Politik | Inland
11.09.2017

Peinliche SPÖ-Mails: Erste Spur führt zu Ex-Berater Silberstein

Nur kleiner Kreis kannte die internen Mails, die jetzt publik wurden – darunter eine Übersetzerin, die ihren Job verloren hat.

Tal Silberstein ist längst nicht mehr Teil der SPÖ-Kampagne, seinen Schatten ist die Partei aber nicht los. Die jüngsten Kalamitäten rund um nach außen gespielte vertrauliche eMails dürften auf das engere Umfeld des Mitte August vorübergehend verhafteten Beraters zurückgehen.

Die Mails zeigen, dass die SPÖ offenbar Dirty Campaigning gegen die ÖVP geplant hatte. Silberstein gab bei einer Werbeagentur Anti-Kurz-Videos in Auftrag. Als das Nachrichtenmagazin profil am Freitag deswegen bei SPÖ-Geschäftsführer Georg Niedermühlbichler anfragte, witterte dieser in einer Aussendung "Datenklau" und kündigte rechtliche Schritte gegen denjenigen an, der diese Interna den Medien zugespielt hatte.

Damit heizte er die Debatte aber erst richtig an. Als tags darauf neue Details auftauchten, wurde es endgültig peinlich. In den Mails enthalten ist nämlich auch ein Dossier eines Ex-Mitarbeiters von Alfred Gusenbauer, der Niedermühlbichler "einen Mangel an Know-how" attestiert und die Auftritte der SPÖ-Minister als "unkoordiniert" bezeichnet.

Verzweifelte Mitarbeiterin

Nach außen hin will die Partei den Ball nun flach halten und sich öffentlich nicht mehr an Spekulationen beteiligen, wer der Übeltäter sein könnte, der die Mails hinausgespielt hat.

Hinter den Kulissen gibt es aber einen ersten Verdacht – und der führt zu einer ehemaligen Mitarbeiterin Silbersteins (Name der Redaktion bekannt).

Die eMails seien nur an einen sehr kleinen Kreis adressiert gewesen, sagt ein Insider. In einem Beispiel etwa nur an Kanzler Christian Kern und Silberstein. Da dieser des Deutschen nicht mächtig ist, hat die besagte Mitarbeiterin diese eMails für ihn übersetzt.

Nach dem Rauswurf des israelischen Politikberaters war sie – wie das gesamte Team um Silberstein – ihren Job los. Dass dies "zu einer gewissen Verzweiflung" geführt habe, sei "menschlich verständlich", heißt es aus dem SPÖ-Kampagnenteam. Dafür aber, dass sie einen Datenstick mit den eMails verkauft habe, wie Politikberater Rudi Fußi in einem Video via Twitter gemutmaßt hat, gibt es keinen Beleg.

Bezug zu ÖVP-Umfeld?

Vorläufig nur gemutmaßt wird auch, dass der politische Gegner dahintersteckt. Die Silberstein-Mitarbeiterin hat laut mehrerer Quellen einen persönlichen Draht zum weiteren ÖVP-Umfeld.

Als "absurd" bezeichnet man derlei Spekulationen in der ÖVP-Parteizentrale. Man kenne "keine Mitarbeiter von Tal Silberstein", wird pauschal erklärt.