Team Stronach erhöht Druck, doch Lindner betoniert

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Foto: GNEDT/KURIER /martin gnedt Blick auf den Gehaltszettel? „Ich brauch das Geld nicht“, dementiert Monika Lindner finanzielle Interessen.

Stronachs Anwalt droht mit Anzeige. Lindner will trotzdem bleiben – und baut an einer Villa in Wien.


Österreichs wildeste Abgeordnete sorgt weiter für Aufregung: Am Donnerstag erhöhte das Team Stronach den Druck auf Monika Lindner, ihr Ticket für den Nationalrat doch nicht einzulösen und Platz zu machen für die Stronach-Kandidatin Ulla Weigerstorfer. Doch Lindner denkt offenbar nicht daran – und verneint im KURIER-Gespräch finanzielle Interessen: „Ich brauche das Geld nicht“, sagt die Neo-Abgeordnete. Sie werde die 8306 Euro Abgeordnetenbezug verwenden, „um Mitarbeiter und Berater zu finanzieren.“ Nachsatz: „Wenn es sein muss, werde ich sogar zusätzliches privates Geld in die Hand nehmen.“

Stronach-Klubobfrau Kathrin Nachbaur hofft indes noch auf einen Rückzug von Lindner. In einer Aussendung erklärte sie: „Ihr Vorgehen finde ich zutiefst unfair und es ist eigentlich ziemlich schade, dass sie ihre Reputation dermaßen beschädigt.“ Lindner solle die Annahme des Mandats nochmals überdenken.

"Bis Anfang kommender Woche entscheiden wir, ob Strafanzeige erhoben wird"

Parallel zum freundlichen Rat ließ Nachbaur aber auch Stronach-Anwalt Michael Krüger ausrücken. Er prüft eine Strafanzeige gegen Lindner wegen Wählertäuschung. „Bis Anfang kommender Woche entscheiden wir, ob Strafanzeige erhoben wird“, sagt Krüger zum KURIER. Rechtsexperten halten das für aussichtslos: Das freie Mandat sei in der Verfassung abgesichert, meint etwa Parlaments-Experte Werner Zögernitz. Doch Krüger betont, dass Lindner im August der APA angekündigt habe, auf das Mandat zu verzichten. Mit 109 Vorzugsstimmen wäre die Zahl der darüber enttäuschten Wähler tatsächlich überschaubar.

Häuslbauer

Mit Abgeordnetenbezug, ORF- und ASVG-Pension könnte Lindner künftig rund 18.000 Euro monatlich kassieren. Als Häuslbauerin könnte sie das Geld auch gut brauchen. Laut KURIER-Recherche lassen Lindner und ihr Lebensgefährte in einer beschaulichen Ecke des 14. Wiener Gemeindebezirks, wenige hundert Meter vom Rand des Wienerwalds entfernt, aktuell ein modernes Wohnhaus betonieren. Ruhige Hanglage, Blick über den Wienerwald, Sackgasse – für Immobilienexperten ist diese Lage Gold wert.

Das knapp 500 Quadratmeter große Grundstück erwarb Lindner gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten 2010 um rund 200.000 Euro. Nun lässt sich Lindner dort ein Haus mit drei Stockwerken bauen. So kann sie sie auf dem kleinen Grundstück viel Wohnfläche unterbringen – kein Nachteil bei einem dort üblichen Immopreis von 3000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.

„Das Projekt ist vollkommen ausfinanziert“, sieht Lindner keinen Zusammenhang zwischen Geldbedarf und Parlamentseinzug. Kredit habe sie keinen: „Und wir haben schon vor vier Jahren begonnen, das Projekt zu planen.“

Monika Lindner, die "wilde" Ex-Generalin

Bereits vor sieben Jahren gingen die Wogen wegen Monika Lindner hoch: Damals war es Armin Wolf, der eine öffentliche Diskussion über die damalige ORF-Chefin in Gang brachte. Jetzt ist es Frank Stronach, mit dem sie sich angelegt hat. Eine Rückschau auf Lindners Karriere. Seinen Anfang genommen hat Lindners Werdegang in jenem Unternehmen, an dessen Spitze sie später stand: Die 1944 im oberschlesischen Gliwice geborene Lindner begann 1974 beim ORF zu arbeiten. Anfangs war die studierte Theaterwissenschaftlerin dort für Politik und Zeitgeschehen zuständig; fünf Jahre später stieg sie zur Leiterin der Pressestelle auf.
  „Molly“ sei ihr Spitzname damals gewesen, berichten Wegbegleiter aus der Branche. Als Pressedame sorgte sie für eine gute Optik des ORF; ab 1991 setzte sie diesen Anspruch inhaltlich bei der Sendung „WIR“ um. Später erdachte sie das Konzept für die Reihe „Willkommen Österreich“: Die neue Vorabend-Sendung trug ihr 1995 die Goldene Romy für die beste Programmidee ein. Auch beruflicher Aufstieg war die Konsequenz aus den Lorbeeren – 1998 wurde sie zur Direktorin des ORF-Landesstudios Niederösterreich bestellt. Nur vier Jahre später kehrte sie zurück auf den Küniglberg – und zog dort ins Chefbüro ein: Während der schwarz-blauen-Regierungsperiode lenkte sie die Geschicke des Staatsfunks. Bis 2006 war dies der Fall. Bis zu jenem Zeitpunkt, als die Kritik an ihrer zu regierungsfreundlichen Linie zu laut wurde: Ihr und Informations-Chef Werner Mück wurde attestiert, der verlängerte Arm des Kanzleramts zu sein. Anfangs nur hinter vorgehaltener Hand, später auch ganz öffentlich: Bei der Verleihung des Robert-Hochner-Preises an ORF-Anchorman Armin Wolf verlas ebendieser eine Rede, in der er dies lautstark anprangerte. Bekanntestes Zitat: „Noch nie in der Geschichte der Zweiten Republik wurde der medienpolitische Machtanspruch so ungeniert artikuliert wie unter der 'Wenderegierung‘.“ Lindner glänzte bei der Preisverleihung durch Abwesenheit – drei Tage zuvor war sie allerdings noch bei einer VP-Parteiveranstaltung zugegegen gewesen. Eine schiefe Optik, die Lindner nicht kommentierte. Sie warf Wolf lediglich „öffentliche Selbstinszenierung“ vor.

Foto: Lindner und Schüssel bei einer Veranstaltung im Jahr 2005. Damit war die Debatte auf die Spitze getrieben – und Lindners Chefsessel dahin: Sie verlor im August 2006 die Generaldirektorenwahl gegen den bisherigen kaufmännischen Direktor des ORF, Alexander Wrabetz.

Foto: Wrabetz und Lindner bei einer Dancing-Stars-Gala. Lindners Karriere beim ORF war damit zu Ende. Sie  wechselte in den Bankensektor und werkte fortan als Medienberaterin beim Raiffeisen-Konzern; auch die Geschäftsführung der zu Raiffeisen gehörigen Werbefirma Epamedia hatte sie bis Ende 2012 inne. Der Eigentümerwechsel der Epamedia hatte auch bei Lindner ein karrieretechnisches Umdenken zur Folge. Die Ex-ORF-Generalin entschied sich kurzerhand für den Einstieg in die Politik: Frank Stronachs neues Parteiprojekt sollte es sein, das sie unterstützen wolle, sagte die heute 69-Jährige im Frühjahr 2013. Lang hielt dieser Vorsatz nicht. Bis zu jenem Zeitpunkt nämlich, als der – damalige – Team-Stronach-Klubchef Robert Lugar sie als  „Speerspitze gegen den ORF, Raiffeisen und das System Pröll“ bezeichnete. Eine Zuschreibung, die Lindner so gar nicht behagte. Sie zog ihre Kandidatur für die Stronach-Jünger zurück – allein, zu diesem Zeitpunkt war es aber bereits zu spät, die Listenreihung zu ändern. Sie kandidierte auf Platz drei, wurde trotz Absage gewählt und zog so in den Nationalrat ein. Die Aussage, dass sie auf ihr Mandat verzichten wollte, relativierte Lindner nach der Wahl. Sie wolle als „wilde“ Abgeordnete im Nationalrat vertreten sein. Wieso? „Das hat ausschließlich mit meinem ursprünglichen Entschluss zu tun, mich politisch zu engagieren", sagte sie darauf. Dass es die Gage sei, die sie dazu animiert hätte, schloss sie freilich aus. Ebenso wie eine Annäherung an die ÖVP: „Es ist Unsinn, anzunehmen, dass ich mein Mandat einfach nehme und zu einer anderen Partei gehe. Das schließe ich aus." Am 27. November schließlich nahm die "wilde Abgeordnete" den Hut. Sie ortete eine Kampagne gegen sich und gab bekannt, dass sie sich nunmehr "humanitären Anliegen" widmen wolle.
(KURIER) Erstellt am
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