Enttäuschende Zahlen: Teilpension könnte Loch ins Budget reißen

Mit der Teilpension will die Regierung hunderte Millionen sparen – und bräuchte dafür 10.000 Neuzugänge pro Jahr. Im März dürfte es aber nur 46 Bezieher gegeben haben.
Enttäuschende Zahlen: Teilpension könnte Loch ins Budget reißen

Die Pensionsreform der Bundesregierung soll Milliarden einsparen. Entpuppt sich ein Teil davon, die sogenannte „Teilpension“, bereits jetzt als Problem? Erste Zahlen lassen zumindest vermuten, dass sie ein Loch ins Budget reißen könnte.

Worum es geht: Die Teilpension gilt seit Jahresbeginn. Sie soll die Altersteilzeit teilweise ersetzen. Bisher war es möglich, fünf Jahre in Altersteilzeit zu gehen – bis 2029 sinkt die Dauer schrittweise auf drei Jahre. Parallel dazu wird ebenso schrittweise die Teilpension eingeführt. Künftig gilt: Ab jenem Zeitpunkt, ab dem man auch in Frühpension gehen könnte, ist nur noch eine Teilpension möglich – und davor maximal drei Jahre lang Altersteilzeit.

In erster Linie ist die Teilpension natürlich eine Sparmaßnahme. Wer in die attraktivere Altersteilzeit geht, behält – im Gegensatz zur Teilpension – während dieser Zeit nämlich den vollen Pensionsanspruch. Getragen wird das System vom AMS, bei stark steigenden Kosten. 2025 betrugen die AMS-Aufwendungen für die Altersteilzeit 687,3 Millionen Euro – 2024 waren es 592 Millionen.

Altersteilzeit beliebt, Teilpension nicht

Ende Dezember 2025 habe es 41.655 Bezieher von Altersteilzeitgeld gegeben, sagt Ökonomin Carmen Treml vom wirtschaftsliberalen Thinktank Agenda Austria. Von November auf Dezember stieg die Bezieherzahl noch einmal stark, um sechs Prozent: „Da wollten viele wahrscheinlich noch den maximalen Zeitraum von fünf Jahren in Anspruch nehmen“, meint Treml. Einen vergleichbaren Effekt gab es bereits kurz vor 2013, als unter anderem die Altersteilzeit von sieben auf fünf Jahre gekürzt wurde.

Die Altersteilzeit erfreut sich also größter Beliebtheit. Wie sieht es bei der Teilpension aus? Im März 2026, so Treml mit Verweis auf die Pensionsversicherung (PV), habe es lediglich 46 Bezieher gegeben. Das Sozialministerium dementiert die Zahlen nicht.

Für Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) ist das keine gute Nachricht, denn die Regierung geht von rund 10.000 (!) Teilpensionisten pro Jahr aus. Die Teilpension sollte heuer bereits 178 Millionen Euro und 2027 370 Millionen an Einsparungen bringen. „Dieses Geld wird wahrscheinlich fehlen“, sagt Agenda-Austria-Ökonom Dénes Kucsera.

Dass sich die Zahl der Bezieher vorerst stark in Grenzen hält, hatte auch Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) erkannt – und startete Anfang dieses Jahres eine Werbekampagne.

Aus dem Ministerium heißt es, die Zahlen seien bereits im Steigen begriffen, aber man müsse das Modell weiterhin bewerben. Prinzipiell sei die Teilpension eine gute Sache, um die Menschen länger in Beschäftigung zu halten.

„Funktioniert nicht“

„Selbst wenn man davon ausgeht, dass sich die Zahl jetzt noch enorm steigert, weil die Teilpension bekannter wird: Von 10.000 werden wir sehr, sehr weit weg sein“, entgegnet Treml. Und: „Die Altersteilzeit gibt es schon sehr lange, sie ist ein etabliertes System und viel attraktiver. Die Teilpension, so wie sie jetzt eingeführt worden ist, funktioniert nicht.“ Den Wert von 10.000 Personen hatten Kucsera und weitere Experten bereits im Vorfeld bezweifelt. Warum?

Ein Blick auf die Zahlen zeigt: 2025 waren lediglich 8,5 Prozent der Altersteilzeitbezieher – das entspricht rund 3.300 von durchschnittlich 38.708 Personen – 63 Jahre oder älter. „Das wären die potenziellen Beansprucher der Teilpension gewesen. Insgesamt sind die Auswirkungen der Reform minimal und auch budgetär kaum spürbar“, schlussfolgert Kucsera.

Die Regierung müsse die Parallelgleisigkeit der beiden Modelle ernsthaft hinterfragen, meint Treml: „Es spricht ja nichts dagegen, wenn das nachbearbeitet und die Altersteilzeit mehr oder weniger abgeschafft wird. Beides gleichzeitig kann nicht funktionieren.“

Wer in Altersteilzeit geht

Die Altersteilzeit wird übrigens nicht in allen Branchen gleich stark in Anspruch genommen. Die meisten Bezieher gab es im Vorjahr in der Warenherstellung, wo 19,8 Prozent der unselbstständig Beschäftigten zwischen 55 und 64 Jahren Altersteilzeitgeld bezogen. In der Öffentlichen Verwaltung sowie Sozialversicherung waren es 19,4, im Handel 16,1 Prozent. Kaum in Anspruch genommen wird Altersteilzeit – wie die Teilpension muss sie mit dem Arbeitgeber vereinbart werden – am Bau oder in der Gastro.

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