Will endlich wieder in die Schule!

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Kiku
04/23/2020

Kinder schrittweise in Schulen lassen: Erste Schritte, aber ...

Netzwerk für kindergerechte Schule stellt konkrete Forderungen an Bildungsminister. Update: Stellungnahme zum Regierungs-Fahrplan.

von Heinz Wagner

In einem offenen Brief wendet sich das "Netzwerk für kindergerechte Schulen" an den Bildungsminister. Der - Bief - wird hier - in voller Länge - veröffentlicht.

„Herr Bildungsminister Heinz Faßmann: „Lassen Sie die Kinder ab Anfang Mai wieder in die Schulen!“

  • In kleineren Gruppen, Schritt für Schritt. Die Jüngeren und die bisher nicht Erreichbaren voran, sie brauchen es am dringendsten!
  • Lassen Sie die Schulen bei der Öffnung verantwortungsvoll und pädagogisch autonom handeln mit zentralen Zielvorgaben und unter Einhaltung aller wichtigen Vorsorgemaßnahmen!
  • Richten Sie unverzüglich eine breite Schul Taskforce ein!

Unter letzterem versteht das „überparteiliche Netzwerk für kindergerechte Schulen“ – schaumonito.at – „sofortige Einrichtung einer breiten, beim BMBWF angesiedelten, transparenten Taskforce zur multiperspektivischen Begleitung aller schulischen Maßnahmen aktive Einbeziehung von Schüler*innen, Pädagog*innen, Bildungswissenschaftler*innen, Bildungs-NGOs, Gewerkschaftsvertreter*innen, Sozial- und Gesundheitsexpert*innen, Elternvertreter*innen, Bildungssprecher*innen aller Parlamentsparteien. Vor und bei jeder ministeriellen Verordnung ist diese Taskforce einzubinden“, so Josef Reichmayr, jahrzehntelanger Gründungsdirektor der Integrativen Lernwerkstatt Brigittenau (ILB) in der Aussendung des Netzwerks.

Detaillierte Vorschläge/Forderungen

Die drei eingangs zitierten zentralen Forderungen werden ion dem offenen Breif an den Bildungsminister noch konkreter ausgeführt:

Kontrollierte Öffnung der Schulen ab Anfang Mai in kleineren Lerngruppen beginnend mit den Schulstufen 0 bis 3 – zentrale Rahmenvorgaben für Gruppengrößen und Hygiene—Minimalstandards – die Umsetzung wird verantwortungsvoll schulautonom gesteuert.

Jahreszeugnisse Ende Juni 2020 mit Aufstiegsberechtigung für alle Schüler*innen (bis zur 3. Schulstufe ohne Ziffernnoten)
An den Schnittstellen (4. + 8. Schulstufe): Es gelten die Beurteilungen vom Halbjahr – wer sich verbessern möchte, muss die Möglichkeit dazu bekommen – Wiederholungen nur einvernehmlich zwischen Schule und Eltern.

Berücksichtigung der Schüler*innen mit Sonderpädagogischem Förderbedarf: Schaffung der Möglichkeit, dass dieses Schuljahr mit mit Einverständnis der Eltern nicht in die Schulpflicht eingerechnet wird.

Begleitung des gemeinsamen Neustarts mit Kindern und Jugendlichen durch vorhandenes und zusätzliches psycho-soziales Assistenzpersonal (+ 500 Dienstposten) – aktive aufsuchende Sozialarbeit.

Deutschförderklassen bis auf weiteres zugunsten einer schulautonom verantwortungsvollen und standortbezogen passgenauen Organisation sämtlicher Deutschfördermaßnahmen – MIKA.D Tests zumindest im Frühjahr 2020 aussetzen . Für Seiteneinsteiger*innen Schaffung der Möglichkeit, dass dieses Schuljahr mit Einverständnis der Eltern nicht in die Schulpflicht eingerechnet wird

Aussetzen der zu Schulbeginn verpflichtend vorgeschriebenen Zuordnung aller Schüler*innen an den Mittelschulen nach den Kategorien Standard und Standard AHS

Österreichweiter massiver Ausbau der Summer School Angebote an möglichst vielen Schulstandorten kostenfrei für Eltern, wochenweise oder länger offenstehend für alle Kinder und Jugendlichen, inklusiv, in guter Mischung von Lernförderung und Bewegung in der Natur. Sicherstellung des nötigen zusätzlichen Personals durch den Bund

Rascher und massiver Ausbau der überbetrieblichen Lehrlingsausbildung sowie der Fachmittelschul-Angebote, um die verlorengegangenen Lehrstellen zu kompensieren

http://schaumonito.at/

Lernwerkstatt.or.at

Update 24. April 2020, 15.59 Uhr

Stellungnahme zum Regierungs-Fahrplan

Die Plattform sendet aktuell dieses detaillierte Statement zum Fahrplan des Bildungsministeriums für die Wiederbelebung der Schulen aus: 

Schichtbetrieb“ ist brauchbares Konzept!

Für eine verantwortungsvolle autonome Umsetzung an den Schulen müssen mehr Freiräume gewährt werden: bei Gruppeneinteilung, Lernräumen, Beurteilungsform und Stundenplänen! 

Wichtig dabei: Zurückfahren der bürokratisch-administrativen Zwangsvorgaben

Im Detail heißt es dann

„Schulautonomie Monitoring Österreich“ unterstützt den heute vorgestellten Plan des Bildungsministers für eine Öffnung der Schulen im Wechselbetrieb kleinerer Gruppen und die Herausgabe des Hygiene-Handbuchs!

"Minister Faßmann betonte, dass „die autonome Schule eine Säule des Systems“ ist. Leider setzt das Bildungsministerium dieses Bekenntnis aber in wesentlichen Belangen nicht in die Wirklichkeit um: 

Warum können die Gruppen für Kinder mit schwachen Deutschkenntnissen nicht in einer für den einzelnen Schulstandort gut passenden Mischung mit den anderen und ohnehin neu zu bildenden verkleinerten Lerngruppen autonom zusammengesetzt werden?

Warum dürfen die Volksschulen – an denen es heuer richtigerweise keine Schulstufen-Wiederholungen geben soll – nicht schulautonom auf die (pädagogisch) überflüssigen Ziffernnoten bis zur 3.Schulstufe verzichten?

Jene Schulen und Pädagog*innen, die schon bisher ihre Schüler*innen zu großer Selbständigkeit beim Lernen trainiert sowie die verfügbaren Räume im Schulhaus (Gangbereiche, Nebenräume, Freiflächen) kreativ für Lernaktivitäten in Kleingruppen genutzt haben, werden in der neuen Etappe der kontrollierten Schul-Öffnung ebenso gute und dennoch den allgemeinen Hygiene-Vorschriften sinngemäß und bestmöglich Rechnung tragende AUTONOME Lösungen finden.

Autonomie statt Bürokratie!

Schwieriger sind solch autonome Lösungen bei den schon lange und immer mehr überbordenden administrativen Zwängen, die Bildungsministerium und Bildungsdirektionen den Schulen und Schulleiter*innen aufhalsen. Das wird gerade in solch außergewöhnlichen Situationen wie der Corona-Pandemie drastisch sichtbar. Die Autonomie, die notwendig wäre, um vor Ort flexible gute Lösungen zu finden und sie auch legal abzubilden, gibt es de facto nicht! 

Die Fortführung der bisherigen Stundenpläne ist zwar eine gut gemeinte Geste des Ministeriums. Es wird aber in der Praxis nicht anders gehen, als auch hier sehr flexible und der Situation angepasste Lösungen an den einzelnen Schulen zu entwickeln und umzusetzen. Dem stehen allerdings die bürokratischen Korsette für Stundenpläne, Klasseneinteilungen, Unterrichtseinheiten, Lehrfächer-Verteilung komplett im Weg und wäre es höchste Zeit, auch hier den Schulen entsprechende und viel größere autonome Gestaltungsräume zu geben!

Psychosoziale Assistenz-Kräfte!

Völlig aus dem Blick zu geraten (zumindest bei der heutigen Pressekonferenz) scheinen bereits jetzt die psycho-sozialen und sozialarbeiterischen Assistenzkräfte. Dabei werden diese in nächster Zeit sehr dringend und in gutem Zusammenspiel mit den Lehrer*innen und Freizeitpädagog*innen gebraucht. „Schulautonomie Monitoring Österreich“ erneuert seine Forderung nach der raschen Schaffung von 500 neuen Dienstposten gerade in diesem Bereich!

Was die Summer-Schools anbelangt: Es gibt dazu nicht nur in anderen Staaten, sondern speziell in Wien seit wenigen Jahren wertvolle Vorerfahrungen, die in ein österreichweites Konzept für so ein Angebot einfließen könnten und sollten. 

Im Lichte all dieser Anmerkungen möge der Bildungsminister die von „schaumonito“ geforderte rasche Einrichtung einer breiten und transparenten Taskforce (u.a. mit Schüler*innen, Pädagog*innen, Eltern- und Gewerkschaftsvertreter*innen) nicht als Belästigung empfinden, sondern als Hilfestellung, um die in den nächsten Wochen vielfältigen Erfahrungen an den Schulen zu sammeln, auszuwerten und wiederum allen als Anregung zur Verfügung zu stellen. 

Ein wertvoller und höchst nutzbringender Akt des Demokratie-Lernens – trauen Sie sich, Herr Minister!"

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