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09.10.2017

Kern vs. Strache: "Wir haben bewiesen, dass uns Welten trennen"

Die Chefs von SPÖ und FPÖ stellten in einem harten ORF-Duell ihre gegenseitige Ablehnung zur Schau. Einmal mehr gab sich Kanzler Kern dabei als angriffiger Herausforderer.

Nie gab es mehr TV-Duelle, nie wurde schmutziger operiert, nie stand ähnlich viel auf dem Spiel – nun bog er in die Zielgerade ein, der heurige Nationalratswahlkampf. Und diese letzte Woche hat es noch einmal in sich: Die Chefs der drei großen Parteien – Christian Kern, Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache – sitzen einander allein im ORF in drei Duellen gegenüber, am Donnerstag treffen sie dann noch einmal in der Elefantenrunde aufeinander.

Den Anfang im TV-Wahlkampffinale machten Kern und Strache am Montagabend im achten ORF-Duell – und das angriffiger als im Vorhinein erwartet. Bei keinem Thema äußerten jene beiden, die sich in der Vorwoche noch eine eher ruhige Debatte auf Puls4 geliefert hatten, inhaltliche Gemeinsamkeiten. Lieber wurden Angriffe auf das jeweilige Gegenüber geritten: Strache etwa warf Kern vor, nicht mehr die Interessen der "kleinen Arbeiter" zu vertreten, schimpfte über "die rot-schwarze Raubritter-Regierung" und den "Kammerzwang" und sagte seinem Gegenüber letztlich, dass dieser "als Kanzler und Parteichef bereits Geschichte" sei. In der Dirty-Campaigning-Affäre um den Ex-SPÖ-Berater Tal Silberstein sagte Strache, dass sich Kern "mit diesen Fake-Seiten auf Facebook selbst disqualifiziert" habe.

Der Kanzler stichelte

Kern hingegen warnte einmal mehr vor einer schwarz-blauen Bundesregierung ("Das wird genauso wie in den 2000ern") und warf dem FPÖ-Chef vor, "Erfüllungsgehilfe der Konzerne" zu sein. In Fragen der Migration und Wirtschaft orte der Kanzler "eine unglaubliche Annäherung" zwischen ÖVP und FPÖ. Auf die Silberstein-Causa angesprochen konterte der Kanzler wie so oft dieser Tage damit, dass man ja die Konsequenzen daraus gezogen habe – "hätten Sie diese Konsequenz in der Rücktrittskultur, würde ich jetzt mit einem Gemeinderat aus Euratsfeld hier sitzen", schoss er Strache dabei gleich zu Beginn der 50-minütigen TV-Auseinadersetzung an.

"Damit hat Kern schon am Anfang unmissverständlich klar gemacht, dass er auf einen Kampf aus ist", sagt TV-Coach und Ex-Moderator Gerald Groß zum KURIER. "Kern ging voll in den Gegner hinein, er attackierte ja auch den nicht anwesenden Kurz mehrmals", erklärt Groß. Wolfgang Bachmayer, Chef des Meinungsforschungsinstituts OGM, sieht dies ähnlich: "Kern wurde spätestens seit den jüngsten Problemen im SPÖ-Wahlkampf zum Herausforderer, er agiert wie ein Oppositioneller, um von den Fehlern der SPÖ abzulenken." Die "Kanzleroptik", so der Experte, habe Kern bereits vor Wochen verloren – "die neue Generalstrategie von Kern lautet nun: Angriff ist die beste Verteidigung", schildert Bachmayer. "Etwas anderes", erklärt der Meinungsforscher, "bleibt ihm in seiner Situation ja nicht mehr übrig". Groß dazu: "So will Kern offenbar retten, was noch zu retten ist".

Im ORF-Duell dürfte dies zumindest teilweise aufgegangen sein: "Es ist Kern gelungen, Strache aus seinem wohl eher ruhig angelegten Konzept zu bringen", sagt Bachmayer. Auch Groß findet, dass Kern sein blaues Gegenüber "ein bisschen aus dessen staatstragender Rolle holen konnte" .

Dass die beiden Kontrahenten je gemeinsam eine Regierung anführen werden, ist laut Bachmayer schon im Vorhinein unwahrscheinlich gewesen: "Mit Kern an der Spitze ist das undenkbar", sagt der Meinungsforscher – auch anspielend auf die Kern-Ankündigung, im Falle eines zweiten oder dritten Platzes der SPÖ in Opposition zu gehen. Interesse an einer Koalition mit Strache bekundete der Kanzler indes ohnehin keines: "Ich glaube, wir haben heute bewiesen, dass uns Welten voneinander trennen".

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