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Politik Inland
01/15/2022

Zadić zu Plagiatsvorwürfen: „Das ist unseriös und falsch“

Die grüne Justizministerin verteidigt die Qualität ihrer Dissertation. Sie habe sich an internationalen Standards orientiert.

von Christian Böhmer

Nun also auch Alma Zadić. Nach Christine Aschbacher und Susanne Raab ist die Justizministerin das dritte Regierungsmitglied der türkis-grünen Regierung, das sich dem Vorwurf der wissenschaftlichen Unredlichkeit gegenübersieht.

Aschbacher ist nach Plagiatsvorwürfen vor fast genau einem Jahr als Ministerin zurückgetreten; Raab hat die vor wenigen Tagen kolportierten Vorwürfe damit abgetan, dass sie „an den Haaren herbeigezogenen“ seien – ein Rücktritt ist vorerst kein Thema.

Was aber ist nun mit der Justizministerin?

Wie schon bei Aschbacher und Raab hat sich Plagiatsforscher und Medienwissenschaftler Stefan Weber zu Zadićs Dissertation geäußert. Und zwar dergestalt, dass die Arbeit „wissenschaftlich nicht korrekt“ und für Leser „systematisch irreführend“ sei – an vielerlei Stellen sei nicht klar, was von Zadić selbst und was von anderen Autoren stamme.

Weber erhebt laut der Plattform exxpress keinen Plagiatsvorwurf, sondern „nur“ den Vorhalt, dass sie „systematisch falsch zitiert“.

Weitaus schärfer urteilt der Dekan der Ludwig-Maximilians-Universität in München, Manuel Theisen. Theisen hat sich von Weber Textstellen der Doktor-Arbeit von Zadić vorlegen lassen und sagt: „Bei strenger formaler Betrachtung würde ich dazu neigen, die Stellen als Textplagiate zu bezeichnen.“

Am Samstag äußerte sich schließlich Alma Zadić zu den Vorwürfen: Aus ihrem Büro hieß es gegenüber der APA, die Vorwürfe seien „unseriös und falsch“.

Autorität

Die Dissertation sei als englischsprachige Arbeit streng nach den Zitierregeln des Harvard Bluebooks – „der führenden US-amerikanischen Autorität für juristische Publikationen“ – verfasst worden. Dies entspreche dem in den Rechtswissenschaften international anerkannten Standard. Anderslautende Vorwürfe seien „unseriös und falsch“ und würden „entschieden zurückgewiesen“.

Auch die stellvertretende Vorständin des Instituts für Strafrecht und Kriminologie (auf dem Zadic 2017 ihre Dissertation eingereicht hatte), Ingeborg Zerbes, verteidigte die Arbeit der Ministerin. Soweit sie, Zerbes, die Arbeit gesehen habe, sei diese „völlig in Ordnung“.

Die Frage, wie sauber bzw. wissenschaftlich redlich Spitzenpolitiker bei ihren Abschlussarbeiten an einer Universität oder Fachhochschule vorgegangen sind, ist seit mehr als zehn Jahren ein auch politisch durchaus relevantes Thema.

2011 musste der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg als Hoffnungsträger der Konservativen überraschend gehen, weil ihm sein Doktorgrad entzogen worden war.

Und vor mittlerweile fünf Jahren trat der steirische Landesrat Christian Buchmann ab, weil er geschätzte 30 Prozent seiner gesamten Doktorarbeit abgeschrieben und daraufhin ebenfalls seinen Titel der Universität Graz verloren hat.

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