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U-Ausschuss: Privatgutachter wollte „nur Fragen aufwerfen“

Am Vormittag war Michael Tsokos geladen. Für die Diagnose Ertrinken fehlen aus seiner Sicht Befunde. Am Nachmittag dann der behördlich bestellte Rechtsmediziner. Dann geht der U-Ausschuss in die Sommerpause.
KONSTITUIERENDE SITZUNG DES U-AUSSCHUSSES ZUR CAUSA PILNACEK

In der letzten U-Ausschuss-Sitzung vor der Sommerpause sind heute zwei weitere Rechtsmediziner geladen. 

Am Vormittag kommt zunächst der Berliner Michael Tsokos, der im Auftrag von Buchautor und Ex-Politiker Peter Pilz das behördliche Obduktionsgutachten analysiert hat. Dieses wiederum stammt von Christian Matzenauer, der am Nachmittag befragt wird. 

Über den möglichen Erkenntnisgewinn der Befragungen der Privatgutachter gingen die Meinungen der Fraktionen vor Beginn der Sitzung erneut weit auseinander. Gestern, Mittwoch, war ja der erste Pilz-Gutachter, Stefano Longato, als Auskunftsperson geladen. 

Die Neos stellten ihm keine Fragen - und so wollen die Pinken es auch heute mit Tsokos halten.

Schon bei Longato war Fraktionschefin Sophie Wotschke der Ansicht, er könne keinen Beitrag zum Untersuchungsgegenstand leisten, wenigstens arbeitete er aber in Österreich und konnte generell etwas über die behördliche Arbeitsweise erzählen. 

Tsokos aber ist in Deutschland tätig, bei ihm sieht Wotschke "wenig Einfallstore" für eine Befragung. 

"Nicht geschrieben, dass es ein Tötungsdelikt war"

Tsokos scheint sich selbst zu wundern, was er hier im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu suchen hat. "Die Fragestellung ist weit weg von meinem Fachgebiet. Ob politisch Einfluss genommen wurde, das kann ich nicht beurteilen."

Was er im Rahmen seiner Tätigkeit als Privatgutachter gemacht habe, sei, Fragen aufzuwerfen, die aus seiner Sicht im Zuge der behördlichen Obduktion nicht gestellt worden seien. 

"Es gibt Befunde, die für ein Ertrinken typisch sind, aber es fehlen auch Befunde, die ich bei einem Ertrinken erwarten würde", erklärt der Berliner Rechtsmediziner vor den Abgeordneten. 

So gilt das Ertrinken als Todesursache aus Sicht seiner österreichischen Kollegen etwa durch eine Diatomeen-Probe als erwiesen. "In Deutschland ist die Lehrmeinung, dass das nie ein Beweis für Ertrinken sein kann." Diatomeen seien Kieselalgen, die in den Organen festgestellt werden. Die seien aber "überall drin", so Tsokos, und deutet auf das Wasserglas, das vor ihm steht. 

Später präzisiert er auf Nachfrage der FPÖ: Wenn das Verfahren automatisiert abläuft, könnte der Diatomeen-Wert doch aussagekräftig sein. "Wenn aber jemand nur mit dem Mikroskop schaut, dann ist das höchst subjektiv." 

Es gebe Verletzungen am Leichnam, die vieles bedeuten könnten. "Sind die beim Stürzen, durch Schläge oder durch Schleifen entstanden?", diese Fragen müsse man stellen, so Tsokos. "Ich würde nie so weit gehen zu sagen, es gibt keine Verletzungen, die auf Fremdeinwirkung hindeuten." 

Gleichzeitig betont er: "Ich habe nicht geschrieben, es war ein Tötungsdelikt." Er habe auch nie behauptet, die Verletzungen stammten von Abwehrverletzungen oder von Schlägen - nur, dass es sein könnte. "Das ist auch nur eine Frage wie viele andere, die ich aufgeworfen habe." 

Tsokos wusste nicht, dass Pilz ein Buch schreibt

Spannend ist, wie der Auftrag zustande kam: Tsokos sagt, Anwalt Volkert Sackmann habe ihm ein eMail geschrieben und erklärt, er vertrete Karin Wurm, Freundin Pilnaceks. 

Tsokos war deshalb der Annahme, der Auftrag komme von einer Angehörigen - das sei für ihn entscheidend gewesen, diesen anzunehmen. Pilz sei erst später hinzugekommen, es habe einen Videocall gegeben. 

Ob er wusste, was Pilz mit der gerichtsmedizinischen Stellungnahme vorhat?, fragt ÖVP-Abgeordneter Thomas Elian. "Nein, überhaupt nicht. Mir war nicht bewusst, dass es da einen politischen Kontext gibt." 

Dass Pilz seine Zitate für ein Buch verwendet, habe er erst erfahren, als Pilz ihm das fertige Buch zugeschickt hat. Um sein Einverständnis habe der Autor nie gefragt. Wenn, dann hätte er um die Seiten gebeten, um sie gegenzulesen, sagt Tsokos. 

Die Honorarnote habe ebenfalls Sackmann bezahlt. "Da bin ich mir zu 99 Prozent sicher. Ich habe da sehr genau gekuckt, weil ich sowas sonst nicht mache." Ob der Buchverlag Sackmann dann das Geld gegeben habe, wisse er nicht.

Ladungen für den Herbst

Nach einer Sommerpause setzt der U-Ausschuss Mitte September seine Arbeit fort, dann dürften auch prominente Politiker aus der ÖVP erstmals befragt werden. 

Auf der Ladungsliste stehen der ehemalige Innenminister Wolfgang Sobotka und der derzeit amtierende, Gerhard Karner (beide ÖVP). Konkret wollen die Freiheitlichen wissen, ob diese die Ermittlungsarbeit beeinflusst haben. 

Nach insgesamt sechs Befragungstagen im Herbst soll der U-Ausschuss bei einer Sitzung am 3. November die Beweisaufnahme beenden - vorausgesetzt, er wird nicht verlängert.

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