Wie der Bund und Wien Spitzenforschung vergurken

Freundliche Politiker- Worte, aber kein Geld: Genetiker Josef Penninger vor dem Absprung ins Ausland.
Die heimische Politik ist allen Ernstes dabei, einen Forscher von Weltrang zu vertreiben.

Der Genetiker und Molekular-Biologe Josef Penninger ist ein Forscher von Weltruf. Er kann – einfach formuliert – Gene ein- und abschalten. Er versucht, beispielsweise, das Osteoporose-Gen "abzuschalten".

Penninger leitet in Wien das Institut für molekulare Biotechnologie (IMBA). Es ist an die Akademie der Wissenschaften angedockt.

Vor einigen Wochen bekam der Spitzenforscher ein Angebot aus Deutschland . Er könnte in Berlin das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin übernehmen. "Der Job ist einer der besten für Wissenschafter auf diesem Planeten", sagte Penninger dazu dem KURIER. Das Max-Delbrück-Centrum gehört zur Helmholtz-Gemeinschaft: "Die hat in den vergangenen sieben Jahren drei Mal mit einem ihrer Forscher den Nobelpreis gewonnen", sagt Penninger.

Penninger will Österreich dann nicht den Rücken kehren, wenn er hier Bedingungen vorfindet, dies es ihm erlauben, in der "Champions League der Wissenschaft mitzuspielen".

Dazu möchte er mit seinem Institut aus den Strukturen der Akademie der Wissenschaften raus. Das IMBA soll selbstständig und finanziell besser ausgestattet werden. Dazu sind, inklusive Umbauten, 20 bis 25 Millionen Euro nötig. Als Finanziers kommen die Stadt Wien oder das Wissenschaftsministerium in Frage. "Sowohl Bürgermeister Michael Häupl als auch Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner versichern Penninger, sie wollen ihn in Österreich halten – aber sie tun nichts dafür. Sie haben die Verhandlungen über die 20 Millionen an Beamte delegiert, und es geht nichts weiter", erzählt ein Vertrauter Penningers. Im Finanzrahmen für das Wissenschaftsbudget ist kein Cent für Forschungs-Aktivitäten wie das IMBA vorgesehen. Der Finanzminister hat zwar Steigerungen von 3,8 Milliarden für Pensionen oder 1,5 Milliarden für die Sanierung von Bahntunnels genehmigt, aber 20 Millionen für Spitzenforschung gibt es nicht.

Postenbesetzungen laufen hingegen wie immer wie geschmiert. Heute fällt die Entscheidung im Uni-Rat der MedUni Wien, wer neuer Rektor wird. Obwohl Rats-Vorsitzender Erhard Busek für eine Auffrischung aus dem Ausland – den Pharmakologen Harald Schmidt von der Uni Maastricht – ist, gilt eine innerösterreichische Proporzlösung als wahrscheinlich. Demnach dürfte der derzeitige Vizerektor Markus Müller (ÖVP-nahe) neuer Rektor werden; als Vize-Rektor ist der Vorsitzende des Senats, der SPÖ-nahe Oswald Wagner, im Gespräch.

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