Schwere Vorwürfe gegen Studienautor Aslan

TREFFEN ZU ISLAMISCHEN KINDERGÄRTEN: KURZ / ASLAN
Foto: AUSSENMINISTERIUM/DRAGAN TATIC Außenminister Sebastian Kurz und Studienautor Ednan Aslan.

Ein ehemaliger Mitarbeiter wirft dem Autor der umstrittenen Studie zu den Wiener Islam-Kindergärten unwissenschaftliches Arbeiten vor.

Der Falter schreibt in seiner morgigen Ausgabe, dass die vom Außenministerium in Auftrag gegebene Studie über islamische Kindergärten von Professor Ednan Aslan nachträglich von Mitarbeitern des Ministeriums "zugespitzt" wurde (mehr dazu hier). Die Studie wurde schon bei ihrem Erscheinen von einer Reihe von Wissenschaftlern kritisiert, da viele wissenschaftliche Standards nicht eingehalten worden sind. Der Politik- und Islamwissenschaftler Rami Ali, der heute unter anderen auch das Dialogforum www.politikos.at betreibt, arbeitete für mehrere Monate bei Aslan am Institut. Im Zuge der Falter-Enthüllungen erhebt er auf Facebook schwere Vorwürfe gegen Aslan, die er auch im KURIER-Interview bestätigt.

KURIER: Wann haben Sie mit Professor Aslan am Institut für Islamische Studien an der Uni Wien zusammengearbeitet?

Ali Rami: Ich war 2015 ein paar Monate dort beschäftigt, der Vertrag sollte bis Ende des Jahres gehen, ich habe aber vorzeitig gekündigt.

Was war dort Ihre Aufgabe?

Ich war Projektmitarbeiter, ich habe Politik- und Islamwissenschaften studiert. An der Studie über die Kindergärten war ich nicht beteiligt, ich war bei einer Studie involviert, in der es darum ging, die Lebenswelten von Muslimen abzubilden.

In einem Facebook-Posting (siehe hier) schreiben Sie sinngemäß, dass Aslan nicht wirklich seriös wissenschaftlich arbeitet. So lässt sich das zumindest interpretieren.

Innerhalb der muslimischen Gemeinschaft gab es schon immer Kritik an Aslan, ich wollte mich aber davon nicht beeinflussen lassen und habe diese Stelle angenommen, damit mehr Muslime dort arbeiten und mit ihrer eigenen Stimme sprechen. Ich wollte das aber nur machen, solange ich wirklich frei und unabhängig arbeiten konnte.

Ali Rami Foto: Privat

Rami Ali ist Politikwissenschaftler, Trainer und Vortragender. Er ist in der Jugend- und Erwachsenenfortbildung tätig und lehrt zu den Themen Islam, Integration, Radikalisierung und interkulturelle Kompetenz.

Und das konnten Sie nicht.

Am Anfang war es so, dass Aslan durchaus kritikfähig war, er hat auf Konter von mir reagiert, aber mit der Zeit ist er immer autoritärer geworden, und ich habe dann gemerkt, dass er ganz spezifische Vorstellungen von Muslimen hat, die er dann versucht zu bestätigen, um das dann der breiten Öffentlichkeit zu kommunizieren.

Sie werfen ihm also unseriöses wissenschaftliches Arbeiten vor?

Eigentlich ja, aber da bin ich nicht der Einzige. Die Kindergartenstudie wurde ja auch von anderen renommierten Wissenschaftlern auseinandergenommen, vor allem methodisch. Aslan hat auf diese Kritik reagiert und gemeint, dass das ja nur eine Vorstudie sei.

Die Studie hätte also so nicht erscheinen dürfen?

Es gibt wissenschaftliche Gütekriterien der Unbefangenheit, und er hat den Auftrag bekommen, diese Studie zu machen. Das spricht ja schon alleine gegen die Studie.

Und jetzt soll diese Studie nachträglich umgeschrieben und zugespitzt worden sein. Glauben Sie, dass er davon gewusst hat?

In unseren Teamsitzungen wurde damals der Kindergartenstudie kein großer Raum gegeben, Aslan hat das mehr hinter verschlossenen Türen gemacht, aber ich möchte ihm jetzt nichts unterstellen. Aber im Zuge des anderen Projekts habe ich gemerkt, dass er immer wieder versucht hat, seine Vorstellungen den Mitarbeitern aufzudrücken und krampfhaft zu versuchen in eine gewisse Richtung vorzudringen, auch wenn diese Richtung nicht der Wirklichkeit entspricht.

Das heißt, die Studie entsprach nicht den Vorstellungen, deswegen wurde sie zugespitzt?

Aslan und das Ministerium haben anscheinend eine gewisse Erwartungshaltung an diese Studie gehabt, also dass islamische Kindergärten Brutstätten des Terrorismus sind, und das sollte am Ende herauskommen. Diesen Zugang von Aslan habe ich bei anderen Projekten selbst miterlebt, und deswegen glaube ich, dass das auch mit seinem Wissen geschehen ist.

(KURIER) Erstellt am
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