Politik | Inland
31.07.2017

Türkis-blaue Liaison laut Umfrage klarer Favorit der Österreicher

ÖVP-Chef Kurz liegt in OGM-Umfrage überall vorne. Schwierige Partnersuche für SPÖ-Kanzler Kern.

Hätten die Österreicher gestern, Sonntag, gewählt, würde der neue Bundeskanzler Sebastian Kurz heißen, und sein Vize wäre Heinz-Christian Strache. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts OGM im Auftrag des KURIER hervor.

Bis zum Tag X sind es noch 76 Tage. Für OGM-Chef Wolfgang Bachmayer ist schon jetzt klar: Will die SPÖ in der Regierung bleiben, muss sie einen Zahn zulegen. Nicht nur, dass Amtsinhaber Christian Kern in der Kanzler-Frage von vergangener Woche hinter seinem ÖVP-Kontrahenten Kurz liegt, (37 zu 32 Prozent), auch beim vorliegenden Ergebnis zur Koalitions-Präferenz zeigt sich: Eine Neuauflage von Rot-Schwarz bzw. -Türkis finden die 503 Befragten kaum erstrebenswert (siehe Grafik). Eine Dreierkonstellation von Rot-Grün-Neos wird sich – obwohl sie unter den Befragten die zweitliebste Variante ist – rechnerisch nicht ausgehen. In der letzten OGM-Sonntagsfrage kam die SPÖ auf 26 Prozent, die Grünen mit der neuen Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek auf sieben und die Neos auf fünf Prozent. Ergibt nur 38 Prozent, was weit entfernt ist von einer nötigen Mehrheit im Parlament.

Verlierer-Koalition?

ÖVP und FPÖ könnten zusammen mit 58 Prozent locker durchs Ziel laufen (32 und 26 Prozent). OGM-Chef Bachmayer schließt aber nicht aus, dass sich der Zweitplatzierte mit dem Dritten zusammentut – also SPÖ und FPÖ. "Es kommt darauf an, wie viel Vorsprung die ÖVP mit Sebastian Kurz hat. Eine Koalition aus zwei deutlichen Verlierern wird politisch schwierig werden", merkt Bachmayer an.

Und was wollen die Stammwähler? In der Detailauswertung zeigt sich, dass SPÖ-Wähler interessanterweise eine Neuauflage der Großen Koalition präferieren – zu immerhin 40 Prozent. 30 Prozent wollen die bunte Dreier-Kombi aus Rot-Grün-Neos.

Unter den ÖVP-Wählern wünscht sich fast die Hälfte eine Partnerschaft mit den Freiheitlichen (49 Prozent), und die Sympathie ist beidseitig: 48 Prozent der FPÖler sind dafür. Klarerweise will das jeweilige Stammklientel den eigenen Parteichef als Kanzler sehen. Die Strache-Fans würden sich zu 23 Prozent aber sogar mit dem Vize-Posten begnügen.

Für Bachmayer nicht weiter verwunderlich: "Das Erfolgsprogramm von Kurz zur Flüchtlingsfrage ist ja im Prinzip ein Programm der FPÖ aus den vergangenen 25 Jahren. Man erkennt Punkte aus Jörg HaidersÖsterreich zuerst’-Volksbegehren von 1992 wieder."

Von den SPÖ-Wählern könnten es sich 14 Prozent mit den Blauen vorstellen, was sich Bachmayer so erklärt: "Auch Bundeskanzler Kern stellt einige ähnliche Forderungen. Noch vor 20 Jahren hätte da jeder gestandene Linke einen kalten Schauer über den Rücken bekommen."