Strache als, wie er sagte, "Bürger" bei der Pro-Raucher-Demo am Samstag.

© Kurier/Franz Gruber

Politik Inland
11/24/2019

Strache will wieder zurück, FPÖ denkt nun über seinen Ausschluss nach

FPÖ-Generalsekretär Hafenecker schloss am Sonntag nicht aus, dass Strache nun endgültig aus der FPÖ ausgeschlossen werden könnte.

von Christoph Schattleitner

Seine Facebook-Seite hat die FPÖ, sein Handy die Staatsanwaltschaft. Der ehemalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache lässt es sich aber nicht nehmen, mit seinem persönlichen Profil auf Facebook das politische Tagesgeschehen zu kommentieren.

Nun hat Strache in der Nacht auf Sonntag seine Rückkehr als FPÖ-Parteichef angeboten, wie FPÖ Fails twitterte. Der KURIER konnte die Echtheit des Postings verifizieren. Später schrieb der freiheitliche Ex-Obmann sein Posting allerdings noch um.

Zunächst postete Strache um 00:20 Uhr in der Früh:

"Ich biete der FPÖ die Aufhebung meiner Suspendierung (diese war eine anti-freiheitliche Vorverurteilung) und Rückkehr als Parteichef an. Die Parteibasis soll entscheiden. Machen wir eine demokratische Basis-Abstimmung! 👍"

Strache antwortete auf einen Kommentar eines Users, der zu Straches Listengründungs-Gerüchten meinte: "Liste HC spaltet und vernichtet die FPÖ."

Die Diskussion fand auf der Facebook-Seite der Tageszeitung Heute statt, die wie andere Medien über Straches Anrufliste vor der Ibiza-Enthüllung berichtete.

Update: Strache ändert Posting

Sonntagmittag, um 12:54 Uhr, änderte Strache sein Facebook-Posting. Er spricht nunmehr nicht mehr von "Parteichef", sondern von "Wiener Parteichef". Und er möchte in der bearbeiteten Version eine Abstimmung, "wer die FPÖ in die Zukunft und Wiener Wahl 2020 führen soll!"

Eine Stunde danach, um 13:55 Uhr, bearbeitet Strache seinen Kommentar noch einmal. Nun fordert er zusätzlich die "Rücknahme des Parteeiausschlusses meiner Frau Philippa". Die dritte Version seines Facebook-Kommentars postet er - inklusive Link zu diesem Artikel - auf seinem Facebook-Profil. Nun also ganz offiziell.

 

FPÖ-Reaktion: "Strache soll Selbstreflexion üben"

Am Nachmittag hat sich am Rande der Steiermark-Wahl auch FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker geäußert:

"Strache muss sich selbst Gedanken machen, ob er sich mit seinem Verhalten einen Gefallen tut. Er sollte Selbstreflexion üben und nachdenken, was er als Parteichef über jemanden gedacht hätte, der sich so verhält wie er jetzt."

Auch der Wiener FPÖ-Landesparteisekretär Michael Stumpf kann Straches Aussagen "nicht nachvollziehen". Er nennt Straches Ansinnen, sich einer Abstimmung zu stellen, "interessant": "Denn seine (Straches, Anm.) Erklärungen aus den vergangenen Monaten, nämlich dass er sich aus der Politik vollständig zurückzieht, haben wir zur Kenntnis genommen und nie bezweifelt."

Also auch in Wien ist Strache unerwünscht. "Eine Aufhebung der Suspendierung Straches käme nur infrage, wenn an den Vorwürfen nichts dran ist", so Stumpf.

Hafenecker denkt über Straches Ausschluss nach

Tirols FPÖ-Chef Abwerzger nennt Strache Rückkehrabsichten einen „Affront gegenüber der Partei“. FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker schloss am Sonntag in Im Zentrum nicht aus, dass Strache nach seiner Aktion endgültig aus der FPÖ ausgeschlossen werden könnte.

Ibiza: Rücktritt nach fatalem Video

Strache trat am 18. Mai von allen Ämtern zurück, nachdem das berüchtigte Ibiza-Video ihn bei konspirativen Gesprächen mit seinem Vertrauten Johann Gudenus und einer falschen Oligarchen-Nichte gezeigt hatte. Er war rund 14 Jahre lang FPÖ-Bundesobmann gewesen.

An diesem Wochenende wurden einige Telefonate bekannt, die Strache in den Tagen vor der Ibiza-Enthüllung geführt hatte. Damals war der Vizekanzler von der Süddeutschen Zeitung und dem Spiegel mit seinen Aussagen im Video konfrontiert worden. Daraufhin telefonierte Strache unter anderem mit Immobilieninvestor und Signa-Gründer René Benko sowie mit der Waffenindustriellen-Gattin Kathrin Glock, wie eine Rufdaten-Rückerfassung der "Soko Ibiza" laut Profil zeigt.

Im vergangenen Sommer postete Strache zunächst von seiner offiziellen Seite, bis ihm die FPÖ die Hoheit über das reichweitenstarke Medium entzog. Von da an postete er nur mehr von seinem persönlichen Account (mit immer noch rund 53.000 Fans) munter weiter seine Meinung über die FPÖ, die Ibiza-Affäre und innenpolitische Themen. Zum Missfallen seiner Parteifreunde.

Nach der sogenannten Spesenaffäre sowie Verwerfungen mit dem heutigen FPÖ-Chef Norbert Hofer und dem jetzigen Klubchef Herbert Kickl wurde Strache von seiner Partei suspendiert. Aus westlichen Landesparteien wurde auch der Ruf nach dem Ausschluss des einstigen Langzeit-Obmannes laut. Philippa Strache hat Absichten ihres Gatten, eine eigene politische Liste zu gründen, die etwa bei der Wien-Wahl 2020 ihr Glück versuchen könnte, bisher ausgeschlossen.