Politik | Inland
11.10.2018

Zehn Jahre nach seinem Tod macht Kärnten Frieden mit Haider

Peter Kaiser legte im Beisein von Claudia Haider einen Kranz auf dem Grab im Bärental nieder

Im Frühjahr 2009, wenige Monate nach Jörg Haiders tödlichem Autounfall, bekam sein BZÖ bei der Landtagswahl 45 Prozent. Die Kärntner nahmen posthum von Haider Abschied, zumindest jene Hälfte der Kärntner, die seine Fans gewesen waren.

Inzwischen hat die andere Hälfte der Kärntner Peter Kaiser, einen Anti-Haider in jeder Hinsicht, zwei Mal zum Landeshauptmann gewählt.

Zum zehnten Todestag legte Kaiser am Donnerstag am Grab im Bärental einen Kranz nieder. Der SPÖ-Landeshauptmann ging im Sinne von Voltaire auf die Meinungsdifferenzen zu Jörg Haider ein ("Ich bin nicht Ihrer Meinung, aber ich werde alles tun, damit Sie Ihre Meinung frei aussprechen dürfen") und fügte an: „Politik hat immer große Konsequenzen und sollte daher über die Parteigrenzen hinweg mit Respekt, Verantwortung und der Verbundenheit zu jenen, für die sie gemacht wird, betrieben werden.“

Zehn Jahre nach seinem Tod macht Kärnten Frieden mit Jörg Haider, der das Land polarisiert und in Atem gehalten hat.

Kosten der Haider-Party

Wie viele Haider-Fans gibt es heute noch in Kärnten? Wie viele Kärntner trauern noch? „Es sind schon noch einige, die meinen, damals habe Kärnten noch was gegolten in Österreich“, sagt Kathrin Stainer-Hämmerle, Politikwissenschafterin in Klagenfurt. „Aber man weiß inzwischen auch, was die Party gekostet hat. Der Zusammenhang mit den Schulden ist bekannt.“

Zur Erinnerung: Für die Finanzierung Haider’scher Landeshauptmannwünsche gewährte Kärnten seiner Hypo öffentliche Haftungen, die die Bank für eine fatale Expansionsstrategie benutzte. Kärnten ging beinahe pleite.

Aber es gibt auch positive Hinterlassenschaften. Zum Beispiel der Lakeside Park. Das Technologiegelände am Wörthersee neben der Universität Klagenfurt war Haiders Idee. 2003 erfolgte der Spatenstich, inzwischen haben sich 61 innovative Unternehmen mit 1100 Mitarbeitern dort angesiedelt.

Aus dem Wörthersee-Stadion wurde eine multifunktionale Arena für Fußball, Eishockey und Konzerte.

Auch der Koralmtunnel, die Schnellverbindung zum Großraum Graz, wird dem kleinen Kärntner Wirtschaftsraum Auftrieb geben. „In all seinem Wahnwitz hatte Haider eine gewisse Offenheit für Modernisierung“, sagt Stainer-Hämmerle.

Auch Kaiser lobte bei der Kranzniederlegung den Lakeside Park und das Engagement für den Koralmtunnel.

Schulterzucken der Jungen

Politisch berufen sich in Kärnten zwei Parteien auf Haider, das von ihm gegründete BZÖ und die FPÖ. Als das BZÖ unlängst in der früheren Haider-Hochburg Feldkirchen auf einem zentralen Platz einen Stand mit Haider-Büchern aufstellte, blieb kein einziger Passant stehen. Die FPÖ, inzwischen wieder auf 23 Prozent angewachsen, distanziert sich zwar nicht mehr von Haider, wirbt aber auch nicht offensiv mit seinem Namen. Stainer-Hämmerle: „Es laufen ja noch Gerichtsverfahren. Alle kriminellen Machenschaften aus dieser Ära hat die FPÖ dem BZÖ umgehängt, das BZÖ ist ihre Bad Bank. Das Gute löst die FPÖ für sich heraus.“ Insgesamt ebben mit dem zeitlichen Abstand die Emotionen um Haider ab. Stainer-Hämmerle: „Die Jungen reagieren auf seinen Namen mit Schulterzucken.“