Chronik | Österreich
05.04.2017

Doktortitel weg: ÖVP stellt sich hinter Landesrat Buchmann

Die Partei stichelt indes gegen Plagiatsjäger Stefan Weber und seinen Auftraggeber.

"Das tut mir selbst am meisten weh", sagt Christian Buchmann und beteuert, damit nicht den Verlust des Doktortitels zu meinen. Sondern, dass "Schlampigkeitsfehler" in seiner Dissertation seien. "Ich wünsche mir, das hätte mir vor 17 Jahren schon jemand gesagt. Dann hätte ich es verbessert."

Nach neun Monaten Prüfung und drei Gutachten hat die Uni Graz Mittwoch den Doktor-Grad des ÖVP-Wirtschaftslandesrates aberkannt. Er habe in seiner Dissertation "Werke anderer Autoren nicht vollständig und umfänglich zitiert", lautet die Begründung. Umgangssprachlich übersetzt heißt das: Buchmann wird vorgeworfen, Teile der Arbeit abgeschrieben zu haben.

Ein Vorwurf, den der Politiker strikt von sich weist. "Ich war 36 Jahre, war beruflich gefestigt. Ich hatte keinen Grund zum Tricksen." Aber es seien eben "handwerkliche Fehler" passiert, das tue ihm leid. Deshalb werde er auch nicht gegen den Bescheid berufen.

Bleibt in der Politik

Der 54-Jährige wird Landesrat bleiben. "Fehler zu machen, ist menschlich", verteidigt ÖVP-Landeschef Hermann Schützenhöfer seinen Parteikollgen. "Frei von Zweifel stehen seine Leistungen als engagierter Politiker."

In der Partei dreht man den Spieß um: Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl schießt scharf gegen Plagiatsjäger Stefan Weber und seinen nicht bekannten Auftraggeber. "Bezahlte Kopfgeldjäger dürfen nicht die Politik bestimmen", betont Nagl und wirft "anonymen politischen Heckenschützen" nicht lautere Interessen vor.

Wirtschaftskammer-Präsident Josef Herk sinniert über "aufklärungsbedürftige Umstände": "Ich frage mich schon, wer die Auftraggeber für das Gutachten Webers waren."