"Echte Chance": Schumann wirbt für Wiedereingliederungsteilzeit
Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) hat eine bundesweite Online-Kampagne zur Wiedereingliederungsteilzeit gestartet. Sie wolle noch mehr Menschen von diesem "wirklich sehr wichtigen Instrument" informieren, dass "Menschen nach schwerer Erkrankung eine echte Chance" am Arbeitsmarkt gebe, meint Schumann am Donnerstag bei einem Mediengespräch.
Was ist die Wiedereingliederungsteilzeit? Eine 2017 eingeführte Maßnahme, die einen schrittweisen Wiedereinstieg in den Berufsalltag nach längerem Krankenstand ermöglichen soll. Voraussetzung: ein bestehendes Arbeitsverhältnis und ein Krankenstand von mindestens sechs Wochen.
Wie sich das in der Realität auswirkt
Das Modell: Der Arbeitnehmer reduziert seine Arbeitszeit um 25 bis 50 Prozent. Das muss im Einvernehmen mit dem Arbeitgeber erfolgen, es besteht kein Rechtsanspruch. Der Arbeitgeber bezahlt dann die gearbeiteten Stunden, die zuständige Krankenkasse zahlt zusätzlich Wiedereingliederungsgeld aus. Dieses entspricht dem erhöhten Krankengeld, also 60 Prozent der Bemessungsgrundlage.
Das Ministerium rechnet vor: Eine Arbeitnehmerin verdient 2.000 Euro. Sie geht nach einem längeren Krankenstand zu 50 Prozent in Wiedereingliederungsteilzeit. Sie verdient dann die Hälfte ihres Entgelts - 1.000 Euro - und erhält für die andere Hälfte das erhöhte Krankengeld: 600 Euro. Für den Zeitraum der Wiedereingliederung erhält sie also insgesamt 1.600 Euro.
Schumanns Ziel
Wiedereingliederungsteilzeit ist für maximal neun Monate möglich. Seit ihrer Einführung 2017 sei die Anzahl der Anträge kontinuierlich gestiegen, so Schumann. Von 2020 bis 2025 wurden 127.433 Personen und 7.744 Betriebe beraten. Fanden 2020 noch 13.728 Beratungen statt, waren es im Vorjahr 26.727. In Anspruch nehmen das Modell rund 6.000 Personen pro Jahr.
Wie viele sollen es künftig sein? Es gebe "keinen genauen Zielwert", aber sie wolle so breit wie möglich über die Maßnahme informieren, betont Schumann. Dafür brauche es "umfassende und leicht zugängliche Information", die man über die Info-Seite www.wiedereingliederungsteilzeit.gv.at anbietet. Die Kampagne soll insbesondere Ärzte ansprechen, die bei einem nachhaltigen beruflichen Wiedereinstieg eine wesentliche Rolle spielen würden, so Schumann.
Laut Sozialministerium sind 87 Prozent jener Personen, die Wiedereingliederungsteilzeit in Anspruch nehmen, ein Jahr danach weiter in Beschäftigung - und 70 Prozent ein Jahr später wieder in Vollzeit.
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