Kurz: Alles in Studie trägt "Handschrift Aslans"

Kindergarten Kontrolle, islamischer Kindergarten "…
Foto: KURIER/Gerhard Deutsch Symbolbild

Laut Falter redigierten Beamte aus dem Außenministerium die umstrittene Studie über islamische Kindergärten von Professor Aslan. Kurz widerspricht Zensurvorwürfen. Uni Wien prüft.


(*Update: Reaktion von Sebastian Kurz - Universität Wien prüft*)

Im Dezember 2015 sorgte bereits der Vorbericht zur sogenannten "Kindergartenstudie" von Professor Ednan Aslan für ein mittelschweres Erdbeben in Österreichs Innenpolitik. In den geschätzten 150 islamischen Kindergärten in Wien würden zum Teil Parallelgesellschaften herangezüchtet, hieß es damals. Heftige Diskussionen, verschärfte Kontrollen von den in der Studie genannten islamischen Kindergärten und zuletzt die Forderung von ÖVP-Chef Sebastian Kurz solche Kindergärten überhaupt zusperren zu lassen, waren die Folge.

Wie der Falter in seiner heute erscheinenden Ausgabe berichtet, sollen Beamte des Außenministeriums von Sebastian Kurz die umstrittene Islamkindergartenstudie, die schließlich im Februar 2016 präsentiert wurde, aber an entscheidenden Stellen zugespitzt und umgeschrieben haben (der komplette Bericht ist hier abrufbar).

Der Falter sei in Besitz von geleakten internen Word-Dokumenten des Ministeriums, in denen der "Korrekturmodus" zeigt, dass zwei Beamte an sechs Tagen insgesamt mehr als 900 Änderungen eingegeben haben, heißt es in einer Vorab-Meldung der Wiener Wochenzeitung.

Demnach betreffen die Änderungen nicht nur formale "Kleinigkeiten oder Redigaturen', wie das Ministerium ursprünglich versicherte, sondern auch schwere inhaltliche Eingriffe in die 36.000 Euro-Studie.

(islamische) Werte

Ein Beispiel: Muslimische Eltern, so schreibt Aslan in seiner Originalfassung, suchen in den Islamkindergärten für ihre Kinder "Werte wie Respekt, Gelassenheit, Individualität des Kindes, Hygiene, Zufriedenheit der Kinder, Pünktlichkeit, Liebe, Wärme und Geborgenheit, Selbständigkeit und Transparenz der Regeln" .

Ein Beamter von Kurz streicht all diese Worte raus und schreibt stattdessen: „Besonders wichtig ist ihnen (den Eltern, Anm.), dass den Kindern islamische Werte vermittelt werden“. An vielen anderen Stellen sollen Aussagen des Forschers laut Falter einfach in das Gegenteil verkehrt werden.

TREFFEN ZU ISLAMISCHEN KINDERGÄRTEN: KURZ / ASLAN Foto: AUSSENMINISTERIUM/DRAGAN TATIC

Aslan steht zu Studie "bis auf den letzten Punkt"

Aslan selbst konnte sich die Änderungen in einer ersten Reaktion gegenüber dem Falter nicht erklären. Auf Twitter beteuerte er, dass alle Änderungen nur mit seiner Zustimmung und in seinem Auftrag erfolgten. "Ich würde niemandem erlauben, mir für meine Arbeit Anweisungen zu geben", sagte er.

Die Vorwürfe, wonach die Studie vom Ministerium überarbeitet worden sei, stellen für Aslan eine "wissenschaftliche Diffamierung und persönliche Beleidigung" dar. Man habe den Bericht ergänzen müssen, "um weitere Komplikationen zu vermeiden". Was er damit genau meint, sagte Aslan nicht.

Kurz: Alles trägt "die Handschrift Aslans"

Außen- und Integrationsminister Kurz erklärte, dass alles in der Studie "die Handschrift Aslans" trage. Wenn jemand glaube, nun die Problematik schön reden zu können, halte er das für falsch, sagte der ÖVP-Obmann am Dienstag in Innsbruck.

"Es gibt diese Problematik", betonte der Integrationsminister. Kinder würden sprachlich und religiös abgeschottet aufwachsen und dies sei für die Integration äußerst problematisch. "Wir brauchen ein Miteinander und keine Parallelgesellschaft", erklärte Kurz. Diese würde durch islamische Kindergärten aber entstehen.

Ein Sprecher des Außenamts erklärte gegenüber dem Falter, die Änderungen seien deshalb von den Beamten eingegeben worden, weil man mit Aslan und seinen Mitarbeitern im Ministerium gemeinsam ,zu dritt am Computer gesessen' sei und er die Änderungen 'telefonisch durchgegeben' habe. Man habe ihn etwa vor Klagen islamischer Verbände 'schützen' wollen.

Der auch für Integration zuständige Wiener Bildungsstadrat Stadtrat Jürgen Czernohorszky sagte in einer ersten Reaktion gegenüber dem KURIER: "Wenn diese Vorwürfe stimmen, bin ich ehrlich bestürzt." Er wolle zunächst aber noch nähere Details abwarten. Der Falter kündigte am Dienstag an, alle internen Dokumente veröffentlichen zu wollen.

Uni Wien leitet Prüfung ein

Die Universität Wien erklärte heute Dienstag, alle Fakten zu den medial erhobenen Vorwürfen zu sammeln. Auf dieser Grundlage wird eine Prüfung des Sachverhalts erfolgen, um festzustellen, inwieweit bei der Studie die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis eingehalten wurden. Die Ergebnisse dieser Prüfung werden "zeitnah" erwartet, heißt es.

An dem Projektbericht zur "Evaluierung  ausgewählter Studienergebnisse Islamischer Kindergärten und -gruppen in Wien", so der vollständige Titel der Studie von Professor Ednan Alsan, der das Institut für Islamisch-theologische Studien an der Universität Wien leitet, hat es in der Vergangenheit wiederholt Kritik gegeben. So wurde unter anderem das kleine Sample der Untersuchung moniert. Rund drei Viertel der Kindergärten und -gruppen, wurden laut Presse erst nach der Veröffentlichung des Zwischenberichts untersucht - und das zunächst auch anhand von Angaben im Internet. Dazu gab es lediglich Gespräche mit Pädagogen und Leitern von fünf weiteren Einrichtungen. Die finale Studie, die dann im Febraar 2016 präsentiert wurde, basierte schließlich auf der Untersuchung von 127 Kindergärten und -gruppen.

Interview: Schwere Vorwürfe gegen Studienautor Aslan

Eine komplette Liste mit als radikal einzustufenden Kindergärten gab es aber auch in der Vollversion der Studie nicht. Dazu beschäftigte sich ein Großteil der Studie nicht mit den islamischen Kindergärten selbst, sondern mit ihren Trägervereinen und den Organisationen, die hinter den Kindergärten stehen. Wie der Alltag in den Kindergärten tatsächlich aussieht, spielt also eine untergeordnete Rolle.

Neue Ergebnisse für Herbst angekündigt

Aslan selbst hat sich in der Vergangenheit übrigens wiederholt gegen eine Schließung von islamischen Kindergärten ausgesprochen. "Es nur den Trägervereinen anzuhängen ist nicht fair", meinte der Religionspädagoge 2016. "Dann müsste man die MA 10 und MA11 (zuständig für Förderungen und Kontrolle, Anm.) auch schließen." Man müsse zuerst verstehen, wie es dazu gekommen sei. Zuletzt meinte Aslan, er fühle sich von Kurz teilweise sogar bestätigt, wenn dieser mehr Qualitätsstandards für Kindergärten fordere. "Er weiß aber auch, dass eine pauschale Schließung der Kindergärten nicht empfehlenswert ist."

Aktuell arbeitet Aslan gemeinsam mit einem Forscherteam an der nächsten Kindergarten-Studie, die im Anschluss an die Diskussion um die Vor-Studie vergangenes Jahr gemeinsam von der Stadt Wien und dem Integrationsministerium in Auftrag gegeben wurde. Darin soll mit einer Mischung aus quantitativen und qualitativen Methoden (insgesamt wurden Fragebögen an alle rund 1.500 Kinderbetreuungsplätze Wiens ausgesandt) untersucht werden, welche Normen und Werte in der täglichen Praxis vermittelt werden. Auch die verwendeten Sprachen, den religiösen Hintergrund oder die Annahme von Sprachförderangeboten will sich das Forscherteam unter der Leitung von Professor Henning Schluß von der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaften an der Universität Wien genauer ansehen. "Mit den Ergebnissen ist im Herbst zu rechnen", meinte dieser am Dienstag auf Anfrage des KURIER. Dann soll auch eine Liste mit allen islamischen Kindergärten oder -gruppen und deren Betreibern sowie Trägervereinen vorliegen.

Auf ein genaues Datum möchte sich Schluß jedoch nicht festlegen. "Wir müssen dafür Sorge tragen, dass die Ergebnisse wissenschaftlichen Standards entsprechen." Nach den Wahlen am 15. Oktober werde man sich dabei jedenfalls nicht richten. Nur so viel: "Aktuell sind wir in der Auswertungsphase. Wir liegen damit gut im Zeitplan." Zur Vorstudie von Professor Aslam wollte sich Schluß am Dienstag nicht äußern. "Wir alle haben miteinander vereinbart, dass wir für die Studie selbst verantwortlich sind. Wie das vorher gewesen ist, dazu kann ich in keiner Weise etwas sagen."

(KURIER) Erstellt am
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