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Politik Inland
08/26/2020

Überraschende ÖVP-Hilfe für Asylwerber in Lehre

Salzburger Wirtschaftskammer-Chef unterstützt die Linie von Minister Anschober.

von Johanna Hager

Die Zahl der Arbeitssuchenden ist Mitte August mit 421.697 konstant hoch. Rund 35.000 der Jobsuchenden sind Flüchtlinge mit einem positiven Asylbescheid. Und diese stellen auch das Argument für die ÖVP dar, das Ansinnen von Gesundheitsminister Rudolf Anschober nicht zu unterstützen. Der Grüne will verhindern, dass Asylwerber nach der Lehre abgeschoben werden.

Anschober hatte sich bereits als Landesrat in Oberösterreich dafür eingesetzt, dass Flüchtlinge mit einem negativen Asylbescheid ihre Lehre fertig absolvieren dürfen. Mit dem Lehrabschluss in der Tasche geht es für diese Jugendlichen allerdings zurück in ihre Heimatländer, dort können sie sich um Jobs in Österreich bewerben. Die Argumente, die „Ausbildung statt Abschiebung“ zugrundeliegen, lässt der Koalitionspartner ÖVP nicht gelten. Man sei vor allem bemüht, die besagten 35.000 arbeitslosen, aber asylberechtigten Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

"Vollkommen widersinnig"

Für jene mit einem negativen Bescheid in Lehre gäbe es ohnehin eine „gute Lösung“, sagte jüngst Integrationsministerin Susanne Raab. Dem widerspricht Peter Buchmüller. „Diese Gruppe hat Integrationswillen bewiesen“, sagt der Präsident der Salzburger Wirtschaftskammer (WKS) und ehemalige WKÖ-Spartenobmann für den Handel im KURIER-Gespräch und setzt die bekannten Zahlen in Relation.

656 Lehrlinge, die keinen Asylbescheid haben, gibt es derzeit österreichweit. 98 davon sind in Salzburg in Ausbildungen „und zwar in Berufen, die hier dringend gebraucht werden. Die 39 Köche und Kellner, 8 Restaurantfachfrauen und -männer und 6 Elektrotechniker fertig auszubilden und dann abzuschieben statt am Arbeitsmarkt einzusetzen, das ist doch vollkommen widersinnig“, so Buchmüller. „Von den Ausbildungskosten, auf denen die Betriebe sitzen bleiben, gar nicht erst zu reden. Das ist kurzsichtig und politisch unwirtschaftlich gedacht“, sagt der Salzburger Wirtschaftskammerpräsident in Richtung Wien und Bundesregierung.

Kein Lehrstellenmangel

Zudem herrsche nach wie vor trotz hoher Arbeitslosigkeit „zumindest in Westösterreich ein Fachkräftemangel und im Unterschied zu Ostösterreich kein Lehrstellenmangel.“ Im Gegenteil. In Salzburg, Tirol und Vorarlberg gäbe es einen Mangel an Lehrlingen. „Ende Juli gab es in Salzburg 847 sofort verfügbare offene Lehrstellen. Dem standen 485 Lehrstellensuchende gegenüber“, weiß Buchmüller.

„Es sind geschätzt noch weit mehr freie Lehrstellen, als dem AMS gemeldet sind, doch in der öffentlichen Darstellung dominiert die ostösterreichische Sicht des Lehrlingsmangels. Das gleicht jedenfalls für Westösterreich einer Mär, und: Es setzt für Westösterreich ein kontraproduktives Signal an junge Leute und deren Eltern, die Lehre zu meiden.“ Gerade in Anbetracht dieses Images, des Fachkräftemangels und „der überschaubaren Anzahl an Asylwerbern in Lehrausbildung“ appelliert Buchmüller an den türkisenen Part der Regierung, die geltenden Regelungen zu überdenken. Denn: Mit dem langsamen Rückgang der Arbeitslosigkeit steige auch in anderen Bundesländern wieder der Fachkräftemangel.

Er fordert die Regierung daher auf, dass „ausgebildete Fachkräfte in Mangelberufen die Rot-Weiß-Rot-Card im Inland beantragen können – wie das auch ausländischen Studienabsolventen, die ihre Ausbildung in Österreich gemacht haben, möglich ist. Dass es hier Unterschiede gibt, das versteht kein Mensch.“

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