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Politik Inland
06/05/2020

Sommerschule in Österreich: So funktioniert der Unterricht für 42.000 Schüler

Erstmals soll es in Österreich für 6- bis 14-Jährige in je zwei Ferienwochen von 8 bis 12 Uhr Unterricht geben.

von Johanna Hager

Ein Monat vor Beginn der Schulferien stellt Bildungsminister Heinz Faßmann ein bis dato einmaliges Angebot vor. Wer sich beim Lernen schwer tut, während Corona in seinen Leistungen zurückgefallen ist, bei seinen Deutschkenntnissen Aufholbedarf hat, der kann in den letzten zwei Ferienwochen in die Schule gehen.

Das Angebot richtet sich an die 6- bis 14-Jährigen. Wer für das Angebot infrage kommt, das sollen vorrangig Lehrer und Schuldirektoren entscheiden.

Zielgruppen sind laut Bildungsministerium Kinder aus Volksschule und der Sekundarstufe I (VS, NMS und AHS Unterstufe) und zwar speziell:

* außerordentliche Schülerinnen und Schüler,

* Schülerinnen und Schüler mit einem nicht abgesicherten Genügend und einem Nicht genügend in Deutsch,

* Schülerinnen und Schüler, die im Fach Deutsch einen besonderen Aufholbedarf, auch aufgrund der Situation der letzten Monate, aufweisen.

"Ausschlaggebend ist die Empfehlung der Lehrer oder des Schulleiters. Diese sind nicht verpflichtend, aber wir raten es an", sagt Faßmann. "Verpflichtend ist es nur dann, wenn man sich angemeldet hat." Es sei erstmals eine "einmalige Chance für Kinder", so der zuständige Minister, der betont: "Sommer und Schule: Das verhält sich wie Hund und Katz. Der Sommer bleibt natürlich Ferienzeit".

Ab 9. Juni können Eltern ihre Kinder anmelden unter www.sommerschule.gv.at

Die Sommerschule selbst wird an "ausgewählten Schulstandorten stattfinden" und zwar in den letzten zwei Ferienwochen vom

24.08. bis 04.09.2020 im Burgenland, in Niederösterreich und Wien bzw.

von 31.08. bis 11.09.2020 in Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol und Vorarlberg

jeweils von 8.00 bis 12.00 Uhr statt.

Für die Nachmittagsbetreuung sei ebenfalls gesorgt, so Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl. Es gebe hierfür einen eigenen Fördertopf, der für Gruppenaufsichten zur Verfügung stehe. Generell finanziert wird die "Sommerschule", die Faßmann dezidiert nicht als "Paukerkurs" verstanden wissen will, durch Bund und Länder. Es handle sich um eine geteilte Finanzerung, die Lehrer bekommen eine "Überstundenabgeltung/Mehrdienstzulage".

5 ECTS-Punkte & 42.000 Schüler

Unterrichtet werden sollen die geschätzten 42.000 Schüler von Lehrern sowie Lehramtsanwärtern. Diese erhalten 5 ECTS-Punkte (125 Stunden) für ihre Tätigkeit. Für diese Arbeit werden die Studierenden nicht entlohnt. Grund: "Es handelt sich um eine ganz normale Lehrveranstaltung, eine schulpraktische Ausbildung, die im Curriculum vorgesehen ist", erklärt Faßmann. Gerade weil wegen Corona viele ihre Schulpraxis nicht absolvieren konnten, handle es sich um eine "Win-Win-Situation".

Buddy-System & Eltern-Kurse

Die Kinder selbst würden ebenfalls von der Sommerschule profitieren, denn es werden Bonuspunkte vermerkt und in die Beurteilung des kommenden Semesters miteinfließen. Zusätzlich soll das sogenannte "Buddy"-Modell weiter ausgebaut werden. "Buddys sind Schüler aus einer höheren Schulstufe, die sich freiwillig bereit erklären, die Sommerschule zu unterstützen", so Faßmann.

Raab akzeptiert Geringschätzung der österreichischen Werte nicht

Das Angebot der Sommerschule umfasst nicht nur Schüler, sondern auch deren Eltern. Laut Integrationsministerin Susanne Raab soll durch Elternkurse sichergestellt werden, dass die Schüler auch zu Hause "die notwendige Unterstützung bekommen". Oft könnten die Eltern ihren Kindern nicht bei Hausaufgaben helfen, weil sie der deutschen Sprache nicht mächtig seien. Zudem gebe es Migranten, beispielsweise aus Afghanistan, die sich des Stellenwerts der Bildung in Österreich gar nicht bewusst seien, da in ihrem Heimatland 25 Prozent nie eine Schule besuchten. Finanziert wird das Eltern-Angebot aus Mitteln aus dem Integrationsfonds.

"Aus Integrationssicht ist klar: Gute Deutschkenntnisse sind der Schlüssel für eine gelungene Integration. Integration ist aber auch immer ein zweiseitiger Prozess: Der Staat stellt Angebote zur Verfügung, wir erwarten aber auch, dass diese Angebote angenommen werden". sagt Raab.

Das Angebot für die Eltern soll "Stellenwert der Bildung in Österreich, die Wichtigkeit Deutsch zu lernen, die Grundzüge des österreichischen Bildungssystems, die Bedeutung der Mitwirkung von Eltern am Bildungsweg ihrer Kinder sowie Bildungsmöglichkeiten für Schüler" aufzeigen.

Die Kurse  - 2- bis 3-stündige Abendveranstaltungen - finden vom 22. Juni bis zum 31. August statt und werden von "zertifizierten ÖIF-Trainern und Beratern durchgeführt", so Raab. Die Kurse werden in deutscher Sprache abgehalten -  bei Bedarf gebe es Dolmetscher. Zudem wird das Online-Angebot ausgebaut.

Für Kinder mit Deutschförderbedarf am Übertritt vom Kindergarten zur Volksschule stehen zusätzlich im Internet Lernclips zur Verfügung und zwar von 6. Juli bis 13. September  unter www.sprachportal.at.