SPÖ Wien: Häupl tritt noch einmal an

PK ZUR VORSTANDSTAGUNG DER WIENER SPÖ: HÄUPL
Foto: APA/GEORG HOCHMUTH Wiens Bürgermeister Michael Häupl.

Der Langzeit-Bürgermeister will sich laut Medienbericht Ende April der Wiederwahl stellen.

Seinen Rückzug verkünden, wie die beiden ÖVP-Landeshauptmänner Josef Pühringer und Erwin Pröll? Daran scheint Michael Häupl derzeit offiziell nicht zu denken. Der Wiener Bürgermeister will sich am Parteitag der Wiener SPÖ Ende April der Wiederwahl stellen, berichtet das Ö1-Morgenjournal. "Ja", er werde wieder antreten, hat er auf einer Veranstaltung der SPÖ klar gemacht, zu der Bundeskanzler Christian Kern am Montagabend geladen hatte.

"Ich hab immer einen Plan"

In der SPÖ ist wieder einigermaßen Frieden eingekehrt, hieß es dann am Dienstag von Häupl: "Momentan hab ich den Eindruck, wir haben schon größere innerparteiliche Probleme gehabt. Es hat sich die Festigung der Gesprächsbasis durchaus bewährt." Beim Parteitag am 29. April werde er kandidieren, versicherte er einmal mehr. Er gehe davon aus, dass es ein "die Wiener Sozialdemokratie stärkender Parteitag" sein werde, zeigte sich der Chef der Wiener Roten zuversichtlich.

Die Frage, ob es einen "Fahrplan" für seine Nachfolge gebe, bejahte Häupl: "Ich hab immer einen Plan." Wie dieser aussieht, bleibt hingegen weiterhin offen: "Wenn ich sage, jetzt höre ich auf, jetzt übergebe ich, dann ist die Frage beantwortet. Ich werde mich jedenfalls dafür einsetzen, dass mein Nachfolger jemand wird, der Wahlen gewinnt."

Der Landesparteitag der Wiener SPÖ  findet am 29. April 2017 statt. Dieser war usprünglich im Herbst 2017 geplant, im vergangenen Dezember wurde die Vorverlegung beschlossen. Dass Häupl bei der nächsten Wien-Wahl im Jahr 2020 erneut antritt, wird von Experten aber ausgeschlossen.

Zum Artikel "Michael Häupl vor dem Abgang"

Häupl im Porträt

Häupl kam am 14. September 1949 in Altlengbach zur Welt und wuchs in einer ÖVP-nahen Lehrerfamilie auf. Der Bub besuchte unter anderem die Schule der Benediktiner in Seitenstetten. Nach der Matura begann er in Wien das Studium der Biologie und Zoologie. Ab dem Jahr 1975 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Naturhistorischen Museum und promovierte zwei Jahre später über die Schädelkinetik bei Gekkoniden, den Kleinechsen der Tropen.

Schon während des Studiums erfolgte ein politischer Richtungswechsel: Er beendete seine Mitgliedschaft in einer Burschenschaft und dockte beim Verband Sozialistischer Studenten (VSStÖ) an. Als dessen Bundesvorsitzender fungierte er von 1975 bis 1977. 1983 zog er in den Gemeinderat ein. Am 29. Jänner 1988 wechselte Häupl auf Wunsch seines politischen Ziehvaters Helmut Zilk als Umweltstadtrat in die Stadtregierung.

Endgültig zu Zilks Kronprinzen auf das Amt des Bürgermeisters avancierte Häupl schließlich am 23. April 1993, als er die Nachfolge Hans Mayrs als Vorsitzender der Wiener SPÖ antrat. Die Wahl zum Stadtoberhaupt erfolgte am 7. November des Folgejahres, wobei Gemeinderatsvorsitzender Mayr den Neo-Bürgermeister damals als "Dr. Michael Haupt" vorstellte.

 … Foto: KURIER/Gerhard Deutsch Mit dem politischen Ziehvater Helmut Zilk Häupl musste gleich bei seinem ersten Urnengang 1996 eine herbe Niederlage einstecken. Die rote Absolute war Geschichte, es folgte eine SPÖ-ÖVP-Koalition. 2001 konnten die für die Wiener SPÖ gewohnten Verhältnisse jedoch wiederhergestellt werden, wohl auch dank des erklärten Lieblingsfeindes des Bürgermeisters - der schwarz-blauen Bundesregierung. Sie wurde zum Hauptangriffsziel im Wahlkampf.

Die Absolute konnte Häupl im Wahljahr 2005 nicht nur verteidigen, sondern sogar leicht ausbauen. Fünf Jahre später mussten die Roten mit 44,3 Prozent jedoch deutliche Stimmenverluste hinnehmen und kamen nur mehr auf 49 Mandate. Häupl, der bis dahin als bekennender Großkoalitionär galt, entschied sich diesmal dennoch für einen Regierungspakt mit den Grünen, wobei er das Koalitionsabkommen per "Man bringe den Spritzwein" endgültig besiegelte.

Der Bürgermeister kann aber auch mit so manchem Schwarzen gut. Geradezu legendär ist sein guter Draht zu Niederösterreichs Langzeit-Landeshauptmann Erwin Pröll, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verbindet.

Opernball 2017 Foto: KURIER/Franz Gruber Mit Ehefrau Barbara Hörnlein Das Stadtoberhaupt ist in dritter Ehe mit Barbara Hörnlein, der ärztlichen Direktorin des Wilhelminenspitals, verheiratet. Aus seinen vorangegangenen Ehen gingen zwei Kinder hervor, wobei Sohn Bernhard als SPÖ-Jugendkoordinator seine ersten Schritte in Richtung Parteikarriere bereits gemacht hat. Häupl urlaubt bevorzugt in der Toskana und frönt dem Fußball - zumindest wenn er von der Wiener Austria gespielt wird. Nicht verwunderlich, dass der Bürgermeister auch dem Kuratorium der Violetten vorsitzt. Dem Punk ist der Politikerprofi auch nicht abgeneigt: "London Calling" von The Clash ist sein Lieblingsalbum.

(red / sho) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?