Politik | Inland
23.10.2018

Wirbel um altes Staatswappen im Büro von Sozialministerin

Fehler stammt aus Amtszeit des früheren SPÖ-Ministers Stöger und fiel nie jemandem auf. Nach KURIER-Anruf wurde das Wappen entfernt.

Sozialministerin Beate Hartinger-Klein hat im Vorzimmer ihres Büros im Ministerium am Stubenring ein Staatswappen hängen - das wäre für jemanden im Dienste der Republik ja nichts Ungewöhnliches; es lohnt sich aber, genau hinzuschauen. Einige KURIER-Leser taten das und machten nach dem Bericht über die Kassenfusion (lesen Sie hier) die Redaktion am Dienstag auf ein geschichtliches Detail aufmerksam:

Beim Adler fehlen die gesprengten Ketten. Sie stehen für das Ende der Nazi-Diktatur und für die Befreiung. Jenes Wappen, das die FPÖ-Ministerin im Vorraum hängen hat, ist jenes der Ersten Republik, das Wappen galt von 1919 bis 1934.

Wappen wird "umgehend vernichtet"

Im Büro von Ministerin Hartinger-Klein ist dieser Fehler nie aufgefallen, erklärt ein Sprecher - "es war uns nicht bewusst", wird betont. "Wir haben den Adler sofort abgehängt, er wird umgehend vernichtet."

Wie sich bei Nachforschungen im Ministerium herausstellte, war dies wohl ein Fehler ihres Vorgängers Alois Stöger. Der SPÖ-Minister ließ (das ergibt sich aus einer Mail-Korrespondenz) am 24. Oktober 2016 Lamellen-Vorhänge bestellen, die mit einem Spruch und dem Adler bedruckt sind.

Bei den Mustern, die dem Mail hinzugefügt wurden, soll der Adler in der korrekten, aktuellen Version abgebildet sein, heißt es aus dem Sozialministerium.

Auf den Vorhängen landete dann aber der falsche Adler. Ministerium wie Vorhang-Firma begaben sich nach der KURIER-Anfrage auf Spurensuche.

Firmenchef: "Peinliches Hoppala"

Georg Hanisch, Geschäftsführer der Firma Leha in Oberösterreich, wurde schließlich fündig: Bei den Vorhängen handle es sich um eine Spezialanfertigung, sie wurden extern gedruckt. Das Motiv, das vom Ministerium kam, war von zu geringer Auflösung. "Also hat ein Lehrling in der Grafik-Abteilung eines in höherer Qualität herausgesucht und an die Druckerei geschickt", erklärt Hanisch. Der Auftrag wurde vom Ministerium mehrmals abgeändert, bei dem vielen Hin und Her ging eben das Detail verloren: die Ketten.

Hanisch betont, es sei jedenfalls keine Absicht gewesen, den alten Adler der Ersten Republik zu verwenden. "Es war einfach ein peinliches Hoppala, das uns sehr leid tut." Die Firma Leha habe dem Sozialministerium nun angeboten, neue Vorhänge zu liefern und diese nicht zu verrechnen.

Die Lieferung erfolgte im Februar 2017, Stöger war von Jänner 2016 bis Dezember 2017 Sozialminister und ist jetzt Nationalratsabgeordneter der SPÖ. "Der Fehler ist nie jemandem aufgefallen, selbstverständlich war es auch keine Absicht", wird im SPÖ-Klub betont.

FPÖ-Ministerin Hartinger-Klein zog dann - ebenso ahnungslos - im Dezember 2017 in ihr Büro am Stubenring ein.

Geschichtlicher Hintergrund

Besagtes Staatswappen der Republik "Deutschösterreich" ähnelt der heutigen Version sehr - eben bis auf die gesprengten Ketten. Als die Republik 1934 zum Ständestaat wurde, wurde der Adler, der in der alten Version noch eine Krone trägt, von einem Adler mit zwei Köpfen abgelöst.

Gleich nach der Befreiung von der NS-Herrschaft am 1. Mai 1945 und damit noch bevor Hitler-Deutschland im Zweiten Weltkrieg kapituliert hat, hat die provisorische Staatsregierung ein Gesetz für ein neues Wappen beschlossen: Die Krone des Adlers ist eine Stadtmauer und steht für das Bürgertum. In den Fängen des Adlers symbolisiert der Hammer die Arbeiterschaft, die Sichel die Bauernschaft. Dazwischen die gesprengten Ketten, die für die wiedererlangte Unabhängigkeit Österreichs stehen.

In dieser Form gilt das Bundeswappen bis heute - und hängt so auch im Parlament.