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22.10.2017

Thier & Strache: Ein Foto und viele Spekulationen

Wie die Fotos von Susanne Thier und Philippa Strache am Wahlsonntag zustande kamen.

Am Wahlsonntag gab es wie immer Unmengen an Debatten, Spekulationen über Regierungskonstellationen und Enttäuschungen. Man sprach vom "Rechtsruck", vom "neuen Wendekanzler" Sebastian Kurz. Die ÖVP befürchtete, dass an Rot-Blau bereits gebastelt wird, um Kurz als Kanzler zu verhindern.

Doch es gab noch ein anderes Thema, als die üblichen. Schon in den Abendstunden kursierte ein Foto durch die sozialen Medien, das rasch für Schlagzeilen inklusive zahlreicher klischeehafter Kommentare auf Twitter sorgte. Philippa Strache (29) und Kurz-Lebensgefährtin Susanna Thier (30) posierten in der Hofburg für die Fotografen, während ihre Lebenspartner die ersten Sieger-Interviews gaben.

"Partnerinnen-Look"

Beide sind blond, haben langes Haar, die gleiche Augenfarbe, tragen am Wahlabend ein ähnliches Outfit und sind fast gleich alt. Diese Ähnlichkeiten veranlasste sogar die deutsche Tageszeitung Die Welt, von einem "Wiener Partnerinnen-Look" zu sprechen. Und kommentierte weiter, "man könnte meinen, sie hätten sie sich für einen Doppelgänger-Wettkampf angemeldet". In den Wiener Kreisen freilich wurde das Foto ganz anders interpretiert. Da spekulierte man, ob das demonstrative Posieren vor der internationalen Presse der neuen "First Ladys", ein erstes Zeichen für den schnellen Abschluss einer türkis-blauen Koalition ist?

Doch wie kam es zu den Fotos? Und wie gut kennen sich Susanne Thier und Philippa Strache tatsächlich?

Gespräch bei ORF-Elefantenrunde

"Ich habe Susanne Thier erst wenige Tage vor dem Wahlsonntag kennengelernt. Sie hat Sebastian Kurz zur Elefantenrunde in den ORF begleitet. Da gab es ein erstes Gespräch zwischen uns beiden", erzählt Philippa Strache. Die Chemie zwischen den beiden Frauen scheint gestimmt zu haben. "Sie war offen und sehr freundlich zu mir. Ich habe Susanne Thier als irrsinnig sympathisch empfunden." Am Wahlsonntag traf man sich dann zufällig wieder.

Ärger über zweites Foto

Der Inhalt ihrer Gespräche blieb trotz gegenseitiger Sympathie eher allgemein. Es war mehr Small Talk. Die beiden plauderten über den Wahlsonntag und die Erfahrungen aus dem Wahlkampf. "Man solidarisiert sich eben in dieser Rolle mit den anderen Lebenspartnerinnen", meint die Ehefrau von Heinz-Christian Strache. Über das zweite Foto, auf dem Thier und Strache ihre blonden Haare für den Fotografen schütteln und dabei lachen, ärgert sich Straches Ehefrau. "Wir wussten nicht, dass wir in diesem Moment fotografiert werden. Das war unfair, denn wir haben nur unsere Jacken angezogen und anschließend unsere Haare aus den Jacken gezogen."

Vorurteile

Doch warum war die Ehefrau von Strache überrascht, dass Susanne Thier auf sie offen zuging? Gegenüber dem KURIER erzählt sie, dass sie immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert ist, weil sie eben die Frau des FPÖ-Chefs ist. Doch sie will nicht jammern, denn, dass Menschen und auch Freunde sich von ihr abwenden würden, damit hat sie gerechnet. "Das war mir schon klar. Trotzdem wird man vorsichtiger."

Auch wenn optische Ähnlichkeiten zwischen Susanne Thier und Philippa Strache bestehen, ihre Rolle legen die beiden vollkommen unterschiedlich an. Die Lebensgefährtin des künftigen Bundeskanzlers Sebastian Kurz ist studierte Wirtschaftspädagogin und arbeitet im Finanzministerium. Sie hält sich aus dem Polit-Rampenlicht zurück. Interviews gab es bis jetzt kein einziges. Kurz lehnt das strikt ab. Der ÖVP-Chef meint, wenn einmal die Türe zum Privatleben geöffnet wird, geht sie nicht mehr zu. Der Außenminister und Thier sind zwar seit Schulzeiten zusammen, jedoch nicht verheiratet. Zwei Mal schon, so verriet der ÖVP-Chef im Wahlkampf, waren die beiden getrennt, weil die Politik eine enorme Belastung für jede Beziehung darstelle.

Vierter Wahlkampf für Philippa Strache

Ganz anders geht Philippa Strache mit der Öffentlichkeit um. Vielleicht auch weil das Ex-Model gewohnt ist, vor der Kamera zu stehen. Die 29-Jährige versucht nun, als Moderatorin ein eigenes Standbein aufzubauen. Im Mittelpunkt steht weiterhin der Erfolg des FPÖ-Chefs, mit dem sie seit einem Jahr verheiratet ist. Sie war bei der gesamten Ländertour im Wahlkampf an seiner Seite. Es ist nicht der erste Wahlkampf von Philippa Strache: Bevor sie den FPÖ-Chef kennenlernte, war sie Presselady bei Frank Stronach. "Es war mein vierter Wahlkampf." Und ist wahrscheinlich nicht ihr letzter.