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Politik Inland
01/22/2021

Verzögerung: Um 1,4 Millionen Impfdosen weniger bis Ende März

Just jenes Vakzin, das Österreich für die rasche Durchimpfung der Älteren benötigt, wird nur in geringerem Ausmaß geliefert.

von Elisabeth Holzer, Bernhard Gaul

Das Gesundheitsministerium war in den vergangenen Wochen immer verhalten, wenn es um die Frage ging, wann wie viele Impfdosen von welcher Pharmafirma geliefert werden soll. Begründet wurde das immer damit, keine falschen Hoffnungen machen zu wollen, die Verteilung hänge maßgeblich von der Produktion ab, auf die Österreichs Gesundheitsminister keinen Einfluss hat.

Jetzt ist genau so ein befürchtetes Problem schlagend geworden: Astra Zeneca soll deutlich weniger Impfstoff im ersten Quartal für die EU bereitstellen als eigentlich geplant. Für Österreich geht es um zwei Millionen Impfdosen für eine Million Menschen. Eigentlich hätten diese Dosen ausreichen sollen, um das vorrangige Ziel zu erreichen: Das Impfen aller über 65-Jährigen, der verletzlichsten Gruppe gegenüber dem Coronavirus: Dabei geht es um 1,7 Millionen Menschen – es kommen aber nur Dosen für 868.975 Menschen. Denn allein mit den für das Q1 zugesagten Impfstoffen von Pfizer (937.950 Dosen für 468.975 Menschen) und Moderna (200.000 für 100.000 Menschen) wird es nicht gehen. Statt der erwarteten 2.000.000 Dosen sollen es jetzt nur mehr 600.000 Dosen (für 300.000 Menschen) sein.

Impfpläne

Nun rächt es sich doppelt, dass die bisherigen Impf-Pläne nicht eingehalten, nicht gut kommuniziert oder schlicht hintergangen wurden. Denn es wurden zwar schon 20-jährige Zahnmedizin-Studenten geimpft, aber bei Weitem noch nicht alle über 85-Jährigen.

Umstritten ist noch der Grund, warum es zu der verminderten Lieferung kommen soll. In Wien war zu hören, dass Astra schlicht sauer auf die EU ist, weil ihr Impfstoff immer noch nicht zugelassen ist – das soll tatsächlich erst kommenden Freitag passieren. Allerdings hat die Pharmafirma erst am 12. Jänner, also vor elf Tagen, um eine Zulassung angesucht. Gerüchteweise hat die Lieferverzögerung aber auch mit einem Brand im fernen Indien zu tun, wo die wichtige Pharmafabrik steht.

Gesundheitsminister Anschober zeigte sich wütend: Das sei „völlig inakzeptabel: Zugesagte Liefermengen müssen eingehalten werden.“

Konzern bestätigt

Freitagabend kam die Bestätigung von AstraZeneca:  Der Hersteller werde zunächst weniger Corona-Impfstoff an die EU liefern als geplant. Sollte der britisch-schwedische Konzern die Zulassung von der EU erhalten, werde die Menge zu Beginn niedriger sein, sagte eine Unternehmenssprecherin. Grund seien geringere Erträge an einem Produktionsstandort „innerhalb unserer europäischen Lieferkette“. Eine Verzögerung der Lieferungen sei aber nicht geplant.
 

Gute Impf-Stimmung

Es gibt aber auch Positives zu berichten: Die Stimmung ist gekippt zum Positiven: Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) berichtete am Freitag, dass die Impfbereitschaft in Österreich steige. 162.000 Impfdosen seien mit Stand Donnerstagabend bisher verabreicht worden.

Die Impfkoordinatoren der Bundesländer arbeiten derzeit die erste Phase der Immunisierung mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer ab, jene in Heimen vor allem. Nach teils holprigem Impfstart soll es jetzt aber zügig gehen: Niederösterreich hofft, das alle interessierten Personen „bis zum Sommer“ die Impfung gegen das Coronavirus erhalten haben. Die Steiermark rüstet bereits für „Impfevents“, wie Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) formuliert. Die 22 Schnellteststraßen sollen zu Impfstraßen umgebaut werden; allein in zusätzlich geplanten Impfmöglichkeiten der Spitäler sollen bis zu 8.000 Personen geimpft werden können pro Tag. Im Burgenland geht Gesundheitslandesrat Leonhard Schneemann (SPÖ) von letztlich 100.000 Impfungen monatlich aus.

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