Politik | Inland
23.11.2018

Wie Frauen die Politik eroberten

Es war ein langer Weg von der ersten Abgeordneten im Parlament bis zur ersten Parteichefin der SPÖ. Ein Überblick.

Mit Pamela Rendi-Wagner soll am Samstag erstmals eine Frau die älteste Partei Österreichs übernehmen. Viele Pionierinnen haben ihr seit 1919 den Weg geebnet.

Frauen in der Politik: Die Pionierinnen seit 1919

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Die ersten Frauen in der Nationalversammlung 1919

Nach der Einführung des Frauenwahlrechts 1918 zogen am 4. März 1919 die ersten acht Frauen in die Nationalversammlung (das heutige Parlament) ein. Es waren sieben Sozialdemokratinnen und eine Christlichsoziale.

Eine der ersten acht Frauen im Parlament...

... war die Kärntner Fabriksarbeiterin Maria Tusch (1868-1939) von der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP). Ihre Kolleginnen waren Adelheid Popp, Anna Boschek, Emmy Freundlich, Gabriele Proft, Therese Schlesinger, Amalie Seidel. Die erste Christlichsoziale Abgeordnete hieß Hildegard Burjan.

Die erste Ministerin

Grete Rehor (1910-1987) war 1966 die erste Frau in einem Ministeramt. In der ÖVP-Alleinregierung von Josef Klaus führte sie das Sozialressort. Sie schuf ein Hausbesorgergesetz, ein Arbeitsmarktförderungsgesetz und führte den 8. Dezember als Feiertag ein.

Die erste Frau im Präsidium des Parlaments

Marga Hubinek (1926-2016), ÖVP, war von 1986 bis 1990 Zweite Präsidentin des Nationalrats.

Die erste Parteichefin

Freda Meissner-Blau (1927-2015) war eine Galionsfigur der österreichischen Öko-Bewegung und war die erste Parteichefin des Landes. Bei der Gründung der Grünen Alternative 1986 wurde sie deren Chefin und Spitzenkandidatin bei der Nationalratswahl.

Die erste Präsidentin in der Sozialpartnerschaft

Helga Rabl-Stadler (*1948) war von 1988 bis 1995 Präsidentin der Wirtschaftskammer Salzburg und damit die erste Frau in einer Führungsposition in der Sozialpartnerschaft. Danach wurde sie Präsidentin der Salzburger Festspiele.

Die erste Arbeiterkammer-Präsidentin

Lore Hostasch (*1944) führte zunächst die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) an und wurde 1994 die erste Frau an der Spitze einer Bundeskammer: Der Arbeiterkammer Wien und Österreich.

Die erste Frauenministerin

Johanna Dohnal (1939-2010) wurde 1995 die erste Frauenministerin in der Regierung Vranitzky. Die Sozialdemokratin gilt als die Vorkämpferin für Frauenrechte in Österreich schlechthin.

Die erste Landeshauptfrau

Waltraud Klasnic (*1945) war von 1996 bis 2005 die erste "Frau Landeshauptmann" in der Steiermark. Nach der Landtagswahl war der damalige ÖVP-Chef Josef Krainer junior zurückgetreten, dessen Nachfolger Gerhard Hirschmann verzichtete zugunsten Klasnics. Bei der nächsten Landtagswahl legte die ÖVP unter ihrer Führung elf Prozentpunkte zu.

Die erste Vizekanzlerin

Susanne Riess (*1961) wurde in der schwarz-blauen Regierung unter Kanzler Schüssel im Jahr 2000 die erste Vizekanzlerin (FPÖ). Zwei Jahre später wurde sie beim Parteiaufstand in Knittelfeld von Jörg Haider gestürzt. Seither ist sie Chefin von Wüstenrot.

Die erste Nationalratspräsidentin

Barbara Prammer (1954-2014) war die erste Erste Präsidentin des Nationalrats. Von 2006 bis zu ihrem Tod war die Sozialdemokratin aus Oberösterreich protokollarisch zweithöchste Repräsentantin der Republik.

Die letzte "Chefin" von Österreich

Maria Theresia (1717-1780) war die letzte "Chefin" in der Hofburg. Im Ernst: Die höchsten Ämter, die seit Gründung der Republik noch nie eine Frau bekleidet hat, sind die Bundespräsidentschaft, das Bundeskanzleramt und die Landesverteidigung.