Nach Kern-Debatte: Was wir über die SPÖ gelernt haben

Viele der durchgehend männlichen SPÖ-Landeschefs sind noch nicht lange im Amt – und öffentlich eher unbekannt. Klare Lager gab es in der Debatte um Christian Kern nicht.
LANDESPARTEITAG DER SPÖ KÄRNTEN ÜBER NACHFOLGE VON LH PETER KAISER: FELLNER/SCHAUNIG/BABLER/KAISER

75,34 Prozent: Im Juni 2021 erzielte die damalige SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner das bisher schwächste Ergebnis bei einer SPÖ-Vorsitzwahl ohne Gegenkandidaten. Droht dem amtierenden Vorsitzenden und Vizekanzler Andreas Babler bei der Abstimmung am 7. März in Wien ein ähnliches „Streichkonzert“? Zumindest haben das jene Delegierten angekündigt, die sich eine Kampfabstimmung zwischen Babler und Ex-Kanzler Christian Kern gewünscht hätten.

Nach tagelangem Zaudern sagte Kern am Mittwoch bekanntlich für den Parteitag ab. Zuvor hatte er – mit Kärntens SPÖ-Chef Daniel Fellner – Wiens Bürgermeister Michael Ludwig besucht. Dieser teilte Kern erneut mit, dass es der falsche Zeitpunkt für einen Wechsel an der Parteispitze sei – und dass er Kern in keinster Weise unterstützen würde. Wie geht es nach den chaotischen Tagen in der SPÖ weiter?

Heute tagen die Gremien. Der Parteivorstand hat sich im September 2025 einstimmig auf Babler als Kandidat geeinigt. Gegenkandidaten gibt es wohl keinen – außer, der Vorstand gibt der Bewerbung des Burgenländers Berthold Felber statt. Felber trat bereits 2023 bei der Kampfabstimmung zwischen Babler und Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil an – und erhielt null Stimmen.

Die unklaren Kräfteverhältnisse

Interessant ist, wie sich die Landeschefs in den vergangenen Tagen positioniert haben. Die zentrale Erkenntnis: Klare Machtblöcke sind auch nach der Kern-Debatte nicht auszumachen – eher Partikularinteressen. Viele der allesamt männlichen Landeschefs sind noch nicht lange im Amt und eher unbekannt.

2027 wählen turnusmäßig Tirol und Oberösterreich. Tirols SPÖ-Chef Philip Wohlgemuth übernahm Ende 2024 den Posten von Landeshauptmannstellvertreters Georg Dornauer. Wohlgemuth unterstützt Babler. Er geißelt gegenüber der APA die öffentliche Führungsdiskussion als „Unart“. Ähnlich klar äußerte sich zuvor Martin Winkler, seit Juni 2025 Chef der SPÖ OÖ.

ORDENTLICHER PARTEITAG DER SPÖ TIROL: WOHLGEMUTH

Philip Wohlgemuth

2028 wählen Niederösterreich, Kärnten und Salzburg. Fellner führt seit September 2025 den Kärntner Vorsitz und muss Peter Kaisers Landeshauptmannsessel gegen die FPÖ halten. Dass Fellner im Hintergrund für Kern Stimmung machte, kann man so deuten, dass er sich von einem Bundeschef Kern mehr Rückenwind erwartet hätte als von Babler.

Nach NÖ: Landeschef Sven Hergovich hat die Bundesgremien jüngst verlassen. Das Tischtuch zwischen ihm und Babler galt als zerschnitten, nachdem ihm dieser als Minister verhinderte. Aus Teilen Niederösterreichs kamen auch die größten Bestrebungen, Kern zu einer Kampfabstimmung zu überreden – vergeblich.

Und Salzburg? Parteichef Peter Eder, seit November 2025 im Amt und AK-Präsident in Salzburg, hat Babler bereits öffentlich kritisiert. In der Krone legte er nach: Mit den Umfragewerten Bablers würde er in Salzburg nicht kandidieren. Den heute tagenden Gremien bleibt Eder fern.

Weitere Wahlniederlagen?

In ihren Ländern stehen Winkler, Hergovich und Eder einer schwarz-blauen Übermacht gegenüber. Ähnlich trist sieht es für den Steirer Max Lercher aus. Er zählte zu den Kern-Unterstützern. Die Steiermark wählt direkt nach der Nationalratswahl 2029. Zuvor ist noch Mario Leiter in Vorarlberg an der Reihe, wo die SPÖ kaum eine Rolle spielt.

Das Burgenland und Wien – neben Kärnten die letzten roten Bastionen – wählen erst 2030. Doskozil verhielt sich in der Kern-Debatte auffallend passiv, hätte dessen Comeback aber wohl begrüßt. Ludwig werfen interne Kritiker jetzt schon vor, Babler mit seiner Absage an Kern auf Jahre einzementiert und damit weiteren Wahlniederlagen den Weg bereitet zu haben.

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