Grünen-Chefin Vassilakou gewann (Stimmen) und verlor (Prozente)

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Analyse
10/13/2015

Pink statt Schwarz, Rot schlägt Grün

Warum diesmal 80.000 Wähler mehr abstimmten als 2010, wer davon profitierte und wer leer ausging.

von Maria Kern, Philipp Hacker-Walton

Prozente und Mandate sind zwar seit Sonntagabend bis auf die Kommastellen bekannt. Ein genauerer Blick in die detaillierten Resultate lohnt sich dennoch. Was die Zahlen verraten:

Die Mobilisierung

Auffällig bei der Wien-Wahl war die hohe Wahlbeteiligung (siehe auch unten). Am vergangenen Sonntag haben um 80.327 Wähler mehr als 2010 ihre Stimme abgegeben, obwohl es diesmal sogar etwas weniger Wahlberechtigte (um 1435 Personen) gab. Die erstmals in Wien angetretenen Neos haben laut Wählerstrom-Analyse etwa 10.000 Stimmen von Bürgern erhalten, die 2010 nicht gewählt hatten. Hauptgrund für die gestiegene Wahlbeteiligung war aber die Zuspitzung im Wahlkampf auf das Duell Michael Häupl gegen Heinz-Christian Strache. Das hat vor allem bei der FPÖ eine enorme Mobilisierung bewirkt. Allein die FPÖ hat um 61.931 Stimmen mehr bekommen als 2010. Und Michael Häupl hat wesentlich weniger verloren, als vermutet worden war.

Die Vorzugsstimmen

Häupl und die SPÖ haben am Sonntag nicht nur das Rennen um Platz eins gewonnen, auch mit seinen 24.119 Vorzugsstimmen liegt der Bürgermeister vor seinem Widersacher Heinz-Christian Strache. 18.111 Wähler haben dem FPÖ-Chef eine Vorzugsstimme gegeben. Platz drei ging an die Wiener Grünen-Chefin Maria Vassilakou (6824). Platz vier erreichte Neos-Frontfrau Beate Meinl-Reisinger (3023).

Die Leihstimmen

Die Grünen haben bei der Bezirksvertretungswahl um 30.775 Stimmen mehr lukrieren können als bei der Gemeinderatswahl. 2010 betrug die Differenz nur 22.176 Stimmen. Damit ist belegt, dass mehr Grüne als beim letzten Mal auf Landesebene eine andere Partei gewählt haben. Die "Ökos" sprachen deshalb von "Leihstimmen", die an die SPÖ gegangen seien.

Das Grüne Paradoxon

Die Grünen haben am Sonntag 11,8 Prozent erreicht – und damit 0,8 Prozentpunkte verloren. In absoluten Zahlen hat die Öko-Partei aber gewonnen. Mehr als 98.000 Menschen haben die Grünen gewählt – ein Plus von 3181 Stimmen im Vergleich zu 2010. Dieses Paradoxon ist auf die höhere Wahlbeteiligung zurückzuführen.

Das schwarze Debakel

In den vier Wahlkreisen innerhalb des Gürtels (wo teilweise mehrere Bezirke zusammengefasst sind) haben alle Parteien an Wählerstimmen gewonnen – außer der ÖVP. Sie hat in allen vier Wahlkreisen verloren. Ebenfalls dramatisch: Die ÖVP hat in allen 23 Bezirken trotz höherer Wahlbeteiligung weniger Stimmen erhalten als vor fünf Jahren.

Die pinke Gefahr

Die Neos haben bei ihrem ersten Antreten in Wien die Fünf-Prozent-Hürde locker geschafft – auch auf Kosten der ÖVP. Betrachtet man die Ergebnisse der einzelnen Wahlsprengel, zeichnet sich ein eindeutiges Bild der schwarz-pinken Konkurrenz: Je stärker die ÖVP, desto stärker die Neos – wie Rot und Blau rittern also Schwarz und Pink um die gleichen Wähler. Im ersten Bezirk, wo die Neos ihr größtes Plus haben, hat die ÖVP ihr größtes Minus.

Das Gesetz der Serie

Die Wien-Wahl war die 20. Wahl der SPÖ unter Kanzler Werner Faymann – und die 18., bei der es ein Minus gab. Die zwei Ausnahmen waren die Landtagswahl in Kärnten 2013 und die EU-Wahl 2014.

Für die ÖVP war es das 14. Minus in Serie – wobei es in Wien ein historisch schlechtes Ergebnis gab: 9,2 Prozent sind für die Schwarzen in Wien ein neuer Tiefpunkt.

Die Erfolgsserie der Grünen ist hingegen am Sonntag gerissen: Es gab das erste (kleine) Minus seit 2010; es war das sechste in 19 Wahlen unter Eva Glawischnig als Parteichefin.

Die hohe Wahlbeteiligung

Das Interesse der Wähler war schon lange nicht mehr so stark wie diesmal: Die Wahlbeteiligung von 74,75 Prozent bei der Gemeinderatswahl bedeutet ein Plus von 7,12 Prozentpunkten – und Werte wie in den 1970er-Jahren. Wien liegt damit nicht im Trend: Überall in Österreich ist die Wahlbeteiligung bei den vergangenen Urnengängen gesunken – außer vor ein paar Wochen in Oberösterreich, wo sie sich um 1,28 Punkte auf 81,63 Prozent verbessert hat. Bemerkenswert: Schon 2010 ist die Wahlbeteiligung in Wien um 6,8 Prozent gestiegen – damals führte man es auf die erstmals angebotene Briefwahl zurück.

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