Politik | Inland
17.08.2017

Tal Silberstein: Der Mann fürs Grobe

Tal Silberstein fliegt von einer Beratung zur nächsten.

Tal Silberstein gehört zu jener Generation Berater, die nicht nur im Schatten stehen, sondern ihre Schatten auf die Politiker werfen. Ihre Auftraggeber wechseln sie wie Unterhosen. Farbe unwichtig. Allenfalls gibt es noch Diskretion. Solang das Auftragsverhältnis besteht. Endet dies, werden sensible Kenntnisse über den alten Zahlmeister in den Dienst des neuen gestellt. Von Vertrauen keine Spur. Für Negativkampagnen eignet sich diese Grundhaltung gut.

Tal Silberstein hat ein abgeschlossenes Ingenieur-Studium, war aber nie im Beruf. Noch als Student war er Mitbegründer von "Friedensgeneration", einer Jugendorganisation der Sozialdemokraten, die sich die Verwirklichung der Oslo-Abkommen von 1994 zum Ziel gesetzt hatte. Schon 1999 gehörte Tal Silberstein zum Wahlkampf-Stab Ehud Baraks, bald als Stabschef. Barak wurde Premier gegen Benjamin Netanjahu.

Die "Friedensgeneration" kam bald in die Schlagzeilen: Mit ihrer Hilfe sollen illegale Spenden für die Sozialdemokraten gesammelt worden sein. Die Polizei ermittelte, die Staatsanwaltschaft legte den Fall zu den Akten. Zu wenig Beweise. Silberstein gründete seine GCS-Beraterfirma zusammen mit den bekannten amerikanischen Beratern Greenberg, Carville und Shrum. In Israel führte Silberstein die Geschäfte. Kein Premier der letzten Jahrzehnte, den Silberstein nicht beraten hätte. Auf Barak folgten Scharon und Olmert, der ihn auch zu seinem strategischen Berater machte. "Er ist mein kluger Freund", so Olmert über Silberstein.

Wechselnde Loyalitäten

Bis auch Olmert im Mittelpunkt polizeilicher Ermittlungen stand. Silberstein scheute sich nicht, die neue Loyalität zu Olmert durch den Bruch mit Ex-Chef Barak zu verstärken: "Barak sollte der Letzte sein, der über Briefumschläge mit Geldscheinen den Mund aufreißt." Auf Olmert folgte Netanjahu. Auch der machte Silberstein zum strategischen Berater über den Wahlkampf 2009 hinaus.

Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Silberstein nur noch für die ganz hohe Politik in Israel. Sein Geld verdiente er da schon vor allem mit der Beratung von Wirtschaftskonzernen. In Israel führte er Image-Kampagnen für Firmen, die es nötig hatten. Er vertrat die Handy-Telefongesellschaften, die damals große Schwierigkeiten hatten, ihre Antennen-Masten aufzustellen. Wie in seinen Wahlkämpfen zog Silberstein es auch hier vor, negativ zu agieren. Er drohte, die Stadt Herzlia vom Netz auszuschließen.

Silberstein ist der Mann fürs Grobe, wenn die Felle den Bach runtergehen. Im Ausland beriet er u. a. Boliviens Präsidenten Gonzalo Sanchez de Lovado und Julia Timoschenko in der Ukraine. Und Großfirmen, bei denen er das große Geld zu machen hoffte.

Und er baut schon vor für weitere Beratungen: Einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge von Israels Premier Netanjahu, Gideon Saar, heiratete 2013 die TV-Moderatorin Geula Even. Israels "Hochzeit des Jahres" fand in Tal Silbersteins Villa statt.