Nur ein "Wundpflaster": Zukunft von ZARA weiterhin ungewiss
"Scheiß Ausländer", ruft ein Mann aus seinem Auto, während er an einem Dönerladen vorbeifährt. Er zeigt dem Betreiber den Mittelfinger. Kurz darauf kehrt er zu Fuß zum Lokal zurück, woraufhin der Besitzer die Polizei verständigt. Dann wird der Angreifer körperlich, drängt den Dönerladenbesitzer gegen sein Auto, beleidigt ihn weiter und verletzt ihn an der Hand.
Dieser Vorfall ereignete sich 2025 im Bezirk Baden und ist einer von insgesamt 238 rassistischen Fällen im öffentlichen Raum, die beim Verein ZARA (Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit) gemeldet wurden. Online scheint die Hemmschwelle noch niedriger zu sein: Hier wurden im Vorjahr 858 ausländerfeindliche Vorfälle gemeldet, wie aus dem aktuellen Rassismus Report 2025 des Vereins hervorgeht.
In vielen Fällen wurden rechtliche oder außerrechtliche Interventionen durchgeführt, um Betroffenen zu helfen. Auch der Dönerladenbesitzer wandte sich an ZARA, um Unterstützung bei der Anzeigenerstattung wegen rassistischer Beleidigung zu erhalten. Bald könnte es solche Hilfsleistungen jedoch nicht mehr geben.
Droht ZARA das Aus?
Der Verein ZARA wurde 1999 gegründet, um Menschen in Österreich zu unterstützen, die von Rassismus oder Hass im Netz betroffen sind. Er bietet kostenlose Beratung, hilft bei Beschwerden, begleitet Betroffene bei Behördenwegen und unterstützt auch dabei, Hasspostings oder rassistische Inhalte entfernen zu lassen.
Außerdem dokumentiert ZARA rassistische Vorfälle und veröffentlicht diese in Form eines jährlichen Reports. Gerade bei Hass in sozialen Medien gibt es für Betroffene sonst kaum niederschwellige Möglichkeiten, Vorfälle zu melden. Privatpersonen haben in solchen Fällen oft nur geringe Chancen, die Löschung von Inhalten auf Plattformen wie Facebook oder Instagram zu erwirken.
ZARA ist jedoch gemäß dem Digital Services Act als "Trusted Flagger" anerkannt und kann entsprechende Meldungen direkt einbringen. Diese werden von Meta priorisiert behandelt. Statt das Angebot auszubauen, wird nun jedoch gespart.
Kündigungswelle folgte
Mitte April wurde bekannt, dass das Familienministerium unter Claudia Bauer (ÖVP) die Finanzierung des Vereins im Zuge von Sparmaßnahmen streichen will. "Wir haben eine schriftliche Mitteilung erhalten, dass wir keine Förderungen mehr bekommen", sagt ZARA-Pressesprecherin Caroline Schmüser gegenüber dem KURIER. Die Folgen für die NGO sind erheblich: 18 Mitarbeiter wurden gekündigt.
Der Verein musste seine Tätigkeiten deutlich einschränken. Neue Fälle wurden ab diesem Zeitpunkt lediglich dokumentiert, Beratungen konnten jedoch vorübergehend nicht angeboten werden. Bestehende Fälle wurden weiterhin betreut.
"Wenn eine zentrale Beratungsstelle innerhalb weniger Tage um ihre Existenz fürchten muss, ist das ein problematisches Signal", erklärt Schmüser. Das Vorgehen der Politik habe deutlich gezeigt, wie fragil die Strukturen in diesem Bereich seien.
Öffentliche Reaktionen
Auf die angekündigte Einstellung der Förderung folgten zahlreiche öffentliche Reaktionen. Die Petition „#ZARAbleibt! – Österreich braucht weiterhin Zivilcourage!“ wurde auf der Plattform #aufstehn von mehr als 83.000 Personen unterzeichnet. Auch andere NGOs sowie zahlreiche Nutzer in sozialen Medien äußerten ihre Unterstützung für den Verein.
Der öffentliche Druck brachte schließlich einen kleinen Erfolg: Das Medienministerium und das Frauenministerium sagten jeweils 150.000 Euro an Fördermitteln zu.
Mit den zugesagten Mitteln kann die Beratungsstelle ihren Betrieb bis zum Jahresende fortführen. "Es besteht die Hoffnung, dass von staatlicher Seite eine mehrjährige Förderung zugesprochen wird", sagt Caroline Schmüser. Wie die Chancen dafür stehen, könne sie derzeit jedoch nicht einschätzen.
Die vergangenen Wochen seien für das gesamte Team sehr belastend gewesen und von großer Unsicherheit geprägt. "Es geht nicht nur darum, dass wir als Verein möglicherweise nicht weiter existieren, sondern auch darum, dass wir als Privatpersonen potenziell unseren Arbeitsplatz verlieren", sagt Schmüser.
Seit dem 18. Mai bieten die ZARA-Beratungsstellen wieder Beratungen für neue Fälle an. Über die Zukunft der Mitarbeiter möchte sich Schmüser nicht konkret äußern. Ziel sei es jedoch, die gekündigten Beschäftigten wieder zurückzuholen.
Kommentare