Politik | Inland
26.06.2018

Überstunden? Wer in Europa am meisten arbeitet

Österreich liegt mit 1.613 Stunden pro Jahr unter OECD-Schnitt, obwohl zwei von drei Beschäftigten Überstunden machen.

Im Streit um die Arbeitszeitflexibilisierung bzw. den 12-Stunden-Tag stellt sich auch die Frage: Arbeiten die Österreicher zu viel? Im internationalen und EU-weiten Vergleich jedenfalls nicht:

Österreich liegt bei den durchschnittlichen Arbeitsstunden pro Kopf unter dem OECD-Schnitt. Das internationale Ranking (hier die Zahlen) führt Mexiko an: Dort arbeiteten die Menschen durchschnittlich pro Jahr 2.257 Stunden. In der EU ist Griechenland mit 2.018 Stunden auf Platz 1.

Die Österreicher arbeiten 1.613 Stunden pro Jahr. Noch weniger arbeiten die Schweden, Belgier, Luxemburger, Franzosen, Niederländer und Dänen. Am wenigsten Stunden werden pro Kopf und Jahr in Deutschland geleistet - da waren es 2017 nur 1.356 Stunden.

Eine Erklärung: In Krisenländern haben die Menschen häufig zwei oder drei Jobs. In Österreich hingegen arbeiten viele Frauen in Teilzeit, außerdem gibt es mehr Urlaubs- und Feiertage als in vielen anderen Ländern.

Insgesamt ist die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden im Lauf der vergangenen Jahre in allen OECD-Ländern gesunken. Der Durchschnitt lag im Jahr 2000 noch bei 1.843 Stunden.

Hotline für Fragen zur Arbeitszeit

Die Debatte um die Einführung des 12-Stunden-Tages spitzt sich diese Woche zu: In ganz Österreich finden Betriebsversammlungen statt, Höhepunkt des gewerkschaftlichen Protests ist die Großdemo am Samstag in Wien: Gewerkschafter aus ganz Österreich sollen mit Bussen und Sonderzügen nach Wien pilgern - wie viele es sein werden, ist noch offen. "Die Demo geht aber weit über die Gewerkschaft hinaus, sagt Willi Mernyi, Vorsitzender der FSG.

Am Montag hat der ÖGB eine Hotline für Auskünfte rund um das Thema Arbeitszeit eingerichtet. 18 Arbeitsrechtsexperten des ÖGB sind für diesen Service im Einsatz (erreichbar unter: 0800 22 12 00 60 von 9 bis 18 Uhr). "Die Menschen sind verunsichert, viele bewegen sich mit den Überstunden schon jetzt an der Grenze zur Legalität", schildert Mernyi gegenüber dem KURIER seine ersten Eindrücke.

AK-Chef: Beschäftigten entgeht eine Milliarde Euro

Laut einer Umfrage der Arbeiterkammer Oberösterreich machen zwei von drei Beschäftigten (67 Prozent) Überstunden. 17 Prozent gaben an, dass das häufig der Fall sei, 52 Prozent gelegentlich. Die Statistik Austria kam für das Vorjahr auf ein ähnliches Ergebnis: Mehr als 18 Prozent leisteten häufig Überstunden.

Pikant dabei: 2017 wurde fast ein Fünftel der Überstunden vom Arbeitgeber nicht bezahlt, ergab die Umfrage unter 7200 Österreichern. 663.100 Beschäftigte leisteten im Vorjahr rund 250 Millionen Über- und Mehrarbeitsstunden. Durch das Fünftel "Überstundenklau", kritisiert AK-OÖ-Chef Johann Kalliauer, würde den Arbeitnehmern rund eine Milliarde Euro entgehen.

Die Wirtschaftskammer hält mit einer eigenen Umfrage dagegen - die den Zahlen von AK und Statistik Austria allerdings ähnelt. In der von Market durchgeführten Umfrage, die vor einigen Tagen veröffentlicht wurde, gaben 83 Prozent der Befragten an, dass "Überstunden in ihrem Unternehmen immer korrekt abgerechnet werden". Heißt: Bei 17 Prozent ist das nicht der Fall - also bei etwas weniger als einem Fünftel.

In dieser Umfrage sagten 59 Prozent, dass sie es sogar begrüßen, Überstunden machen zu können. 85 Prozent der 1.200 Befragten seien mit dem Ausmaß ihrer Arbeitszeit zufrieden und 73 Prozent wiederum seien zufrieden, wie das Thema Arbeitszeit bei ihnen im Unternehmen geregelt wird, teilt die WKÖ mit.