Politik | Inland
16.10.2017

Wiener SPÖ: Ringen um Häupls Nachfolge

Nach der Wahl verschärft sich der parteiinterne Grabenkampf

Nach dem Bundesvorstand tagten am Montag auch die Gremien der Wiener SPÖ, um das Wahlergebnis vom Sonntag zu analysieren. Viel Zeit bleibt den Roten nicht, um das Plus von 3,3 Prozent in der Bundeshauptstadt zu feiern. Denn nach der Wahlschlacht nimmt eine andere Auseinandersetzung an Fahrt auf: Der Kampf um die Nachfolge von Michael Häupl, der sich im Jänner als Parteichef und bald danach als Bürgermeister zurückziehen wird. Bis dato hat nur Wohnbaustadtrat Michael Ludwig angekündigt, für diese Funktionen zu kandidieren. Unterstützung bekommt er von den Genossen aus den großen Flächenbezirken.

Der linke Parteiflügel will das noch verhindern und hat seit Sonntag gewichtige Argumente in der Hand: Ausgerechnet in den Flächenbezirken fuhr die SPÖ Verluste ein, die höchsten in Ludwigs Heimatbezirk Floridsdorf (minus 3,3 Prozent). "Die Revolte ist damit abgesagt", sagt ein Funktionär. "Ludwig behauptet immer, er gewinne alle Wahlen. Das kann er jetzt nicht mehr", ätzt ein weiterer Vertreter des linken Flügels.

Die Taktik, des Ludwig-Lagers mit Themen wie Sicherheit der FPÖ das Wasser abzugraben, sei gescheitert. "Die FPÖ hat in diesen Bezirken zugelegt, die SPÖ verloren. So wie im Burgenland auch", sagt der Funktionär. Für Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky bedeute der Wien-weite Wahlsieg vor allem eines: "Die SPÖ ist in ihrer Funktion als Bollwerk gegen die Rechten gestärkt worden."

Was dem linken SP-Lager besonders aufstößt: Mitten im Wahlkampf hatte Ludwig-Gefolgsmann Harald Troch, Parteichef in Simmering, die rot-grüne Politik in Bereichen wie Integration, Finanzen oder Gesundheit öffentlich kritisiert. "Die ÖVP hat sich im Wahlkampf massiv auf Wien eingeschossen. Wenn die Genossen in Simmering damit Wahlwerbung machen, was in Wien alles schief läuft, ist das kein hilfreicher Beitrag", sagt ein hochrangiger Roter. Nach der Wahl will man solche Störaktionen nicht mehr hinnehmen: "Der Maulkorb gilt nicht mehr", heißt es. Künftig werde sich auch Ludwig offene Kritik gefallen lassen müssen.

Gegenkandidat

Zugleich soll bald ein Gegenkandidat in Stellung gebracht werden. Wer gegen Ludwig beim außerordentlichen Landesparteitag am 27. Jänner in den Ring steigt, hängt auch von den Entwicklungen auf Bundesebene ab: Muss die SPÖ in Opposition, steht möglicherweise der eine oder andere Spitzenfunktionär für Wien zur Verfügung. Auf der Gegenseite zieht man aus dem Wahlergebnis seine eigenen Schlüsse: "Die Verluste in den Außenbezirken waren nur gering", sagt Gemeinderat Christian Deutsch. "Ein enormer Teil der SPÖ-Stimmen kommt aus diesen Bezirken, wenn man sich die absoluten Zahlen ansieht. Es kann daher auch keine Rede davon sein, dass Ludwigs Position geschwächt ist."