© APA/HANS PUNZ

Politik Inland
08/20/2019

Republik trauert um Hundstorfer: "Rudi, du wirst uns fehlen"

Große Betroffenheit über die Parteigrenzen hinweg über des unerwartete Ableben des früheren ÖGB-Chefs und SPÖ-Sozialministers.

Rudolf Hundstorfer ist gestorben. Das wurde dem KURIER Dienstagfrüh aus Gewerkschaftskreisen bestätigt.

Der frühere ÖGB-Chef, SPÖ-Sozialminister und Bundespräsidentschaftskandidat ist heute Früh im Urlaub auf der kroatischen Insel Brač einem Herzinfarkt erlegen.

Hundstorfer wurde 67 Jahre alt, am 19. September hätte er seinen 68. Geburtstag gefeiert.

Die Bestattung Wien hat für Hundstorfer ein digitales Kondolenzbuch online gestellt. Die Einträge sollen gesammelt und der Familie des Verstorbenen in Buchform übergeben werden. Ein Termin für die Trauerfeierlichkeiten stand indes noch nicht fest.

Rudolf Hundstorfer: Ein Leben in Bildern

Rudolf Hundstorfer, SPÖ-Bundespräsidentschaftskandidat, 2016 in Wien, beim Interview mit dem KURIER

Premiere des Theaterstücks "Wenn schon, denn schon!" im Stadttheater Berndorf: Karin und Rudolf Hundstorfer

Rudolf Hundstorf vor Beginn der ORF-Elefantenrunde mit allen Kandidaten zur Bundespräsidentschaftswahl, 2016

Finanzminister Hansjörg Schelling und Hundstorfer, 2015

Hundstorfer bei einer Nationalratssitzung, 2015

Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner und Sozialminister Hundstorfer während des Pressefoyers nach dem Ministerrat, März 2014

Sozialminister Hundstorfer und Bundeskanzler Werner Faymann

Hundstorfer beim KURIER-Tag 2012, mit Martina Salomon und Michael Spindlegger

Sozialminister Hundstorfer und Vizekanzler Michael Spindelegger beim "Bad Ischler Dialog 2011"

Karin und Rudolf Hundstorfer, beim Opernball 2011

ÖGB-Präsident Hundstorfer und WKO-Präsident Christoph Leitl, 2007, bei der Unterzeichnung eines Übereinkommens zur Anhebung einiger Branchen-Kollektivverträge

Hundstorfer und die 2014 verstorbene, ehemalige Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, bei einer Feier zum Abschluss des Konzernumbaus der Bank Austria Creditanstalt, im April 2007

ÖGB-Vorstand Hundstorfer am 1. Mai 2006, gemeinsam mit dem damaligen SPÖ-Bundesparteivorsitzenden Alfred Gusenbauer und dem Wiener Bürgermeister Michael Häupl

Rudolf Hundstorfer als Erster Vorsitzender des Wiener Gemeinderates, 1997

Hundstorfer wurde am 19. September 1951 in einfachen Verhältnissen in Wien geboren. Früh begann er sich für die Politik zu interessieren und engagieren - zuerst als Jugendvertrauensmann beim Magistrat der Stadt Wien, dann als Personalvertreter. Über 17 Jahre lang war er Abgeordneter des Wiener Gemeinderats, zwölf Jahre davon sein Vorsitzender.

Erst Gewerkschaft, dann Regierung

Zuvor Vorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, übernahm er 2006 nach der Bawag-Affäre das Präsidentenamt des Österreichischen Gewerkschaftsbundes und führte ihn in ruhigere Fahrwasser. Von 2008 bis 2016 bekleidete er das Amt des Sozialministers.

2016 kandidierte Hundstorfer bei der Bundespräsidentschaftswahl, verpasste mit 11,3 Prozent der Stimmen die Stichwahl jedoch deutlich.

 

Van der Bellen: "Umgänglicher und heiterer Mensch"

Sein unerwarteter Tod wurde nicht nur in der SPÖ betrauert. Würdigende Worte kamen auch von den Sozialpartnern abseits der Gewerkschaft sowie aus allen Parteien. Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigte sich tief betroffen, ebenso Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein.

Van der Bellen würdigte Hundstorfer als Menschen, "mit dem ich jeden Austausch sehr geschätzt habe, auch während unserer gemeinsamen Kandidatur zur Präsidentschaft“. Er habe öffentliche Funktionen immer mit höchster Kompetenz und großer sozialer Verantwortung wahrgenommen. "Hundstorfer war ein umgänglicher und heiterer Mensch, der mit allen reden konnte, mit Arbeiterinnen und Arbeitern genauso wie mit Spitzenpolitikerinnen und -politikern“, so der Bundespräsident.

Parteispitze würdigt "wahren Menschenfreund"

"Mit Rudolf Hundstorfer verlieren wir einen großen Sozialdemokraten und wahren Menschenfreund, der unschätzbar Wichtiges zur Verbesserung des Lebens der Menschen geleistet hat“, sagten SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner und SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda in einem gemeinsamen Statement. Mit ihm verliere die sozialdemokratische Familie "einen wichtigen Mitstreiter und einen Freund, der uns sehr fehlen wird“.

Tief betroffen zeigte sich auch der stellvertretende SPÖ-Klubvorsitzende Jörg Leichtfried, der Hundstorfers Familie und Angehörigen tiefes Beileid aussprach. "Seine Kraft und Stärke, sein typischer Wiener Schmäh, seine Solidarität werden fehlen“, meinte er. Auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, Vizebürgermeisterin Birgit Hebein von den Grünen, der SPÖ-Rathausklub und die SPÖ-Landesparteien trauerten. Ebenso die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures. "Rudi zeichnete sich durch sein ausgleichendes Geschick und seine politische Kompetenz aus“, so Ludwig. „Mit ihm verlieren wir eine Persönlichkeit, die sich durch ihre Fähigkeit zur Vermittlung über alle Parteigrenzen hinweg auszeichnete. Wir verlieren vor allem aber einen Freund. Rudi, du wirst uns fehlen.“

"Rudi Hundstorfer hat den ÖGB im Jahr 2006, in einer wirklichen schwierigen Zeit, als Präsident übernommen und damit große Verantwortung bewiesen“, erinnerte sich ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian an einen Freund, der sich auch nach dessen Zeit als ÖGB-Präsident und Sozialminister immer für das Wohl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eingesetzt habe. Auch ÖGB-Vizepräsident und Christgewerkschafter Norbert Schnedl zeigte sich bestürzt.

"Ausgleich im Zentrum"

"Rudolf Hundstorfer hat sich um unser Land besonders verdient gemacht“, schrieb Bierlein in ihrem Statement. Der verstorbene Sozialminister habe "über Jahrzehnte auf Landes- und Bundesebene in verschiedenen öffentlichen Funktionen den Ausgleich ins Zentrum seiner Tätigkeit gestellt und im Sinne der Sozialpartnerschaft das Miteinander gestärkt“. Sozialministerin Brigitte Zarfl ehrte "einen der profiliertesten Sozialpolitiker der Zweiten Republik“.

ÖVP-Chef Sebastian Kurz zeigte sich tief betroffen vom überraschenden Tod Hundstorfers. Er habe ihn als "engagierten Politiker kennengelernt, der in seiner Zeit als Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz große Verdienste in der Sozialpolitik erworben hat. Er hat die österreichische Politik viele Jahre mitgeprägt und sich dabei auch über die Parteigrenzen hinaus Respekt und Anerkennung verschafft."

Als "offen für den konstruktiven Dialog, auch wenn die Zugänge manchmal unterschiedliche waren“ bezeichnete ÖVP-Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka den verstorbenen SPÖ-Politiker. "Ich durfte ihn als einen wahrhaften Arbeitnehmervertreter kennenlernen, der im besten Sinne zutiefst von einem sozialpartnerschaftlichen Umgang geprägt war.“ Mit Hundstorfer habe man einen engagierten Sozialpolitiker, der für seine Sachlichkeit und ergebnisorientierte Arbeit geschätzt wurde, verloren, so ÖVP-Klubchef August Wöginger.

Für Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl war Hundstorfer "ein Gewerkschafter und Politiker mit Herz“, der stets mit großer Leidenschaft für die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gearbeitet habe. Als einstiger ÖGB-Präsident und Sozialminister werde er "überall Spuren hinterlassen, die von seiner Hingabe für eine gerechte Arbeitswelt zeugen“.

Als damaliger Sozialminister habe Hundstorfer einen großen Anteil daran, dass Österreich die große Krise von 2008/09 ohne massenhafte Kündigungen überwinden konnte, sagte der damalige Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl zur APA. Dafür sei er ihm auch heute noch "unendlich dankbar“. Hundstorfer habe einen wesentlichen Anteil daran, dass Österreich heute besser dastehe als andere Länder.

Betroffenheit herrschte bei allen Parteien. "Wir haben Rudolf Hundstorfer bei allen politischen Gegensätzen menschlich und fachlich sehr geschätzt“, meinten FPÖ-Obmann Norbert Hofer und der geschäftsführende FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl. "Rudi war ein Sozialdemokrat der alten Schule“, würdigte die Jetzt-Abgeordnete und frühere Parteikollegin Daniela Holzinger den Verstorbenen. Auch Neos und Grüne reagierten betroffen.

Khol: Hundstorfer vor Kurzem noch "in der Blüte seiner Jahre"

Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer (ÖVP) hebt "hohe sachliche Kompetenz und menschliche Verlässlichkeit" Hundstorfers hervor. Er habe die österreichische Politik und Sozialpartnerschaft nachhaltig geprägt. Seine Konsensorientierung habe "viele sozialpartnerschaftliche Erfolge im Sinne des Standortes Österreich ermöglicht.“

Auch Seniorenbund-Chef Andreas Khol (ÖVP) zeigte sich bestürzt über den plötzlichen Tod Hundstorfers. "Ich habe ihn noch vor wenigen Wochen als Mann in der Blüte seiner Jahre getroffen, voll Schaffenskraft und Begeisterung für die ihm übertragenen wichtigen Aufgaben", sagte Khol. "Wir alle verlieren mit ihm einen großen Gewerkschaftspräsidenten, einen gemeinwohlbewussten Sozialpartner, einen großen Sozialpolitiker, der als Sozialminister das Land prägte, und als fairen Mitbewerber um das Amt des Bundespräsidenten."

Hundstorfer war bis zuletzt als Funktionär aktiv. Erst am Dienstag vergangener Woche absolvierte er seinen letzten öffentlichen Auftritt: In seiner Funktion als Präsident der Volkshilfe Wien eröffnete er eine neue Sozialeinrichtung für obdach- und wohnungslose Menschen in Wien-Donaustadt.

Ebenfalls bis zu seinem Tod tätig war der in dritter Ehe verheiratete Vater einer Tochter als Präsident der Österreichischen Bundes-Sportorganisation (BSO).

Die Bestattung Wien hat für Rudolf Hundstorfer ein digitales Kondolenzbuch online gestellt (hier zu finden). Die Einträge sollen gesammelt und der Familie des Verstorbenen nach Abschluss der Trauerfeierlichkeiten in Buchform übergeben werden. Ein Termin für die Trauerfeierlichkeiten stand indes noch nicht fest.