Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Skandal um SOS-Kinderdorf: Was bisher geschah

Neuer Geschäftsführung und neuer Aufsichtsrat sollen Reformen für Kinderschutz umsetzen.
PK "ABSCHLUSSBERICHT DER VON SOS KINDERDORF EINGESETZTEN REFORMKOMMISSION": SANTNER/PORCHAM/GRISS

Erste Berichte über mutmaßliche Misshandlungen in Einrichtungen der Organisation SOS-Kinderdorf in Kärnten und Tirol veröffentlichte der Falter im vergangenen September.

Zwischen 2008 und 2020 sollen Kinder gequält worden sein – mit Essens- und Wasserentzug, Schlägen und Demütigungen, wie aus einer internen Studie hervorging.

Die damalige Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf Österreich, Annemarie Schlack, entschuldigte sich live im Fernsehen bei den Opfern und versprach Aufklärung. Eine Kommission unter der früheren Präsidentin des Obersten Gerichtshofs und Ex-Neos-Politikerin Irmgard Griss wurde eingesetzt.

Im Oktober folgte die nächste Enthüllung: Gründer Hermann Gmeiner soll mindestens acht Burschen sexuell missbraucht haben. Die Übergriffe wurden nicht angezeigt, sondern intern durch Entschädigungszahlungen an die Opfer für erledigt erklärt. Etliche Straßen, Plätze und Parks, die nach Gmeiner benannt waren, wurden mittlerweile umbenannt.

Zudem wurde publik, dass der langjährige Präsident Helmut Kutin über Vorwürfe der sexuellen Übergriffe durch einen Großspender Bescheid wusste (siehe oben).

Ende November wurde ein neuer Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Friedrich Santner eingesetzt – er ist selbst in einem Kinderdorf aufgewachsen und soll mit einem interdisziplinären Team die von der Geschäftsführung angekündigten Reformen überwachen.

Im Dezember geriet die Organisation finanziell ins Straucheln: Im Dachverband fielen etliche Stellen wegen Budgetkürzungen weg. Der österreichische Verein erlitt in der Vorweihnachtszeit massive Spendeneinbußen. Der laufende Betrieb dürfte aber durch Tagsätze, die die Kinder- und Jugendhilfe des jeweiligen Bundeslandes für die Betreuung bezahlt, sichergestellt sein.

Im März trat Schlack als Geschäftsführerin zurück; Carolin Porcham folgte nach. Den Abschlussbericht der Griss-Kommission, der Ende Juni präsentiert wurde, sieht Porcham als „Arbeitsauftrag“, die Organisation dauerhaft im Sinne des Kinderschutzes weiterzuentwickeln. „Wir bauen auf Bewährtem auf, verändern konsequent dort, wo es notwendig ist, und schaffen verbindliche Strukturen für die Zukunft. Daran werden wir uns messen lassen.“

Kommentare