Politik | Inland
13.09.2017

SP-Manager nach eMail-Affäre: "Kerns Team muss noch üben"

Christian Kern und Georg Niedermühlbichler © Bild: APA/HELMUT FOHRINGER

Pannenserie im Wahlkampf: Burgenländischer Landesgeschäftsführer sieht externe Berater kritisch, ist für die Wahl aber optimistisch.

Wahlkampf-Mitarbeiter bei der SPÖ ist ein Job, der gerade keinen Spaß machen dürfte: Nach der Festnahme des externen Beraters Tal Silberstein wird eine Ex-Mitarbeiterin verdächtigt, interne eMails zwischen Silberstein und Kanzler Christian Kern publik gemacht zu haben.

Die Pannenserie, die mit Handgreiflichkeiten unter Mitarbeitern im Juni begann, reißt nicht ab. "Es läuft etwas holprig", sagt Christian Dax, SPÖ-Landesgeschäftsführer im Burgenland. In zweieinhalb Wochen findet dort die erste kleine Probe für der Nationalratswahl statt: die Gemeinderatswahl. Dax ist ganz entspannt: "Pannen passieren immer. Wichtig ist, dass das Team zusammenhält."

Das sei das Problem bei der Bundespartei: "Der Spitzenkandidat ist perfekt, aber das Team muss noch üben. Bei der ÖVP ist es genau umgekehrt."

Prinzipiell sei man mit der Kandidatenliste und dem Programm gut aufgestellt, betont er. "Es kommt auf die Inhalte an, auf die müssen sich alle gemeinsam konzentrieren und Eigeninteressen hintanstellen." Etwaige Fehler müssten nach der Wahl sorgfältig analysiert werden.

In Bezug auf das aktuelle "rote Watergate" kritisiert Dax, dass die Parteizentrale sich "zu sehr auf Externe verlassen" habe. "Im Burgenland vertrauen wir auf das Know-how der eigenen Leute", sagt der SPÖ-Mann aus dem Osten.

Dolmetscherin nicht durchgecheckt

Im Westen sieht man die Causa "halb so schlimm". So sagt der Vorarlberger SPÖ-Klubchef Michael Ritsch: "Bei den Menschen draußen fragt mich niemand nach Silberstein und Co. Der Wahlkampf ist von einem Personenkult geprägt, und da ist für Christian Kern noch alles drin."

Auch aus der Steiermark heißt es vom stellvertretenden Landeshauptmann Michael Schickhofer: "Gut ist es nicht, was da passiert ist, aber darauf kommt es im Endeffekt nicht an, wenn man versucht, die Republik mit Inhalten besser zu gestalten." In der Steiermark sei die Stimmung gut, ähnliches höre man aus allen Ländern. Dass es in der Bundeshauptstadt intern nicht immer rund läuft, räumt aber auch Schickhofer ein.

Wie berichtet, wurden ja Interna wie etwa ein Dossier mit vernichtendem Urteil über den Zustand der Partei und ein Plan für Dirty Campaigning gegen die ÖVP an die Medien gespielt. Ob man gedenkt, gegen die Verdächtigte vorzugehen, verrät die SPÖ auf KURIER-Anfrage nicht.

Kurioses Detail: Die externe Dolmetscherin soll nur auf Empfehlung einer Mitarbeiterin engagiert worden sein, ohne – wie im politischen Bereich üblich – gründlichem Hintergrundcheck.