die Schüler. Bereits nach den ersten Testläufen wurden an einigen Rädchen gedreht.

Kurz vor der ersten österreichweiten Zentralmatura an den AHS hatten aufgrund angeblich mangelhafter Vorbereitung Elternvertreter mit Klagen und Schülervertretern mit einem Streik gedroht. Im Dezember 2013 kam es dann zu einem Kompromiss. In der Mathematik wurde sogar die Grundkonstruktion etwas geändert.

Die Mathe-Matura an der AHS sollte ursprünglich strikt in zwei Teile gegliedert werden. Im ersten Teil sollten nur die Grundkompetenzen abgefragt werden, im zweiten Teil vertiefendes Wissen in komplexeren Aufgaben. Für ein "Genügend" sollte man - unabhängig vom zweiten Teil - zwei Drittel der Punkte im ersten Teil brauchen. Nach Verhandlungen kam man den Schülervertretern entgegen: In den zweiten Teil wurden ebenfalls vereinzelt Grundkompetenz-Beispiele eingebaut, bei denen "Kompensationspunkte" gesammelt werden können. Diese werden seither für den ersten Teil angerechnet und können so vor einem "Nicht Genügend" bewahren.

Zu viele Punkte gingen verloren

Auch die nun umstrittene Regelung, dass im Grundkompetenzen-Teil bei den Beispielen nur entweder ein Punkt oder keiner verteilt werden kann, war eigentlich als Entgegenkommen für die Schüler gedacht. So sollte verhindert werden, dass durch das Nichtlösen einer Aufgabe gleich mehrere Punkte verloren gehen. Ebenfalls festgehalten wurde eine Art "Im Zweifel für den Schüler"-Regelung: Seither wird in den Bewertungsvorgaben darauf hingewiesen, dass Aufgaben auch dann als korrekt gelöst zu werten sind, "wenn bei korrektem Ansatz das Ergebnis aufgrund eines Rechenfehlers nicht richtig ist". Auch bei einer fehlenden Maßeinheit ist der Punkt grundsätzlich trotzdem zu geben.

Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) hatte als Reaktion darauf, dass beim Maturatermin 2018 jede fünfte Mathe-Klausur negativ ausgefallen war, das "Forum Zentralmatura" unter Scholz' Leitung eingerichtet. Bei einer "Zuhörtour" in den Bundesländern wurden Verbesserungsvorschläge von Schülern, Lehrern und Eltern und Schulaufsicht eingeholt. Ende Jänner soll Faßmann dann mögliche Änderungen bekanntgeben, die teilweise bereits bei der Zentralmatura im April oder Mai schlagend werden könnten.

Faßmann präsentierte Ergebnisse der Zentralmatura