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Politik Inland
07/25/2021

Telekom: Kronzeuge wieder in der Bredouille

In der Telekom-Affäre wurde Gernot Schieszler Österreichs erster Kronzeuge. 2020 ging er pleite. Der Masseverwalter vermutet Vermögensverschleierung.

von Ida Metzger

In den Gerichtssälen ist er Dauergast – und das seit 2013. Allerdings nicht auf der Anklagebank, sondern als Zeuge der Anklage. Der Ex-Telekom-Manager Gernot Schieszler hat in der österreichischen Justizgeschichte einen Sonderstatus: Er wurde Österreichs erster Kronzeuge. Diese Premiere war die Chance seines Lebens, die er, so viel sei verraten, nicht nutzte.

Denn der Kronzeuge der Telekom-Affäre steckt wieder tief im Schlamassel: Nach einer Privatpleite lässt der Bericht des Masseverwalters den Verdacht der Vermögensverschleierung zu (der Bericht liegt dem KURIER vor).

Die Telekom Austria, an die Schieszler insgesamt 770.000 Euro Wiedergutmachung leisten muss, prüft laut den Telekom-Anwälten Norbert Wess und Bernhard Kispert nun ernsthaft, eine Anzeige wegen betrügerischer Krida gegen Schieszler einzubringen.

Abgetaucht in Dubai

Spulen wir einige Jahre zurück: Als 2011 die Telekom-Affäre auffliegt, kommt Telekom-Vorstand Schieszler schnell ins Visier der Justiz. Über den Schreibtisch des Karrieristen lief ein Großteil der verdeckten Zahlungen an Parteien (etwa 600.000 Euro an die FPÖ) und Entscheidungsträger. Schieszler wirkte auch an der Kursmanipulation der Telekom-Aktie mit, wodurch die Manager eine Prämie von 8,8 Millionen Euro kassieren konnten.

Dann kam die Überraschung: Statt einer Anklage tischte ihm die Staatsanwaltschaft eine attraktive Exit-Strategie aus dem Korruptionssumpf auf: Wenn er gegen Lobbyist Peter Hochegger, Ex-Telekom Vorstandsdirektor Rudolf Fischer und andere wie Ex-FPÖ-Politiker Gernot Rumpold auspackt, winkt als Belohnung der Kronzeugenstatus. Eine im Jahr 2011 geschaffene „große Kronzeugenregelung“ machte das möglich.

Am 4. Juli 2013 wurde der Kronzeugen-Deal offiziell. Bis heute laufen die diversen Telekom-Prozesse. Erst im Dezember gab es wieder ein Urteil (in Kombination mit dem Grasser-Prozess). Fischer und Hochegger wurden abermals verurteilt.

Fischer lebt mittlerweile in Thailand, hat dort Ehefrau und Kind und kommt nur nach Österreich, um die Prozesse abzuwickeln oder die diversen Haftstrafen, die allesamt auf Fußfessel-Maß reduziert wurden, abzubüßen. Hochegger musste ins Gefängnis.

Schieszlers Buße fiel milde aus: Statt Haft musste er 121 Stunden Sozialdienst abdienen und 300.000 Euro Bußgeld zahlen. Danach versuchte er sich ein neues Leben aufzubauen. Neue Karriere bei einem namhaften Unternehmen in Graz; eine neue Partnerschaft – er wurde zum vierten Mal Vater.

900.000 Euro Schulden

Das Glück währte nicht lange: Im Herbst 2020 meldete er Konkurs an. Rasch verabschiedete sich Schieszler Richtung Dubai – auch für den Masseverwalter ist er im Wüstenstaat nur schwer erreichbar.

Ein Schuldenberg von insgesamt 900.000 Euro soll sich angehäuft haben. Verantwortlich dafür soll der Vergleich mit der Telekom sein. 770.000 Euro Wiedergutmachung lautete die außergerichtliche Einigung zwischen Schieszler und Telekom. 216.700 Euro hat der Ex-Telekom-Vorstand gezahlt.

Gegenüber dem KURIER sagte er, nachdem der Vergleich abgeschlossen wurde: „Ich werde in den nächsten Jahren viel Geld verdienen müssen.“ Das schaffte er offenbar nicht.

Ungereimtheiten

Der Bericht des Masseverwalters an das Handelsgericht vom 10. Mai 2021 nährt nun einen anderen Verdacht: Die vielen Ungereimtheiten lassen den Schluss zu, dass Schieszler mehr Vermögen hat als vermutet. So klagt der Insolvenzverwalter gleich zu Beginn des Berichts, dass sich der „Schuldner in den letzten Monaten großteils in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufhielt und daher nur eingeschränkt erreichbar ist. Trotz mehrmaliger Urgenz wurden wesentliche Informationen und Unterlagen vom Schuldner nicht bereitgestellt.“

Unentgeltliche Jobs In Dubai geht Schieszler angeblich keiner Vollzeitbeschäftigung nach. In Österreich soll er Geschäftsführer von zwei Gesellschaften sein und behauptet, beide Jobs „unentgeltlich“ zu erledigen. Ein unverständlicher Zustand für den Insolvenzverwalter, wie er im Bericht schreibt. Aus seiner Sicht steht Schieszler „ein angemessenes Geschäftsführergehalt zu“.

Das Bankschließfach Und dann entdeckte der Insolvenzverwalter ein Bankschließfach bei der Steiermärkischen Sparkasse. Im Bericht heißt es: „In der Erstbesprechung gab der Schuldner dazu an, dass sich im Bankschließfach lediglich einige wenige Silbermünzen befinden.“ Diese Angabe stellt sich schnell als falsch heraus. „Es besteht der konkrete Verdacht, dass der Schuldner kurz nach der Insolvenzeröffnung […] das Bankschließfach geöffnet und Vermögenswerte entnommen hat“, befindet der Insolvenzexperte.

Das gibt Schieszler dann auch zu. Es handelt sich um Goldbarren im Wert von knapp 10.000 Euro. Schieszler übergibt dem Masseverwalter den Gegenwert in bar. Den Betrag habe er von dritter Stelle erhalten, gibt er an.

Dass die Goldbarren tatsächlich alles an Vermögen im Safe waren, will der Masseverwalter so nicht glauben. Er hält im Bericht fest, dass er davon „ausgeht, dass der Schuldner vor der gemeinsamen Öffnung noch weitere Vermögenswerte aus dem Schließfach entnommen hat“. Schieszler bestreitet das.

284.000 Euro überwiesen

Ebenfalls mehr als undurchsichtig soll der Abtretungsvertrag des 100-prozentigen Geschäftsanteils der Concipio-Management GesmbH sein. 36.000 Euro will Schieszlers Ehefrau an ihren Ehemann für die angeblich „verlustbringende“ Gesellschaft gezahlt haben.

Auch bei diesem Deal meldet der Masseverwalter konkrete Zweifel an, denn kurz vor der Übergabe soll Schieszler noch aus seinem Privatvermögen 284.384 Euro an die Gesellschaft überwiesen haben. „Die Abtretung der Geschäftsanteile des Schuldners an seine Ehegattin ist anfechtbar“, heißt es im Bericht.

Der Telekom schuldet Schieszler noch eine halbe Million Euro. Sie bringt nun ihre Anwälte Norbert Wess und Bernhard Kispert in Stellung. So viel ist fix: Es wird wieder ungemütlich für Schieszler. Es gilt die Unschuldsvermutung. Trotz mehrfacher Anfrage durch den KURIER waren weder Schieszler noch sein Anwalt zu einer Stellungnahme bereit.

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