Debatte um CO2-Preis

© APA/dpa/Uwe Anspach / Uwe Anspach

Faktencheck
09/17/2020

Von der Leyens Klimaziele: Politisch ehrgeizig, aber reicht das für die Erde?

55 Prozent weniger CO2-Emissionen bis 2030: So weit ist Europa und Österreich von dem Kommissionsziel entfernt.

von Bernhard Gaul

Der alte europäische Plan, der nie offiziell  festgeschrieben wurde, lautete: Bis 2020 minus 20 Prozent CO2, bis 2030 minus 40 Prozent, bis 2040 minus 60 Prozent und bis 2050 minus 80 bis minus 95 Prozent CO2.

Das größte Problem dabei war: Aus Sicht der Wissenschaft verpassen die Europäer damit ihren Anteil beim eigentlichen Klimaziel um viele Kilometer.

1,5 Grad Erderwärmung

Das eigentliche Ziel wurde bei der Klimakonferenz 2015 in Paris formuliert: die Erderhitzung auf weniger als zwei Grad Celsius zu begrenzen, die Erderwärmung solle möglichst bei 1,5 Grad bleiben.

Etwas mehr als ein Grad Erwärmung (immer im Vergleich zur vorindustriellen Zeit) haben wir schon erreicht.

Nun schlägt EU-Kommissionspräsidentin Ursula Von der Leyen ein ehrgeizigeres Ziel für die Reduktion von CO2-Emissionen vor: Nämlich minus 55 Prozent (im Vergleich zu 1990) bis 2030. Das ist jetzt der Vorschlag für ein offizielles europäisches Ziel gegenüber dem bisher eingangs erwähnten,  inoffiziellen.

Von der Leyen sagte in ihrer Rede im EU-Parlament, wenn alle auf der Welt dem Beispiel Europas folgen würden, dann würde das reichen, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Es reicht aber nicht

Die Wissenschafter sagen jedoch, das sei insgesamt zu wenig.

Die nächste große Frage wird sein, welche Ziele es dann für die einzelnen Mitgliedsstaaten gibt, denn minus 55 Prozent bezieht sich immer auf die Summe der Reduktionen aller EU-Staaten. Für Österreich gilt (beim noch gültigen Minus-40-Prozent-EU-Ziel) nämlich nur eine Reduktion um 36 Prozent – und das, um es restlos kompliziert zu machen, auf Basis der Emissionen von 2005, nicht der von 1990.

Diese minus 36 Prozent sind jetzt schon kaum erreichbar. Zwar könnte Österreich bis 2030 den Strommarkt komplett grün machen. Doch die richtig großen Hürden liegen woanders: bei der Wärmeproduktion und beim Verkehr.

Österreich stößt aktuell rund 80 Millionen Tonnen CO2 aus, so viel wie 1990.

Wer wieviel CO2 produziert

Diese CO2-Emissionen stammen aus folgenden Quellen:

36 Prozent aus der Energieproduktion und der Industrie, die allerdings am EU-Markt dafür „Verschmutzungsrechte“ kaufen müssen. Bisher sehr günstig, doch der Preis wird jedes Jahr höher werden, was die Anstrengungen zum Umstieg auf Alternativenergien befeuern wird.

30 Prozent Verkehr, der sicher schwierigste Brocken, von den Privat-Pkw über die Diesel-Lkw. Lösungsmöglichkeiten gibt es da nur in Ansätzen. Derzeit setzt die Branche auf Elektromobilität mit Batterien, Hoffnung versprechen aber auch Brennstoffzellen, die derzeit aber nicht kostengünstig in Massen produziert werden können.

10 Prozent der Emissionen stammen vom Warmwasser und den Öl- und Gas-Heizungen. Von der Leyens Plan, wie auch der Bundesregierung, ist vor allem eine Sanierungsoffensive (für die mehr als zwei Millionen Gebäude in Österreich).

10 Prozent gehen aufs Konto der Landwirtschaft, vor allem Dünger und Gülle emittieren schädliche Treibhausgase.

8 Prozent gehen wiederum aufs Konto von Wirtschaft und Industrie, die nicht im CO2-Handelssystem mit Verschmutzungsrechten erfasst werden.

3 Prozent stoßen unser Müll und die Abfallwirtschaft aus.

Handbuch für Verbrauch

Für den Bürger heruntergerechnet heißt das auch: Jeder Liter verbrauchtes Benzin verursacht 2,3 Kilogramm CO2, ein Liter Diesel wird zu 2,6 Kilogramm verbrannt, jeder Liter Heizöl verursacht 2,9 kg CO2, jeder Kubikmeter Erdgas 2 kg CO2. Und ein Flug (Economy) Wien–Mallorca–Wien verbraucht rund 550 Kilo – pro Person.

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