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Stocker auf Tour: Der Spagat des Kanzlers

Christian Stocker versucht seine Sommertour als überparteiliches Event zu verkaufen. Kann das gelingen?
"ÖSTERREICH IM GESPRÄCH?: STOCKER (ÖVP)

Der Schauplatz – das Haus der Digitalisierung in Tulln – soll Modernität und Innovationskraft vermitteln. Die auf die Wände gebeamten Postkartenmotive Heimatverbundenheit, die Österreich- und EU-Flagge hinter dem Sessel des Kanzlers staatsmännische Überparteilichkeit.

Zumindest bei der optischen Inszenierung passte alles beim Auftakt von „Österreich im Gespräch“ – der Tour von Christian Stocker, mit der er noch bis Ende August durch alle neun Bundesländer unterwegs ist, um sich den Fragen und Anliegen der Bevölkerung zu stellen. Das Ziel ist klar: Der Kanzler will Bürgernähe signalisieren.

Knapp 200 Personen kamen an diesem Donnerstagnachmittag nach Tulln, manche mit konkreten Fragen und Beschwerden, andere, um einfach einmal den Kanzler aus der Nähe zu sehen. Um einen möglichst repräsentativen Querschnitt zu erreichen, nahm Meinungsforscher Peter Hayek eine Vorauswahl unter den Anmeldungen vor.

Das dürfte im Wesentlichen gelungen sein: Das Publikum ist einigermaßen gemischt, wobei die älteren Semester merklich in der Überzahl sind. Anwesend sind aber auch zahlreiche ÖVP-Mitglieder und -Funktionäre. Wie Alfred Lauber. Ihn führt sein „Interesse an der Politik“ hierher. Mit der Performance der Regierung ist er nur mäßig zufrieden, „sie sollte etwas weniger links und ein bisschen wirtschaftsfreundlicher sein“, sagt er.

„Was wir machen, machen wir für Sie. Ich könnte auch in Pension gehen, mache aber die Arbeit für dieses Land sehr gerne“, begrüßt Stocker, der von Moderatorin Vera Russwurm unterstützt wird, die Gäste.

Russwurm versucht gleich zu Beginn den Kritikern der Veranstaltung den Wind aus den Segeln zu nehmen. Diese hatten Stocker vorgeworfen, dass die Tour vom Kanzleramt und nicht von der ÖVP finanziert wird. „Es handelt sich um eine parteiübergreifende Veranstaltung des Bundeskanzlers“, betont sie. Laut Stocker habe man über eine Veranstaltung mit den beiden anderen Koalitionspartnern nachgedacht, terminlich sei das aber schwierig.

Rollenverteilung

Immer wieder zeigt sich am Abend, wie schwer diese Trennung zwischen Kanzler und ÖVP-Chef ist. Gleich zu Beginn wird er auf typische türkise Themen angesprochen: Wann werde das Versprechen, dass sich Leistung wieder lohnen müsse, endlich Realität, will ein Zuhörer wissen. Wie könne es sein, dass Menschen so viel Notstandshilfe bekommen, dass sie nicht mehr arbeiten wollen. „Wir sind auf dem Weg, dass der Abstand aus Arbeit und Nicht-Arbeit größer wird“, verspricht Stocker. Er betont: „Diese Regierung hat das Pickerl, sie sei links. Sie ist das aber genauso wenig, wie sie eine neoliberale ist.“

Vieles habe man schon geschafft – von der Senkung der Lohnnebenkosten bis zum Österreich-Tarif bei der Energie. „Wir haben erst eineinhalb Jahre hinter uns, bitte um Verständnis, dass noch nicht alles umgesetzt ist“.

Thema Migration: Eine Pädagogin bemängelt, dass die Regierung immer nur davon rede, wen sie außer Landes gebracht habe und nicht darüber, was Migranten für das Land leisten. Stocker stimmt zu, betont aber: „Wir müssen beide Seiten sehen.“

Manche sind über die Gesundheitsreform enttäuscht, andere sorgen sich um den Erhalt der Finanzämter im Waldviertel. Einer outet sich offen als Fan des Kanzlers. „Sie strahlen die nötige Ruhe aus“, so ein Zuhörer, der aber fürchtet, dass die schlechten wirtschaftlichen Kennzahlen 2029 dennoch zur Abwahl Stockers führen werden. „Dabei möchte ich von Ihnen regiert werden.“ Das freut Stocker naturgemäß. Er verweist darauf, dass sich die Daten seit Start der Regierung verbessert hätten. „Es ist Licht am Ende des Tunnels.“

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