Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Klima-Aktivistin Greta Thunberg und R20-Gründer Arnold Schwarzenegger (v.l.).

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Politik Inland
05/28/2019

Greta und der Terminator: Star-Power bei Klima-Gipfel in Wien

Prominenz in der Wiener Hofburg: Van der Bellen, Thunberg, Guterres, und Schwarzenegger sprachen über Klimaschutz

von Johannes Arends

So bunt war der Festsaal der Wiener Hofburg schon lange nicht mehr. Vor seiner mit verschiedenfarbigem Marmor verzierten Wand erstreckt sich ein etwa dreißig Meter langer Riesen-Monitor. Die grellen Farben der aufwendigen Animationen stehen in Kontrast zu dem altehrwürdigen Charme der ehemaligen Habsburger-Residenz.

Mehr als 1200 Besucher aus 30 Ländern haben sich hier beim R20 Austria World Summit eingefunden, einer Klima-Konferenz, die erstmals vor drei Jahren vom gebürtigen Steirer Arnold Schwarzenegger ins Leben gerufen wurde. Der Ex-Bodybuilder, Hollywood-Star und US-Gouverneur hat dazu etliche Prominente und Staatschefs nach Wien geladen.

Doch trotz des enormen Aufwands, der für die Organisation des Klimagipfels betrieben wurde, erhält er nicht die gewünschte mediale Aufmerksamkeit. Die US-amerikanische Moderatorin Melinda Crane spricht noch während der Eröffnungszeremonie den Elefanten im Raum an: "Wie Sie vielleicht bemerkt haben, ist die Österreichische Bundesregierung momentan ein wenig im Wandel", so die langjährige Journalistin. "Damit fallen uns leider einige wichtige Sprecher aus."

Namentlich sind das der seit gestern ehemalige Bundeskanzler Sebastian Kurz, Noch-Umweltministerin Elisabeth Köstinger und Noch-Außenministerin Karin Kneissl. Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist trotz der innenpolitischen Turbulenten gekommen, lässt sich jedoch kurz nach seiner Begrüßungsrede entschuldigen - in äußerst versiertem Englisch spricht er davon, dass "eine winzige Regierungskrise" derzeit den Großteil seiner Zeit und Aufmerksamkeit fordere. "Aber keine Sorge, das kriegen wir schon hin."

Standing Ovations für Greta

Als nächstes tritt die erst 16-jährige Klima-Aktivistin Greta Thunberg auf. Im August 2018 blieb sie in ihrer Heimat Stockholm erstmals der Schule fern, um vor dem schwedischen Parlament gegen Verstöße gegen das Pariser Klimaschutzabkommen zu streiken. Damit wurde sie weltberühmt, und löste eine Protestwelle unter jungen Menschen aus, die in der globalen Fridays-for-Future-Bewegung gipfelte. Auch heute ist Greta eine der meisterwarteten Sprecherinnen in der Hofburg.

Das wird erst recht am Ende ihrer Rede deutlich. Beeindruckend sicher mahnt sie in für ihr Alter exzellentem Englisch, dass der Klimawandel "der größte Notfall der Menschheitsgeschichte" sei. Sie habe in den vergangenen Monaten bemerkt, dass die meisten Menschen schlicht und einfach nicht gut genug Bescheid wissen. Es sei also in unser aller Verantwortung, so viele wie möglich über eine mögliche Klimakatastrophe aufzuklären. "Eine Verantwortung, der Sie alle bisher in zu geringem Maße nachgekommen sind", schließt Greta - und das Publikum im Saal dankt es ihr mit stehenden Ovationen.

Als nächstes spricht UNO-Generalsekretär Antonio Guterres. Der 70-jährige Portugiese war bisher bei jedem R20 World Summit in Wien dabei. Seine Rede ist von Sachlichkeit geprägt: "Wir müssen Emissionen besteuern, nicht Menschen", sagt er mit starkem portugiesischem Akzent. "Wir müssen unsere Infrastruktur auf Kohlenstoff-freie Energie hin ausrichten." Das gelte besonders bei Verkehrspolitik und Städteplanung.

Er glaube daran, dass momentan ein globales Umdenken stattfinde - und hoffe darauf, die Ergebnisse dieses Umdenkens schon bei der Klima-Konferenz der Vereinten Nationen im kommenden September in New York besprechen zu können.

"Arnie": "Es braucht Träumer"

Dann erklingt laute Musik und leises Gemurmel im Saal, als Arnold Schwarzenegger die Bühne betritt. Er spricht in typischer "Arnie"-Manier, also in äußerst steirischem Englisch und äußerst US-amerikanischem Deutsch. In seinem Leben hätten ihn die Menschen immer wieder für verrückt erklärt - in seiner Jugend, als er Bodybuilder werden wollte, später, als er trotz seines starken Akzents Schauspieler werden wollte, noch später, als er ohne jegliche Erfahrung in die Politik ging. "Jetzt nennen sie mich wieder verrückt, weil ich die Welt retten will", so der inzwischen 71-jährige "Terminator". 

Er sei immer schon ein Träumer gewesen. Daher kenne er die Zweifel, denen sich Träumer tagtäglich entgegen stellen. "Man muss hartnäckig bleiben, und immer an sein Ziel glauben", sagt Schwarzenegger. Es brauche Menschen mit Visionen - wie ihn selbst, wie Greta - um anderen zu zeigen, dass das Unwahrscheinliche möglich ist. 

Im Anschluss an die lange Eröffnungszeremonie startet die erste Gesprächsrunde der heutigen Konferenz. Auf der Bühne nehmen der Vizepräsident von Nepal, sowie die Präsidenten von Ungarn, Lettland und Ghana platz. Weil Die Vertreter aus Ungarn und Nepal in ihrer Landessprache sprechen werden, verlassen viele Teilnehmer den Saal, um sich Kopfhörer für die Simultan-Übersetzung zu holen. Nach ein paar Minuten ist aber klar: Der Großteil von ihnen kommt erstmal nicht wieder. Wahrscheinlich ist es doch die Star-Power von Greta und "Arnie" gewesen, die zuvor für ungeteilte Aufmerksamkeit gesorgt hat.