Der Fotograf Michael Gruber auf KURIER-Anfrage: "Ich habe das Foto am Freitag gemacht. Vom Sonntag gibt es so ein Foto nicht."

© Michael Gruber/EXPA/picturedesk.com

Medien
10/13/2015

So manipuliert die "Krone"

Mit einem nicht aktuellen alten Foto versucht die "Krone" den Eindruck zu erwecken, Michael Häupl habe in "herzlicher Umarmung" mit Werner Faymann seinen Triumph gegen Strache gefeiert.

von Daniela Kittner

Die Hofberichterstatter der Krone schrecken in Liebedienerei vor dem Kanzler offenkundig nicht davor zurück, ihren Leserinnen und Leser manipulierte Stories zu servieren.

So geschehen in der Ausgabe vom Dienstag, den 13. Oktober. Da prangt auf der Seite 5 ein riesiges Foto, auf dem sich Bürgermeister Michael Häupl und Kanzler Werner Faymann in den Armen liegen. Bildtext: "Demonstrativ herzliche Umarmung zwischen Kanzler Faymann und Bürgermeister Häupl." Im fett gedruckten Vorspann heißt es: "Gemeinsam feierte man am Sonntag auch den Duell-Triumph über die FPÖ."

Foto von Freitag

Nur: Das riesig abgedruckte Foto stammte nicht vom Sonntag, sondern von der SPÖ-Schlusskundgebung vom vergangenen Freitag. Der Fotograf Michael Gruber auf KURIER-Anfrage: "Ich habe das Foto am Freitag gemacht. Vom Sonntag gibt es so ein Foto nicht."

Tatsächlich sind vom Wahlsonntag viele Fotos in den Redaktionen eingelangt, aber keines, wo Häupl Faymann auch nur die Hand reichen würde. Auf derstandard.at wurde in "Cremers Photoblog" dokumentiert, dass zwischen Bürgermeister und Kanzler stets einige Meter Abstand waren. Im Kanzleramt betont man freilich, dass Werner Faymann und Michael Häupl den ganzen Nachmittag miteinander verbracht haben, die Wahl beobachteten und dann auch gemeinsam ins Festzelt marschierten.

Starker Mann in der SPÖ

Jetzt wäre wer wem wo die Hand schüttelt ziemlich egal, wenn es dabei nicht um Faymanns Job als Bundeskanzler ginge. Nach dem Wahlerfolg in Wien ist Häupl mehr denn je der starke Mann in der SPÖ. Nun wird jede Geste des Bürgermeisters gedeutet, inwieweit er den Kanzler noch stützt. Hinzu kommt, dass Häupls Vertrauter, Vizebürgermeisterin Renate Brauner, in der ZiB2 partout nicht der Satz über die Lippen wollte, dass Faymann bis 2018 Kanzler und SPÖ-Chef bleiben werde.

Nervosität

Die Nervosität im Kanzleramt auf dem Ballhausplatz ist offenbar sehr groß, wenn die Hofberichterstatter in der Krone schon mit alten Bildern falsche Eindrücke vermitteln. Im übrigen: Auch die Umarmung der beiden Politiker bei der Schlussveranstaltung dürfte Bühnenshow gewesen sein. Beobachter aus dem SPÖ-Zelt erzählen, Häupl sei Faymann bei der Begrüßung der anwesenden Polit-Promis aus dem Weg gegangen.

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