Politik | Inland
06.09.2017

"Dann werden Sie Geschichte sein, Herr Kern"

Der SPÖ-Kanzler und der FPÖ-Chef trafen zum ersten Duell im Wahlkampf aufeinander.

Die Premiere des Streitgesprächs zwischen SPÖ-Kanzler Christian Kern und FPÖ-Chef Heinz Christian Strache vor zehn Monaten klang noch so: „Es war ein amikales Gespräch“, versicherten damals beide. Ja, Kern und Strache wollten sogar auf ein gemeinsames Bier gehen. Aus dem Männerabend – das lässt sich nach der ersten Wahlkampf-Konfrontation in der Ö1-Sendung Klartext sagen – wird nichts mehr. „Aber macht nichts,“ meinte Kern, denn „Herr Strache hat viele Bierfässer mit der ÖVP getrunken“.

Dazu aber später.

Denn den Start der Konfrontation benutzten beide , um vor allem den abwesenden ÖVP-Chef Sebastian Kurz zu attackieren. Er hatte seinen Auftritt wegen des Außenministertreffens in Estland aber abgesagt. Strache fand das Fehlen von Kurz „schade“: „Da hat man fast den Eindruck, er ist der teuerste Flüchtling Österreichs.“

Der Kanzler polemisierte dann, es mache wohl keinen Unterschied, dass der Herr Außenminister nicht da sei, habe der doch der FPÖ zuerst bei der Flüchtlingspolitik „alles nachgemacht“ und dann „mit 14 Tagen Verspätung dasselbe Wirtschaftsprogramm vorgelegt“.

Taschenrechner

Apropos Wirtschafts- und Sozialprogramm. Bei der die FPÖ-Forderung von einer Mindestpension von 1200 Euro flogen die Fetzen. Der Kanzler warf der FPÖ und der ÖVP, dass man nicht „wisse , wer von wem abgeschrieben habe“. Außerdem versuchte Kern zu beweisen, dass es im FPÖ-Programm viele Falschberechnungen gibt. „Glauben Sie mir, ich würde auch gerne eine Mindestpension von 1200 Euro einführen. Aber das kostet 8,6 Milliarden Euro.“ Strache konterte: „Das sollen jene bekommen, die 40 oder 45 Jahre gearbeitet haben. Das kostet keine acht Milliarden. Werfen Sie nicht mit falschen Zahlen herum. “ Kern: „Das ist Statistik und die Verwendung des Taschenrechners.“ Auch die Ankündigung die Steuerzahler mit 12 Milliarden Euro zu entlasten, befundet der Kanzler als unseriös. „Warum haben Sie nicht gleich 30 Milliarden gefordert.“

Ein Knackpunkt war auch die Erbschaftssteuer, die die SPÖ ab einer Million Euro einführen will. Für Strache ist diese Steuer unfair und er lehne sie daher ab. „Wir leben in einem Hochsteuerland. Wenn Sie die Steuerquote auf 30 Prozent wie in der Schweiz senken, dann können wir darüber reden.“ Kern konterte, dass Strache hier die „obersten zwei Prozent der Gesellschaft verteidige und nicht den kleinen Mann.“ Und setzte nach: „Oder beginnt der kleine Mann bei Ihnen ab einem Konto von fünf Millionen?“

Zur Ansage von Kern im Sommergespräch, beim Verlust von Platz eins in die Opposition zu wechseln, ruderte der Kanzler ein wenig zurück: Er beschäftige sich bis zum Wahltag nur mit der Frage, wie die SPÖ gewinnen könne, alles andere werde sich danach weisen. Strache riet seinem Kontrahenten dagegen indes zu mehr Realismus: „Sollten Sie nicht Stärkster werden, dann werden sie Geschichte sein, Herr Kern.“

Und dann, so spekulierte Straches weiter, werde rasch ein neuer SPÖ-Chef gefunden sein und mit der ÖVP in Verhandlungen treten, denn der „Proporzkleber ist der einzige Kleber, der im Land funktioniert“