Beim Sommergespräch punktete Nachbaur mit sachlichem Stil

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Analyse

Team Stronach: Eine Partei verwaltet ihr Wahlergebnis

Das Team Stronach hat keine Themen mehr. Daran ändert auch die Wahl in der Steiermark nichts.

von Christian Böhmer

08/18/2014, 10:43 PM

Wie ticken sie, die Sympathisanten des Team Stronach? Haben sie dem Parteigründer seine bisweilen bizarren TV-Auftritte verziehen? Und was halten Sie von Klubobfrau Kathrin Nachbaur?

Wann immer dem Wahlforscher Peter Filzmaier Fragen wie diese gestellt werden, muss er etwas für ihn eher Seltsames tun: mit einem Achselzucken antworten: "Wir wissen es nicht."

Kaum ein Jahr nach der Nationalratswahl sind die Wähler des Team Stronach verschwunden, nicht wahrnehmbar – zumindest nicht für jene, die sich professionell mit der Materie befassen.

Kaum Parteifans

"Die Stronach-Fans kommen in herkömmlichen Umfragen nicht mehr vor. Dafür sind die Stichproben zu klein", sagt Filzmaier. 1000, wenn nicht sogar 10.000 Menschen müsse man befragen, um einzelne Stronach-Wähler auszumachen. "Aber derart große Erhebungen werden kaum gemacht."

Damit ist viel erzählt darüber, wie die nunmehr von Klubobfrau Kathrin Nachbaur geführte Partei dasteht. Nachbaur trat am Montag Abend beim ORF-Sommergespräch auf. Und wie schon im Wahlkampf, musste sie dabei vor allem versuchen, fragwürdige Aussagen von Parteigründer Stronach ins rechte Licht zu rücken. ORF-Analytiker Peter Filzmaier bewertet ihren Auftritt dennoch positiv – sie sei durch ihren sachlichen Stil aufgefallen.

Die Zukunft aber sieht trist aus: Schaffte man 2013 bei Regionalwahlen noch bis zu 11,2 Prozent (Kärnten), sieht die Situation bundesweit ganz anders aus. "Das Team Stronach verwaltet nur noch das Ergebnis der Nationalratswahl", sagt Wahlkampf-Experte Thomas Hofer. Die Marke sei beschädigt, die Partei de facto unwählbar.

Verantwortlich dafür ist nicht nur der verpatzte Nationalratswahlkampf, der als "Musterbeispiel für die Selbstzerstörung einer Bewegung" (Hofer) gelten darf.

Weit schwerer wiegt aus Experten-Sicht, dass das Team Stronach heute kein Thema findet, das es für sich alleine beanspruchen kann. "Egal, ob der schlanke Staat oder die Steuerreform: Vor allem bei Wirtschaftsthemen haben die Neos dem Team Stronach viel Wasser abgegraben", sagt Hofer.

Letzte Hoffnung

Als Hoffnungsgebiet haben Stronachs Parteigänger nun die Steiermark benannt. 2015 will man bei der Landtagswahl antreten. "Wenn es eine Chance gäbe, irgendwo erfolgreich zu sein, dann in der Steiermark", sagt Hofer.

Immerhin habe Stronach hier seine Wurzeln, viel investiert, Jobs geschaffen. "Es besteht die Möglichkeit, die eine oder andere ,Dankbarkeitsstimme‘ abzuholen."

Damit, dass es Stronach und Anhänger in der grünen Mark schaffen, rechnet Wahlforscher Filzmaier nicht: "In der Steiermark gilt zwar keine Mindesthürde, aber eine Partei muss zumindest in einem der vier Wahlkreise ein Direktmandat schaffen – und damit acht bis zehn Prozent." Am ehesten könne das wohl in Graz und Umgebung gelingen. "Doch eben hier werden neben SPÖ, ÖVP und FPÖ auch Grüne, Neos und sogar die KPÖ punkten. Ich sehe keine zehn Prozent für Stronach."

Warum tritt man dann an? "Das Team Stronach hat schon bei der EU-Wahl und in Vorarlberg auf ein Antreten verzichtet", sagt Filzmaier. "Wenn man sich als Partei keiner einzigen Wahl stellt, erklärt man sich selbst für tot."

Sommergespräch: Nachbaur im Zitat

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