Politik | Inland
27.09.2018

Wien-SPÖ will Personalpaket von Rendi-Wagner aufschnüren

Parteikrise prolongiert. Michael Ludwig erhöht den Druck auf die neue Parteichefin und fordert eine "Teamlösung".

Pamela Rendi-Wagner hat die erste Woche als designierte Parteichefin beinahe geschafft, doch die SPÖ kommt trotzdem nicht zur Ruhe. Auch am Donnerstag ließ der Chef der wichtigsten Landesgruppe, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, bei der Eröffnung der Wiener Wiesn offen erkennen, dass er mit den bisherigen Personalentscheidungen der designierten SPÖ-Chefin nicht maximal zufrieden ist.

„Es macht Sinn, dass man sich nicht nur eine Person an der Spitze überlegt, sondern ein Team. Es kann nicht so sein, dass einige wenige alles bestimmen“, sagt Ludwig zum KURIER.

Dazu muss man wissen: Pamela Rendi-Wagner hat sich ausbedungen, künftig nicht nur Parteiobfrau, sondern gleichzeitig auch Chefin des Parlamentsklubs zu sein.

Die dahinter liegende Überlegung: Das Parlament ist die größte Bühne, auf der sich eine Oppositionsführerin präsentieren kann. Also sollen hier alle „Fäden zusammenlaufen“, wie es in Rendi-Wagners Umfeld heißt.

Soweit, so logisch.

Zu viel Arbeit

Für Wiens SPÖ-Chef Ludwig und auch andere namhafte Funktionäre liegt freilich genau darin der Trugschluss.

Denn in Wien sieht man die Sache so: Rendi-Wagner halse sich mit zwei Funktionen zu viel Arbeit und Verantwortung auf – noch dazu, wo sie das Innenleben der Partei als Quereinsteigerin nicht so gut kenne wie andere.

Pamela Rendi-Wagner muss wissen, wie sie das alles bewältigt. Auch ein Kreisky hat sich einen geschäftsführenden Klubobmann geholt. Es wäre also kein Nachteil, wenn sie ergänzende Personalentscheidungen macht und eine Team-Lösung findet. Ich bin überzeugt, dass das so kommt“, sagt Michael Ludwig zum KURIER.

Erschwerend wirkt, dass Rendi-Wagner bei den kritisierten Personalentscheidungen gleich zwei anerkannte Genossen verprellen musste: Die Ablöse von Bundesgeschäftsführer Max Lercher wird ihr nicht nur in der steirischen SPÖ extrem übel genommen, wo Abgeordnete wie Michaela Grubesa längst offen gegen Lerchers Nachfolger Thomas Drozda ätzen („Mit Verlaub, Thomas: du bist ein Bobo!“).

Ruf nach Schieder

Fast noch schwerer wiegt für Rendi-Wagners Kritiker, dass der als fachlich versiert geltende Klubchef Andreas Schieder zurücktreten musste. „Er hat seine Aufgabe sehr gut gemacht, ich bin weiter für eine Teamlösung“, sagt Nationalratsmandatar Harald Troch zum KURIER.

Aber was ist mit dieser von mehreren Ländern geforderten „Teamlösung“ gemeint?

KURIER-Recherchen ergeben, dass insbesondere in der Wiener SPÖ daran gearbeitet wird, dass Rendi-Wagner ihr Personalpaket noch überdenkt, man könnte auch sagen: aufschnürt.

Ob das bedeutet, dass Schieder am Ende doch noch Klubobmann bleiben darf, konnte am Donnerstag nicht abschließend beantwortet werden. Ein solcher Schritt wäre jedenfalls ein Eingeständnis der Schwäche von Rendi-Wagner.

Linie halten

Fest steht für die Genossen, dass die Neue Linie halten muss. „Es ist wichtig, dass die  Parteichefin insbesondere beim Thema Zuwanderung beim vereinbarten Kurs bleibt“, heißt es im Umfeld des burgenländischen SPÖ-Chefs Hans Peter Doskozil. Nachsatz: Man habe aber keine anderslautenden Signale.

In Eisenstadt sieht man die Gesamtsituation der Partei derzeit um einen Deut entspannter als anderswo. Der angehende Landeshauptmann Doskozil hat sich beim Migrationsthema parteiintern das Profil eines Pragmatikers erarbeitet. Und als solcher kann und will er, so heißt es, die neue Parteiobfrau unterstützen.

Der geschasste Bundesgeschäftsführer Max Lercher bemühte sich derweil um versöhnlich-aufbauende Worte: Via Facebook hielt der Steirer ein leidenschaftliches Plädoyer für die parteiinterne Solidarität. „Was wir jetzt brauchen ist Geschlossenheit und Zusammenhalt, brennende Herzen und kühle Köpfe – mehr denn je.“