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Politik Inland
04/27/2020

Streit um Fenstertage: „In solchen Momenten peinlich, Lehrer zu sein"

Die Empörung von Lehrergewerkschafter Paul Kimberger, dass an zwei Fenstertagen unterrichtet werden soll, kommt unter den Lehrern nicht gut an – sie zeigen sich kooperativ.

von Ida Metzger

„In solchen Momenten ist es mir echt peinlich, Lehrer zu sein“, macht der AHS-Physik-Lehrer Martin Apolin seinem Ärger über die Engstirnigkeit der Gewerkschaft in den sozialen Medien Luft.

Vor allem die Aussagen von Lehrergewerkschafter Paul Kimberger haben den Autor und AHS-Lehrer auf die Palme gebracht. In einem Interview mit der Tiroler Tageszeitung übte der Gewerkschafter heftige Kritik an Bildungsminister Heinz Faßmann. Auslöser war die Ankündigung, dass Lehrer an den zwei schulautonomen Fenstertagen nach Christi Himmelfahrt und Fronleichnam unterrichten sollen. „Das ist schlicht und einfach eine Frechheit. Die Lehrer hätten sich etwas anderes verdient“, so der empörte Kimberger.

Mehr noch: Die Gewerkschaft der Pflichtschullehrer sieht darin einen Gesetzesbruch.

Ärger über Gewerkschaft

Offenbar spricht Kimberger aber nicht für alle Lehrer. Denn Apolin kontert: „Im Gesundheitssystem arbeiten alle bis zum Umfallen, bei Gastro und Tourismus stehen Existenzen auf dem Spiel, und die Lehrergewerkschaft mault darüber, dass zwei Fenstertage ausfallen. Echt jetzt?“ Der AHS-Lehrer habe viele Anrufe von seinen Kollegen erhalten, die ihn in seiner Haltung unterstützen, erzählt Apolin dem KURIER.

Dass der erste Reflex der Gewerkschaft stets nur Widerstand sei, ärgert den AHS-Physik-Lehrer. „Denn dann bleibt nur das Bild übrig, dass sich die Lehrer gegen jede Veränderung wehren. Ich finde, die Direktoren sollten das Bild richtigstellen“, fordert Apolin.

Wie aber kommt Kimberger auf die Idee, dass es sich hier um einen Gesetzesbruch handeln könnte? Die schulautonomen Tage seien in der Jahresarbeitszeit der Lehrer berücksichtigt, argumentiert Kimberger. Manche Schulen hätten die autonomen Tage bereits in Anspruch genommen, andere hätten sie aber an den Zwickeltagen geplant. Zur Erklärung: Die beiden Fenstertage sind eben keine gesetzlichen Feiertage, sondern schulautonome Tage, die unterrichtsfrei, aber nicht grundsätzlich arbeitsfrei für Lehrer sein sollten, sondern der Fortbildung und Schulentwicklung dienen. Eine kleine Minderheit von Schuldirektoren setzt das auch durch, aber die Mehrheit akzeptiert das einfach als freien Tag.

Aus dem Bildungsministerium heißt es, man werde bei diesem Vorhaben nicht zurückweichen. Bildungsminister Heinz Faßmann habe mit Kimberger bereits telefoniert und man arbeite jetzt an einer gemeinsamen Lösung. Aber für Faßmann stehe fest, dass „alle Tage, die noch zur Verfügung stehen, für den Unterricht ausgenützt werden sollten“.

Keine Schularbeiten

Ein Feindbild für die Lehrer ist der Bestsellerautor Andreas Salcher – auch er ist überzeugt, dass hier die Gewerkschaft nur einem eingelernten Reflex nachgegeben hat. „Die Fußball-EM wurde abgesagt, die Olympischen Spiele verschoben, fast alle Betriebe gesetzlich geschlossen, was viele Mitarbeiter den Job kosten wird. Aber dass an zwei Fenstertagen Unterricht stattfindet, ist für einige Lehrergewerkschafter ein Gesetzesbruch und überhaupt undenkbar. Daher sollte das Parlament das völlig antiquierte Lehrerdienstrecht so schnell wie möglich ändern“, wettert Salcher.

Digitaler Unterricht über Videokonferenzen ist für die Lehrer sicher eine Umstellung. Aber haben sie wirklich so viel mehr zu arbeiten als beim klassischen Unterricht? Das fragen sich viele Schulinsider. Immerhin müssen die Lehrer keine Schularbeiten vorbereiten und auch keine korrigieren. Auch die Matura ist dieses Jahr weniger arbeitsintensiv. Dass derzeit weniger Arbeitsstunden anfallen, kann AHS-Lehrer Martin Apolin allerdings nicht bestätigen. Er habe 240 Schüler zu betreuen. „Ich gebe pro Woche zwei Aufgaben. Also muss ich 480 Aufgaben korrigieren und eine schriftliche Rückmeldung geben. Das ist sehr zeitintensiv.“

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